Zölle: Die Schweiz hat nicht agiert, jetzt muss sie reagieren
- Admin
- vor 1 Tag
- 4 Min. Lesezeit
US-Präsident Trump verhängt hohe Zölle im Umfang von 32 Prozent auf zahlreiche Industrieprodukte, die aus der Schweiz in die USA exportiert werden möchten. Jetzt findet landauf landab das grosse Jammern statt. Wie HSG-Studierende versuchen der Bundesrat und Parlamentarier mit Excel-Tabellen und Taschenrechner herauszufinden, wie Trump auf 32 Prozent kam. Anstatt endlich zu kapieren, dass ein neuer Wind weht und die vorhandenen Ungleichheiten auszugleichen, hofften alle, der Kelch würde an der Schweiz vorbei gehen. Die Schweiz war einmal mehr maximal unvorbereitet.

Die USA haben einen Handelskrieg gegen die Schweiz eröffnet. Trump weiss, die Schweiz ist ein kleines Land und hat Geld. Und an dieses Geld versucht er ranzukommen. Kapiert es endlich: Die US-Zölle sind nicht etwa eine Reaktion auf vergleichbare Zölle der Schweiz, sondern eine Bestrafung für das Handelsbilanzdefizit sowie auf andere Hemmnisse, wie die Mehrwertsteuer oder CO2-Abgaben, die Produkte aus den USA beim Import in die Schweiz verteuern und so weniger attraktiv machen.
Natürlich hat die Schweiz Zölle auf den meisten Industrieprodukten abgeschafft, aber wir belasten beispielsweise amerikanische Autos beim Import so stark mit anderen Abgaben (etwa der CO2-Abgabe nach Fahrzeuggewicht), dass ein schwerer US-Car, der in den USA 36'000 Dollar kostet, bei uns am Schluss für gegen 80'000 Franken verkauft werden will. Man macht amerikanische Autos also beim Import bewusst unattraktiver, weil man will, dass Schweizerinnen und Schweizer möglichst europäische oder asiatische Autos kaufen sollen, die qualitativ zwar schlechter, dafür weniger gross und viel unweltfreundlicher sind. Das ist Marktabschottung und dafür werden wir nun bestraft.
Solche Hemmnisse gibt es zu Hauf, etwa auch bei Landmaschinen. Wir haben bei soaktuell.ch bereits in früheren Berichten darauf aufmerksam gemacht, dass die Regierung Trump solche Machenschaften nicht mehr toleriert und sie sanktioniert. Die Schweiz hätte genug Zeit gehabt, den USA hier entgegen zu kommen. Doch die intelligenten Juristen zu Bundesbern hatten den Eindruck, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun und verwiesen auf die "Einheit der Materie". Als ob so ein dämlicher Spruch den Deal-Maker Trump beeindrucken würde. Jetzt haben wir den Salat. Jetzt wird es richtig teuer für unser Land und unsere Wirtschaft. Erwacht endlich. Als nächstes kommen die Banken und die Pharmaindustrie dran.
Jetzt kann die Schweiz nur noch reagieren. Sie hat jetzt drei Möglichkeiten:
Alles akzeptieren, die Produkte mit einem Zuschlag von 32 Prozent in den USA zu verkaufen versuchen und darauf hoffen, dass die Ära Trump nicht allzu lange dauert. Also Schwanz einziehen bis zum Anschlag und kuschen. Leider die wahrscheinlichste Variante.
Mit einem massiven Vergeltungsschlag im Zollkrieg reagieren und gleich hohe Zölle auf allen Produkten aus den USA erheben. Da die USA weniger Produkte in die Schweiz liefert, als wir in die USA und weil wir ein kleiner Markt sind, würde das den USA kaum weh tun, aber der Schweiz schon. Denn unsere Importeure sind bekannt dafür, dass wenn die Importkosten um 32 Prozent steigen, sie die Verkaufspreise der Produkte um 50 Prozent erhöhen, um auch noch etwas am Schlamassel zu verdienen.
Werke in den USA schliessen, dort geschaffene Jobs abbauen, kein Erdöl und Uran mehr in den USA kaufen, Evaluationen amerikanischer Waffensysteme für die Aufrüstung der Schweiz abbrechen und sich systematisch aus den USA zurückziehen (auch mit den Banken, der Pharma und der Uhrenindustrie). Auf Standorte in Kanada, Grossbritannien, der EU und Asien setzen. Waffen in Grossbritannien, Frankreich, Israel etc. beschaffen. In den USA gelagertes Gold und/oder Pensionskassengeld sofort in die Schweiz zurück holen. Trump hat den Handelskrieg angefangen, nicht wir. Wer so auf die Kleinen losgeht, dem ist alles zuzutrauen. Während der Amtszeit von Trump auf Ferien in den USA verzichten. Eine Liste mit den am häufigsten importierten Gütern und Dienstleistungen aus den USA publizieren sowie Alternativen aufzeigen. So kann das Volk selber den USA dort weh tun, wo es eben möglich ist. Das Schweizer Volk ist sehr nachtragend macht das super gut. Bei Tesla hat das ja schon ganz gut geklappt. In den ersten drei Monaten dieses Jahres ist der Verkauf von Tesla-Neuwagen in der Schweiz um Zweidrittel eingebrochen. Seien wir ehrlich, es gibt tolle, innovative und bezahlbare E-Autos aus China, Südkorea oder Schweden. Auch für Coca Cola, Pepsi, Harley Davidson, John Deere, Netflix, Facebook, X, Instagram, Apple usw. gibt es tolle Alternativen. Wir rufen hier nicht dazu auf, diese aufgezählten Marken und Produkte zu boykottieren, aber mal kurz über mögliche Alternativen nachdenken lohnt sich bestimmt.
Jetzt bloss nicht verhandeln und auf den Knien einen Deal eingehen
Hoffentlich hat der Bundesrat bei seinen Entscheidungen endlich begriffen, dass ein Handelskrieg im Gange ist, den wir nicht angefangen haben. Es ist zu befürchten, dass der Bundesrat wieder einmal mit einem mutlosen Mix aus den drei obigen Varianten versuchen wird, zu reagieren. Und gleichzeitig wird er wohl auf Verhandlungen setzen und auf den Knien bei Trump um Gnade im Wirtschaftskrieg hecheln. Letzteres wäre fatal. Denn eines ist Fakt: Genau so wie man Putin die Grenzen seiner Machtpolitik in der Ukraine aufzeigen muss, muss man auch Trump Grenzen setzen. Beide haben eines gemeinsam: Sie lieben es, wenn die Betroffenen auf den Knien daherkommen und sie sich am Schluss mit einem Deal durchsetzen können. Und sie mögen es gar nicht, wenn man entschlossen hinsteht, sich wehrt und ihnen zu verstehen gibt, dass sie nicht der Nabel der Welt sind und es auch ein Leben ausserhalb der Grossmächte gibt.
Eines haben Trump und Putin geschafft: Die EU steht wieder näher zusammen als je zuvor - auch die Schweiz. Käme der Rahmenvertrag der Schweiz mit der EU jetzt zur Abstimmung, würde er angenommen.
Die Auffassung, dass amerikanische Autos qualitativ besser wären, haben Sie aber auch exklusiv. Branchenexperten wie Ferdinand Dudenhöffer oder Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management sind da ganz anderer Meinung: "Die haben eigentlich nichts anzubieten, was bei uns größere Marktanteile gewinnen könnte." Und über Tesla müssen wir ja gar nicht mehr reden.