Sie machten Schlagzeilen: Der Sexkoffer und die Sex-Boxen, welche an den Basler Schulen getestet werden. Sexualkunde ab Kindergarten war vorgesehen. Der Aufschrei in der Bevölkerung war gross. Eine Petition machte die Runde. Dass die Petition «gegen die Sexualisierung der Volksschule» in nur gerade drei Monaten von 91‘816 Personen unterzeichnet worden ist, illustriert die von breiten Kreisen der Bevölkerung geteilte Sorge. Nun haben die Petitionäre eine Antwort der Erziehungsdirektoren erhalten. Der Inhalt: "Widersprüchlich". Kommt jetzt die Volksinitiative?

von Barbara Kaufmann

Sehen aus wie "Weggli" oder "Hot-Dogs", fleischige Plastik-Vaginas und schauderhafte Holz-Penisse dienen wohl eher der Abschreckung. Der umstrittene Sex-Koffer an den Basler Schulen (Bild: soaktuell.ch)

Die Vorwürfe der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), wonach die Petition auf «irreführenden Behauptungen» beruhe, weist das Komitee in einer Stellungnahme, die heute den Medien abgegeben wurde, dezidiert zurück. In den Begleitpapieren an die Unterzeichner der Petition seien ausschliesslich Zitate und Abbildungen wiedergegeben worden, die Lehrmitteln entnommen seien, die heute in Schulzimmern von Kindergärten, Primar- und Oberstufenklassen verwendet würden – wenn glücklicherweise auch nicht flächendeckend. "Oder will die EDK allen Ernstes behaupten, dass es den in den Medien ausführlich abgehandelten «Sexkoffer» in den Basler Schulzimmern gar nicht gibt?" fragt das Petitionskomitee.

Die Erziehungsdirektorenkonferenz hält fest, dass die vollumfängliche Kompetenz und Verantwortung für den Sexualkunde-Unterricht weiterhin den kantonalen Bildungsdirektoren vorbehalten bleibt. Das Petitionskomitee bezweifelt diese Aussage. Denn das vom Bundesamt für Gesundheit ohne jegliche Rechtsgrundlage finanzierte "Kompetenzzentrum Sexualpädagogik" an der pädagogischen Hochschule Zentralschweiz arbeite nach wie vor daran, die Sexualkunde in den für die Volksschule verbindlichen Lehrplan 21 einfliessen zu lassen. 

Wenn die Erziehungsdirektorenkonferenz nicht endlich die Schliessung dieses "Kompetenzzentrums" durchsetze, bleibe ihr Bekenntnis zur kantonalen Schulhoheit auch bezüglich Sexualkunde-Unterricht toter Buchstabe und die Antwort auf die Petition widersprüchlich, schreibt das Petitionskomitee.

Pikant: In der Trägerorganisation dieses sogenannten Kompetenzzentrums haben auch Persönlichkeiten aus kantonalen Bildungsdirektionen Einsitz. So sind etwa Robert Furrer, Generalsekretär der Erziehungsdirektion des Kantons Bern und Nationalrat Jean-François Steiert, Delegierter für interkantonale Angelegenheiten der Erziehungsdirektion des Kantons Waadt, in den Organen der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz  vertreten. Regierungsrat Bernhard Pulver, Erziehungsdirektor des Kantons Bern, Vorgesetzter von Robert Furrer, ist Mitglied der Steuerungsgruppe des Lehrplan 21-Projekts. Jürg Brühlmann, Leiter pädagogische Arbeitsstelle LCH (Dachverband der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer) sitzt im Strategischen Beirat des Kompetenzzentrums und gleichzeitig im Fachbeirat des Lehrplan 21-Projekts.

Dass die Erziehungsdirektorenkonferenz der Sorge von gegen 92'000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern der Petition "Gegen die Sexualisierung der Volksschule" nur mit allgemeinen, der Realität wesentlich widersprechenden Formeln glaubt begegnen zu können, enttäusche das Komitee. Das Petitionskomitee leitet daraus ab, dass es in der Schweiz offensichtlich einer Volksinitiative bedürfe, bis die EDK ihren allgemeinen Grundsätzen zum Sexualkunde-Unterricht endlich auch Taten folgen lasse. Wann und von wem diese Volksinitiative kommt, lässt das Komitee offen. 

17.02.2012 | 3036 Aufrufe

Kommentare

Avatar
Sicherheitscode