In diesen Tagen und Wochen werden die einseitig politisch gefärbten Machenschaften deutschsprachiger Medien reihenweise entlarvt. Neuestes Beispiel: Die boomende britische Wirtschaft seit dem "Brexit". Gemäss den selbsternannten "Qualitätsmedien" sollte die nämlich in einer tiefen Rezession stecken. Tut sie aber nicht. 

Ein Kommentar von Roman Jäggi, Inhaber der Internet-Zeitung soaktuell.ch

So manche Redaktorin und mancher Redaktor fiel bei den Vorhersagen rund um die US-Präsidentschaftswahlen gehörig auf die Nase. Die Gesichter der völlig verstörten Moderatorinnen und Moderatoren des Schweizer Fernsehens am Morgen der Trump-Wahl bleiben unvergessen. Die gleiche Journalisten-Gilde setzte schon beim "Brexit" auf die falsche Karte und erklärte der Leserschaft in Deutschland und der Schweiz wochenlang, warum die Briten die EU niemals verlassen würden. Es kümmerte die Briten nicht. Sie verliessen die EU. 

Daraufhin setzten die wieder gleichen Medien alles auf die Karte der Depression und Rezession. Es ist die Aufgabe der Redaktionen, Inhalte und Sachverhalte zu gewichten. Kurz vor und noch Monate nach dem "Brexit-Votum" wurden negative Stimmungen wie Drohungen gezielt aufgebaut. Hier ein paar Schlagzeilen:

14.04.2016 Aargauer Zeitung
Nein zu Europa: Was bedeutet der Brexit für Grossbritannien, die EU und die Schweiz?
Auszug: "Gestern wurde bekannt, dass auch der Internationale Währungsfonds vor den Folgen eines Austritts warnt. Schätzungen gehen davon aus, dass im Falle eines «Ja» zum Austritt aus der EU Grossbritannien mittelfristig in eine Rezession abdriftet."

19.07.2016 Tages-Anzeiger
IWF drosselt nach Brexit seine Konjunkturprognose
Auszug: "Ökonomen gehen davon aus, dass ein solcher Brexit die britische Wirtschaft an den Rand der Rezession bringen könnte."

22.07.2016 Die Welt
Grossbritannien ist Rezession so gut wie sicher

03.08.2016 BLICK
Britische Ökonomen warnen vor stärkster Krise seit 2009

03.08.2016 Spiegel Online
Grossbritannien steuert nach Brexit-Votum auf Rezession zu

Man darf den Redaktionen nicht verbieten, das weiterzugeben, was so genannte Experten und Ökonomen plaudern. Aber man sollte von guten Redaktorinnen und Redaktoren erwarten, dass sie mindestens eine Sekunde daran denken, dass es auch anders kommen könnte. Dass beispielsweise die britische Wirtschaft sich nach dem Brexit ja auch positiv entwickeln könnte. Dass statt Hillary Clinton ja auch Donald Trump gewählt werden könnte. Dass Angela Merkel 2017 als Bundeskanzlerin abgewählt und Marine Le Pen zur französischen Präsidentin gewählt werden könnte. Was unwahrscheinlich scheint, ist nicht unmöglich.

Ist es von den angeblichen Qualitätsmedien zu viel verlangt, sich auch Gedanken über die andere Seite der Medaille zu machen? Der grosse Vorwurf, den man den meisten Medien heute machen kann, ist, dass sie politische Scheuklappen tragen. Was nicht sein darf, kann nicht sein - scheint die Devise zu sein. Deshalb fallen sie immer häufiger auf die Nase und stehen völlig unprofessionell da. 

Jüngstes Beispiel: Die britische Wirtschaft

Sechs Monate nach dem "Brexit" tönt es in "The Times" wie folgt:

"Britain ended last year as the strongest of the world’s advanced economies with growth accelerating in the six months after the Brexit vote. Business activity hit a 17-month high last month, meaning that the economy grew by 2.2 per cent last year — more than the six other leading nations, including the US, Germany and Japan."

"Großbritannien beendete das vergangene Jahr als stärkste der weltweit ausgerichteten Volkswirtschaften mit einem beschleunigten Wachstum in den sechs Monaten nach der Brexit-Abstimmung. Die Geschäftsentwicklung befand sich im letzten Monat auf einem 17-Monats-Hoch. Die Wirtschaft wuchs um 2,2% gegenüber dem Vorjahr - das ist mehr als in den sechs anderen führenden Nationen, inklusive USA, Deutschland und Japan."

Oder anders formuliert: Mit dem "Brexit" wurde in Grossbritannien eine Handbremse gelöst. Einmal mehr also nichts als politisch gefärbte "Fake-News" unserer Medien. Nutzloses Experten-Bla-Bla, missbraucht von den immer gleichen Redaktorinnen und Redaktoren, um die Stimmung vermeintlich in eine politische Richtung zu lenken. Die Verleger tragen das mit. 

Wann begreifen die betroffenen Verlage endlich, dass es genau dieser Journalismus ist, der Tausende zahlende Abonnentinnen und Abonnenten dazu bringt, ihr Abo zu kündigen. Denn für solchen unausgewogenen und blinden Schwachsinn braucht niemand zu bezahlen. 

Den Briten hingegen mögen wir ihren Erfolg gönnen. Sie haben es verdient. 

07.01.2017 | 10569 Aufrufe

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