Ein Anleger hat seine Vermögenswerte von rund 500‘000 Franken bei vier verschiedenen Banken im Depot, gemäss seinem seit langem befolgten Risiko-Prinzip: Nie alle Eier in einen Korb legen! - Macht das Sinn?

von Maximilian Reimann

Bei diesen vier Banken handelt es sich um eine Raiffeisenbank, eine Kantonalbank, die Postfinance sowie um eine Regionalbank, nämlich der börsenkotierten Hypothekarbank Lenzburg. Aber nicht genug damit. Zusätzlich hat es ihm die Kundenwerbung des VZ Vermögenszentrums angetan. Zu all dem bat er mich um meine Meinung zu folgenden konkreten Fragen:

Wie weit macht Banken-Diversifikation Sinn?

Grundsätzlich nehme ich gerne zu seinen Fragen Stellung. Aber ich betone klar: Ich habe eine Meinung, eine klare sogar, doch erhebe ich keineswegs den Anspruch, das sei die einzig richtige. In vorliegendem Fall ist der Anleger vor allem durch Kapitalbezug seines Pensionskassenguthabens zu seinem Depotvermögen gekommen, das er nun bankendiversifiziert verwaltet. Ich selber hätte das „Eierkorb-Prinzip“ nicht derart ausgeprägt befolgt. Zwei Depots mit rund hälftiger Vermögensaufteilung hätten mir persönlich genügt. Dabei hätte ich die Aufteilung noch folgenden Aspekten vorgenommen. Bei Depot Nr. 1 würde ich mich von der Bank beraten lassen und wäre entsprechend zu höheren Verwaltungskosten wie Courtagen und Depotgebühr bereit. Depot Nr. 2 würde ich hingegen rigoros auf Kostenminimierung ausrichten, ohne Beratung und wenn möglich online bedienbar. Ins 2. Depot würde ich nur absolut leicht verständliche Anlagen tun, also Aktien, spesengünstige Aktienindex-Funds, Gold- und Silber-ETF und Obligationen. Aber auch empfohlene Anlagen aus Depot Nr. 1, die mich überzeugen, könnte man im zweiten Depot noch hinzukaufen.

Welche Banken beibehalten?

Wenn ich aus den vier vorstehend erwähnten Banken konkret deren zwei auswählen müsste, welche wären es? Als spesengünstige Online-Bank wäre für mich die E-Trading-Plattform der Postfinance gesetzt. Da fallen überhaupt keine Depotgebühren an und die Courtagen belaufen sich bei optimaler Wahl der Transaktionsgrösse wie bspw. knapp unter 15‘000 oder 30‘000 Franken auf rund 0,35 %. Verbleibt somit die Bank, deren Beratung man gerne in Anspruch nehmen möchte. Da kommen m.E. alle drei in Frage, also Raiffeisenbank, Kantonalbank oder eine solide Regionalbank. Natürlich sind auch da die Verwaltungskosten nicht überall gleich. Die Depotgebühren variieren um 0,25 % p.a., die Courtagen zwischen 0,6 – 0,9 %. Zudem lasse man sich bestätigen, dass allfällige Retrozessionen dem Kunden gutgeschrieben werden. Konkret Aufschluss gäbe ein individueller Gebührenvergleich. Einen solchen bietet kostenlos das VZ Vermögenszentrum an, auf das ich unten noch näher eingehe.

Die Hypo Lenzburg und ihre Aktien?

Die Hypo Lenzburg hat als eine der wenigen Regionalbanken die Fusionswelle der jüngeren Vergangenheit überlebt und ihre Selbständigkeit bewahrt. Ihre Aktien sind börsenkotiert und die Aktionäre, die ihr über all die schwierigen Jahre auf dem Finanzplatz Schweiz die Stange gehalten haben, haben es nicht bereut. Der Aktienkurs hat sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt, während sich derjenige von UBS und Credit Suisse in der gleichen Zeitspanne in etwa halbiert hat. Die Dividende von 110 Franken ergibt eine Rendite von 2,75 %. Die Tendenz ist steigend, denn ich nehme nicht an, dass diese solide aargauische Bank ins elendigliche Visier der US-Steuerfahnder geraten sollte. Bei den Kantonalbanken ist man diesbezüglich nicht mehr sicher. Die Amerikaner wollen bekanntlich Geld um jeden Preis und erhoffen sich gerade auch von Instituten mit Staatsgarantie heute Beute, namentlich was die Bussen anbetrifft. Natürlich taugt die Hypo Lenzburg auch als Depotbank. Bei den Courtagen und Depotgebühren ist sie aber nicht eben günstig, es sei denn, man bediene sich ihres E-Bankings via Internet.

Zum Vermögenszentrum VZ wechseln?

Das ist eine echte Alternative im Wertschriftengeschäft, sowohl zur klassischen Hausbank als auch zu den Online-Banken. Die VZ Depotbank, eine 100 %-ige Tochter der börsenkotierten VZ Holding AG, verfügt seit 6 Jahren über eine FINMA-bewilligte Bank- und Effektenhändlerlizenz. Sie ist hauptsächlich eine Transaktionsbank, die kostengünstige Gebührenmodelle für Börsengeschäfte anbietet. Das „Modell Courtage“ für kleinere und mittlere Privatkunden besticht insbesondere, wenn man es per E-Banking nutzt. Dann kostet die Courtage für Transaktionen bis 100‘000 Franken lediglich 39 Franken. Die Depotgebühr beläuft sich auf 0,15 % pro Jahr, mindestens aber 20 Franken pro Quartal. Interessant in Bezug auf das aktuell tiefe Zinsniveau ist die Verzinsung der liquiden Mittel auf dem zum Depot gehörenden Konto, nämlich 0,3 %. Kontokorrent-Konti werfen bei den meisten Banken praktisch gar nichts mehr ab. Gewöhnliche Sparkonti bringen es noch auf Zinssätze zwischen 0,15 – 0,25 %.

20.06.2013 | 6380 Aufrufe

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