Diese Frage stellte mir wörtlich ein enttäuschter Bankkunde aus Rheinfelden. Er hatte jüngst einen Neuanfang mit der Bank Coop gemacht und auf deren Empfehlung hin Aktien der Bank erworben. Nun hadert er mit dem Schicksal.

Maximilian Reimann

Natürlich geht es mir in keiner Weise darum, die Bank Coop an den Pranger zu stellen. Aber es ist mir, im Gegensatz zu den vom Schweizer Bankenombudsman veröffentlichten Fällen, eben nicht verboten, eine Bank beim Namen zu nennen. Das tue ich erstens der Transparenz wegen. Zweitens handelt es sich bei der Bank Coop um eine von der Basler Kantonalbank (BKB) beherrschte Bank. Coop selber ist nur Minderheitsaktionärin. Ausgerechnet die BKB sorgte jüngst bereits in anderem Zusammenhang für negative Schlagzeilen. Sie war einerseits involviert in die dubiosen Machenschaften der ASE Investment AG, Frick und leistet nun Schadenersatz in Höhe einer hohen zweistelligen Millionensumme. Andererseits geriet sie ins Visier der US-Steuerbehörde, weil sie überdurchschnittlich mit von der UBS übernommenen US-Kunden geschäftstätig ist. 

Fühle mich „übers Ohr gehauen“

Der Bankkunde dokumentierte mich mit der Korrespondenz, die er mit der Bank Coop wegen deren negativer Aktienkursentwicklung geführt hatte. Er wollte mit Grossbanken nichts mehr zu tun haben, weil diese seit Jahren in der Kritik stehen und saftige Bussen hinblättern müssen. Im Mai 2009 wechselte er zur Bank Coop (BC). Insbesondere die auf „Fair banking“ ausgerichtete TV-Werbung der Bank habe ihn dazu bewogen. Die Bank empfahl ihm den Kauf eigener Aktien. Als Neukunde erhielt er sogar eine gratis. Er stieg beim Kurs von Fr. 71.50 ein und kaufte bei Fr. 66.25 nach. Doch es ging weiter abwärts. Auf seine besorgte Intervention hin beschwichtigte ihn die Bank mit dem Hinweis: „Die Bank Coop steht auf gesundem finanziellem Fundament und kann trotz gestiegenen Herausforderungen im Bankenumfeld eine stabile Ertragsentwicklung aufzeigen.“ Zudem versicherte man ihm, unter 50 Franken werde die BC-Aktie nicht fallen.

Im Juni 2013 hatte der Kunde genug. Er verkaufte die BC-Aktien zu Fr. 41.30 und realisierte einen Verlust von 43 %. Kurze Zeit später las er in der Zeitung, dass die Bank im 1. Semester 2013 einen Gewinneinbruch erlitt, insbesondere weil sie zur Ausfinanzierung der Pensionskassen 17,6 Mio. Franken einschiessen musste. Der Kunde fühlte sich übers Ohr gehauen, spricht von „krasser Kursmanipulation“ durch Insider der Bank und frägt sich, ob es denn noch Banken gebe, denen man vertrauen kann?

Manipulation durch Insider nicht ausgeschlossen!

Verfolgt man die Kursentwicklung der BC-Aktien, so wird man den Verdacht nicht ganz los, dass hier ein „Manipulator“ am Werk gewesen sein könnte. Der Kurs verharrte im Jahr 2010 lang um 70 Franken. Letztes Jahr durchbrach er die 60-er Marke. Bis im Mai dieses Jahres hielt er sich stets über 50 Franken. Im Juni dann sackte die Aktie plötzlich unter 40 Franken ab. Dann vermeldete die Bank besagten Gewinneinbruch, bedingt durch den Sonderaufwand für die Pensionskasse. Es wäre nun an der staatlichen Finanzmarktaufsicht FINMA abzuklären, ob allenfalls Leute, die von diesem Sonderaufwand Kenntnis hatten, den BC-Kurs bis auf Fr. 38.00 hinuntergedrückt hatten, unredliche Gewinne einstrichen und ihn inzwischen wieder auf 50 Franken hochfuhren. Und das natürlich auf dem Buckel der übrigen Aktionäre.

Wer aber könnte Interesse daran gehabt haben? In Frage kämen zwei Möglichkeiten. Erstens die BKB als Mehrheitsaktionärin, die zusätzlichen Gewinn generieren wollte, um damit die Schadenszahlungen aus dem ASE-Debakel etwas auszubügeln. Und zweitens Leute innerhalb der Bank Coop selber, die im Voraus von dieser Sonderbelastung wussten. Ich möchte voreilig selbstverständlich niemandem etwas unterstellen. Aber zumindest sollte sich der betroffene Kunde an den Bankenombudsman oder gleich direkt an die FINMA wenden.

Zum Vertrauen in seine Bank

Dass in vorliegendem Fall das Vertrauen zur Bank angekratzt ist, liegt auf der Hand. Natürlich war dem Kunden klar, dass Aktien Risikopapiere sind, die im Kurs ebenso steigen wie fallen können. Zudem war es letztlich sein freier Wille, BC-Aktien zu kaufen. Was aber niemals sein darf, ist das Ausnutzen von börsenrelevantem Insiderwissen zum eigenen Vorteil. Wenn das gar eine Bank macht, und dies erst noch zum Nachteil der eigenen Kleinaktionäre-Kundschaft, dann ist das Vertrauen zweifellos unwiderruflich zerstört.

Gibt es also noch Banken, zu denen vorliegender Kunde Vertrauen haben kann? Wenn es um sein Wertschriftendepot geht und er über genügend Fachkenntnis verfügt, dann empfehle ich ihm Online-Banking mit einem Institut, das nicht börsenkotiert ist. Als Beispiel käme die bundeseigene PostFinance in Frage. Für das übrige Banking möge er sich in seiner Region umsehen. Der Wettbewerb spielt.

31.07.2013 | 2857 Aufrufe

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