Mit einer Billion Euro soll um die morsche Währungszone der 17 EU-Staaten, die den Euro übernommen hatten, nun eine „Brandmauer“ gelegt werden. Lässt sich der Euro-Flächenbrand damit verhindern?

von Maximilian Reimann

Ehrlich gesagt, ich habe grosse Zweifel. Eine Billion Euro, das sind – umgerechnet zum aktuellen Kurs – 1‘200‘000‘000‘000 Schweizerfranken. Eine astronomische Zahl, die man sich höchstens im Vergleich mit etwas anderem vorstellen kann wie etwa 20-mal das Jahresbudget des Bundes oder 150‘000 Franken pro Kopf des Schweizervolkes. Dass das auf Dauer nicht gut gehen kann, dürfte wohl manchem noch einigermassen rational denkenden Menschen  plausibel sein.

Nach uns die Sintflut?
Trotz grosser Bedenken namhafter Ökonomen startete der Euro vor über einem Jahrzehnt mit viel Vorschusslorbeeren. Heute wissen wir, dass man wirtschaftlich starke und schwache Länder währungspolitisch nicht verschmelzen kann, auch nicht mit einer Billion Euro, um die Löcher der Schwachen zu stopfen. Das machen die Steuerzahler in den starken Ländern auf Dauer einfach nicht mit. Und die Politiker, von Herrn Barroso, der uns Schweizer oft gerne massregelt, über Frau Merkel, Herrn Sarkozy bis hin zu Herrn Juncker? Da bin ich mir je länger je mehr nicht mehr sicher, ob es denen nicht primär ums eigene politische Überleben geht, ganz nach der Devise „Nach uns die Sintflut“. Meines Erachtens kommt die EU nicht um drastische Massnahmen in Sachen Euro herum. Man muss Länder, die im Euro-Korsett ersticken, wieder austreten lassen. Oder es ist die Euro-Zone aufzuteilen in Länder, die ohne Wenn und Aber die rigiden Stabilitätskriterien einhalten, und die anderen, die dazu nicht in der Lage sind. Vielleicht ergibt sich daraus ein Euro-Nord und ein Euro-Süd, mit unterschiedlicher Entwicklungstendenz. Damit wäre aber das „Projekt Euro“ gescheitert und ein wesentlicher Pfeiler der EU eingebrochen. Das will in Brüssel aber weit und breit niemand wahrhaben.

Wie weiter aus Schweizer Sicht?
Sollte die EU - allenfalls gemeinsam mit dem IWF - effektiv diese Billion Euro oder einen grossen Teil davon für besagte Rettungsübung aufwenden müssen, dann wird sich daraus ein riesiges Inflationspotenzial ergeben. Für Schweizer Anleger hiesse das, Hände weg vor Euro-Anlagen, denn der Euro würde gegenüber dem Franken weiter an Wert verlieren. Ganz anderer Meinung sind da unsere Sozialdemokraten. Sie glauben, mit weiteren massiven Euro-Käufen könnte die Schweizer Nationalbank den Euro wieder auf Fr. 1.35 oder gar 1.40 hieven. Das ist und bleibt reine Illusion. Schlechtem Geld weiterhin gutes nachwerfen, war noch nie von Erfolg gekrönt. Schon 2010 glaubte die Nationalbank, mit rund 200 Milliarden Franken den Niedergang des Euro stoppen zu können. Unter dem Strich resultierte ein Verlust von gegen 40 Milliarden. Schade für dieses Volksvermögen von rund 5‘000 Franken pro Kopf!

05.04.2012 | 3527 Aufrufe

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