Brustschwimmen im Bodensee, Rückenkraulen im Rhein. Mit ihrer Fülle an Seen und Flüssen beherbergt die Schweiz knapp 6 Prozent des europäischen Trinkwasservorkommens. Ein Mekka für Wasserratten also. Aber das war nicht immer so.

von Martina Gloor

Baden als Freizeitaktivität ist für jeden Schweizer heutzutage eine absolute Selbstverständlichkeit. Eine 42-Stunden-Woche lässt genug Zeit für einen kurzfristigen Ausflug zum nächsten Gewässer, alle notwendigen Utensilien wie Herren- und Damenbademode hat man bereits bequem im Internet bestellt und die Wasserqualität ist top - zumindest grösstenteils.

Manche Wassertropfen erinnern sich nach wie vor an eine nicht ganz saubere Vergangenheit. Denn vor knapp 60 Jahren war an unbedenklichen Badespass in der Schweiz noch kaum zu denken.

Achtung: Schwimmen verboten!

Noch bis in die 1950er Jahre waren viele Gewässer in der Eidgenossenschaft arg verschmutzt, denn Privathaushalte, Gewerbe und auch die Industrie leiteten ihre ungeklärten Abwässer vielerorts direkt in die nahen Flüsse und Seen - entweder aus mangelnder Aufklärung oder fataler Gleichgültigkeit. Die Folge waren Schaumbildung, Abfallinseln und Algenteppiche, die nicht nur die Fische vergifteten, sondern auch die Menschen vom kühlen Nass fernhielten. Ältere Semester erinnern sich sicher noch an die zahlreichen Verbotsschilder, die zum Beispiel an der Aare oder am Neuenburgersee vor durchfall- und ausschlagverursachenden Viren und Bakterien warnten.

Den wildwuchernden Mikroorganismen rückte man verzweifelt mit speziellen Schiffen, liebevoll "Seekühe" genannt, zu Leibe. 1967 war es den Bürgern schliesslich genug: Sie lancierten die Eidgenössische Volksinitiative "Schutz der Gewässer gegen Verunreinigung" und setzten mit ihren Forderungen nach einer Lösung die Politik unter Druck. Das Engagement zeigte Wirkung: Die Regierung investierte bis heute ganze 50 Milliarden Franken für Gewässerschutzmassnahmen, den Bau von Kanalisationen und Kläranlagen sowie ein generelles Phosphatverbot, das 1986 in Kraft trat.

Badespass - fast schon "zu" sauber!

Bis zum heutigen Tag hat sich viel getan: Die Schweiz schneidet im internationalen Vergleich gut ab. Die Wasserqualität ist seit Ende der 1980er Jahre sehr hoch, nahezu hundert Prozent der Bevölkerung sind demnach an das zentrale Abwasserreinigungssystem angeschlossen, entfernte Haushalte werden mittels Anlagen im kleineren Massstab bedient. Es kann also wieder bedenkenlos gebadet werden - wer es nicht glaubt, kann gerne die Trinkwasser-App konsultieren.

Einige Baustellen gibt es aber immer noch: Mikroverunreinigungen aus Haushalten und Industrie sowie Pestizideinträge aus der Landwirtschaft verlangen nach weiteren Massnahmen. Das Parlament hat bereits beschlossen, in den nächsten Jahren 1,2 Milliarden Franken in den Ausbau und die Verbesserung von Abwasserreinigungsanlagen zu investieren. Andere Stimmen behaupten dagegen sogar, das inländische Wasser sei etwas "zu" sauber. Das tangiert die Schweizer Badenixen und Wassermänner aber so gar nicht. Ganz im Gegenteil: Sie vergnügen sich derweil am Genfer-, Boden-, Brienzer- oder einem anderen beliebten See der Eidgenossenschaft. 

 

Symbolbild von Rainer Sturm / pixelio.de

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