Das Heimtier-Geschäft in der Schweiz boomt und hilft sogar strauchelnden Konzernriesen wie Nestlé dabei, ihre Probleme in Grenzen zu halten. Das Unternehmen war im vierten Quartal 2017 nur um 2,4 Prozent gewachsen und hatte damit seine eigenen negativen Schätzungen (2,6 %) sogar noch unterboten. Der tatsächliche Gewinn lag nur bei 332 Millionen Franken und damit 3 Milliarden Franken tiefer als erhofft. Dass es überhaupt noch ein Plus gab, lag wesentlich am stark laufenden Verkauf von Heimtier-Produkten in Europa und insbesondere in der Schweiz. Nestlé, das die genauen Zahlen für die Heimtier-Sparte nicht bekannt gibt, dürfte im Trend der hiesigen Branche oder sogar darüber liegen. Seit 2010 wäre der Geschäftsbereich damit um mehr als 25 Prozent gewachsen. 

Martina Gloor

Katzenfutter treibt die Verkaufszahlen 
Laut Nestlé ist es vor allem das Katzenfutter, dass das Geschäft mit dem Heimtier boomen lassen. Inzwischen leben in der Schweiz fast 1,5 Millionen Katzen und die Zahl ist stark steigend. Bei Hunden gibt es hingegen nur noch ein Wachstum bei den kleineren Rassen. Die Zahl der grösseren Tiere ist rückläufig. Hinzu kommen neuartige Haustiere wie Pfeilgiftfrösche oder Bartagame. Kleintier- und Amphibenfutter, das im (online oder offline) Fachgeschäft gekauft werden muss, liegt voll im Trend. 

Die Tierladenkette Qualipet konnte seinen Umsatz so von 2010 rund 142 Millionen Franken auf rund 169 Millionen Franken in 2016 steigern. Die Gruppe rund um Fressnapf Schweiz, Pet Vision und Maxi Zoo durfte sich 2016 über einen Gesamtumsatz von 90 Millionen Franken freuen. Damit lag man mehr als 25 Prozent über dem Wert von 2010. Auch Newcomer wie Zoobio die 2016 in 15 europäische Länder gestartet sind, konnten einen dreifachen Wachstum hinlegen.

Schweizer greifen tiefer in die eigene Tasche 
Die Schweizer sind inzwischen bereit, wesentlich tiefer als noch vor einigen Jahren zu greifen. 2016 und 2017 gaben Heimtier-Besitzer rund 1,5 Milliarden Franken für Hunde, Katzen, Vögel, Kaninchen und Co. aus. Der Betrag hat sich innerhalb von zehn Jahren um fast 50 Prozent gesteigert. 

Mehrausgaben gibt es dabei insbesondere beim Futter und beim Spielzeug. Bio-Gerichte und selbst veganes Futter stehen bei der Käufern inzwischen sehr hoch im Kurs. So berichtet Anifit beispielsweise, dass es grossen Erfolg mit dem Verkauf von Bierhefe als Nahrungsergänzungsmittel für den Hund habe. Qualipet bietet sehr erfolgreich Harmony Deluxe Rind an. Vor Weihnachten gingen luxuriöse Hundeschlafkissen, die mehr als 200 Franken kosten, bei den Händlern weg wie warme Semmeln. 

Versicherungen profitieren nicht 
Das Bundesamt für Statistik hat ausgerechnet, dass jeder Schweizer durchschnittlich 1068 Franken für seinen Hund oder seine Katze ausgibt. Mancherorts werden diese Zahlen sogar noch einmal deutlich höher geschätzt. "Der Beobachter" geht beispielsweise von jährlichen Aufwendungen von 1500 bis zu 2000 Franken für einen Hund aus. Die Tendenz ist weiterhin steigend. Jede Branche boomt dabei - bis auf eine: Versicherungen für ihre Tiere mögen nur wenige Schweizer. 

Laut Bundesamt für Statistik sind nur 10 Prozent der Heimtiere versichert. Als Vergleich: In Schweden sind 77 Prozent der Hunde und 36 Prozent der Katzen versichert. Dabei würde eine Police das Budget nicht einmal sonderlich mehr belasten. Eine Katze kann man bereits ab knapp 60 Franken pro Jahr versichern. Bei Hunden beginnen die Preise ab 100 Franken.

 

Symbolbild von Silvio-Bu / pixelio.de

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