Der Nikkei 225, Japans wichtigster Börsenindex, verlor innert wenigen Tagen satte 15 %. Besorgte Leser fragten mich: Warum dieser plötzliche Absturz aus heiterem Himmel und ob nun auch die anderen Börsen - wie namentlich die schweizerische - folgen werden?

Maximilian Reimann

Ohne in Panik machen zu wollen, lautet meine Antwort unmissverständlich so: Die Höhenluft, worin sich die Aktienbörsen weltweit bewegen, ist dünn, ja sehr dünn geworden. Das schürt die Nervosität vieler Anleger und deshalb gehören Einbrüche kleineren bis grösseren Ausmasses nun zur Tagesordnung. Dem kann sich keine Börse entziehen, weder in den USA, noch in Europa und somit auch nicht in der Schweiz.

Nikkei: Plus 80 % in 7 Monaten

Bleiben wir aber noch kurz an der japanischen Börse, wo eine ganze Reihe von Weltkonzernen wie Toyota, Honda, Sony, Panasonic oder Canon kotiert sind. Der wichtigste Index ist der Nikkei 225 mit ebenso vielen soliden Aktienwerten. Im letzten November notierte er noch bei 8‘800 Punkten. Dann ging es innert 7 Monaten rasant um 80 % nach oben auf 15‘940 Punkte. Das war absolut einmalig und offensichtlich des Guten zu viel. Am 23. Mai verlor der Nikkei dann an einem einzigen Tag 8 %. Inzwischen liegt der Einbruch bei 15 %, doch das Jahresplus beträgt immer noch phantastische 60 %. Aber Unruhe und Nervosität sind umgehend auf die übrigen Börsen übergeschwappt. Nur, diese sind nicht so stark in die Höhe geschnellt und deshalb werden sie vom Abwärtsstrudel auch nicht derart massiv in Mitleidenschaft gezogen. So hat der vergleichbare Gesamtmarktindex in der Schweiz, der SPI, in derselben Zeitspanne „nur“ knapp 30 % zugelegt und davon zwischenzeitlich auch erst 6 % verloren. Aber der Trend ist vorgezeichnet. Wir werden es auf absehbare Sicht mit Schaukelbörsen zu tun bekommen. Ob wir die Jahreshöchststände -  in vielen Ländern wie in den USA oder Deutschland waren es gar die Allzeit-Höchst - bereits hinter uns haben, weiss allerdings niemand.

Ursachen der Börsenwende

Nach einem derart starken Aufschwung sind Gewinnmitnahmen etwas völlig Normales. Ja man kann das förmlich als eine „gesunde Kurskorrektur“ bezeichnen. In vorliegendem Fall hat eine Äusserung von US-Notenbankchef Bernanke aber noch für zusätzliche Dynamik gesorgt. Bernanke deutete an, dass die Zeit des lockeren Notenbankgeldes zu rekordtiefen Zinssätzen allmählich als beendet zu betrachten sei. Weil ein beträchtlicher Teil dieser liquiden Mittel nicht nur dem Kampf gegen die Verschuldungskrise vieler Staaten und zur Stützung der Wirtschaft diente, sondern auch den Weg an die Aktienbörsen einschlug, begannen grosse Investoren wie Fonds oder Vorsorgeeinrichtungen, Kasse zu machen. Das beschleunigte die Talfahrt und das wiederum wurde von diversen Analysten als Beginn der Kurswende betrachtet. Die nächsten Monate werden zeigen, ob sie mit dieser Einschätzung richtig liegen oder nicht.

Absichern oder Verkaufen?

Eines aber dürfte zutreffen: Mit dem Börsenzug nach oben wird es in diesem Tempo nicht weitergehen. Wahrscheinlicher sind Schaukelbörsen mit Trend nach unten. Damit sehen sich Aktionäre aller Kategorien, also kleine, mittlere wie grosse, vor die Herausforderung gestellt, wie sie es mit den sich inzwischen angehäuften Kursgewinnen halten wollen. Dazu gibt es vornehmlich drei Instrumente:

  • Kauf von Put-Optionen

Der Anleger erkauft sich das Recht, während einer bestimmten Zeit Aktien zu einem im Voraus festgelegten Kurs verkaufen zu können. Dafür bezahlt er eine Prämie. Dieses Instrument ist sehr spekulativ und eignet sich nicht unbedingt für gewöhnliche Anleger.

  • Setzen von Stopp-loss-Limiten

Das sind bedingte Verkaufsaufträge, die nur ausgeführt werden, wenn der Aktienkurs unter eine im Voraus festgesetzte Limite fällt. Der Anleger beschränkt also das Verlustpotenzial nach unten. Dieses Instrument taugt durchaus für Normalanleger.

  • Sofortige Verkäufe

Wer von wegen dünner Luft der Börse nicht mehr traut, möge sukzessive mit dem Verkauf von Aktien beginnen. Er realisiert Börsengewinne gemäss der Devise: Was man hat, das hat man, und trauert einem allfällige Wiederanstieg der Börsenkurse nicht nach.

Was tun mit Verkaufserlösen?

Wer also nicht einfach auf seinen Aktien sitzen bleiben möchte, sondern handelt und verkauft, dem stellt sich die Frage, was tun mit den liquiden Mitteln? Da ist Eile nun keineswegs am Platz. So kann man zuwarten, um die verkauften Werte auf deutlich tieferem Niveau rückkaufen zu können. Oder man hält Ausschau nach preislich attraktiven anderen Anlagewerten. Dazu ein aktuelles Beispiel: Der Exchange Traded Fund der ZKB auf Silber (Börsensymbol ZSIL), der innert einem halben Jahr von 100 auf 65 Franken gefallen ist. Oder man verbleibt auf der ertragslosen Liquidität, in der Hoffnung, die Zinssätze an den Obligationenmärkten würden alsbald anziehen und investiert dann hier. Mit dieser Methode ist man immerhin vor weiteren Verlusten an der Aktienbörse bewahrt.

06.06.2013 | 2833 Aufrufe

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