Insgesamt vier Bewerber aus der Schweiz haben mit ihren Gesuchen die erste rechtliche Hürde überstanden. Zwei der vier Online Casinos mussten jedoch eine „Extrarunde“ drehen und ihre Portale nachbessern. Vor der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) bestanden schlussendlich alle vier Bewerber die Überprüfung, sodass die erste rechtliche Hürde bezwungen wurde.

Martina Gloor

Die Projekte der Städte Baden, Davos, Luzern und Pfäffikon werden nun dem Bundesrat vorgelegt, der Ende Juni über die Bewerbungen entscheidet. Bereits kurz im Anschluss an diesen Entscheid wollen die vier Online Casinos ihre Pforten am 1. Juli öffnen.

In einem Interview verriet der CEO des Grand Casino Luzern, dass er sehr zuversichtlich sei, dass das Gesuch den Bundesrat überzeugen wird. Weitere Informationen zu dem Portal, welches mit dem Namen „MyCasino“ ins Rennen geht, will Bliem erst mitteilen, wenn eine weitere Hürde aus dem Weg geräumt sei. Derzeit sind die Online Casinos ohnehin damit beschäftigt, jedes Spiel zu zertifizieren und von der ESBK genehmigen zu lassen. Auch dieser Prozess soll bitte Juli abgeschlossen werden, sodass dem Start keinerlei Hürde mehr im Weg steht.

Online Konzessionen nur für Betreiber ortsgebundener Spielbanken

Während in Malta und Zypern fast jedes Unternehmen ein Online Casino ins Leben rufen kann, sind die Schweizer Behörden hier etwas genauer und erlauben nur ortsgebundenen Spielbanken die Konzession für ein Online Casino.

Die Swiss Casinos Holding will diese Regelung nutzen, um für jeden Standort eine Bewilligung zu erhalten. „Wir werden in unseren Casinos in Zürich und Pfäffikon verschiedene Tische bereitstellen, an denen Zocker sowohl in der Spielbank, auch als online teilnehmen dürfen“ erklärte Marketingleiter Marco Zemp. So seien auf der Plattform „Swisscasinos“ über 100 Spiele vorgesehen, die von klassischen Spielen bis hin zu Slots und Casinospielen reichen.

Sicherlich werden sich die Schweizer Spieler über zahlreiche Automatenspiele, die es bisher nur in Online Casinos aus anderen Ländern gibt, besonders freuen. Die Frage, warum der Book of Dead Slot so beliebt ist oder andere Online Spiele, beantwortet ganz einfach. Lediglich in Online Casinos sind diese Slots vorhanden, während in Spielbanken nur die herkömmlichen Spielautomaten Slots bespielt werden können. Mit der Konzession werden viel mehr Spiele für die Schweizer zugänglich.

Auch das Grand Casino Baden AG hat für seine zwei Standorte jeweils eine Online-Konzession beantragt. Bereits jetzt ist das Casino „Jackpots.ch“ auf dem Markt, auch wenn Spieler derzeit nur Gratisspiele mit virtuellem Guthaben spielen dürfen. Dennoch haben sich bereits 15.000 Zocker auf der Plattform angemeldet, womit ein guter Kundenstamm für den Start des Echtgeldmodus bereitsteht. Davos wird eine eigene Webseite mit dem Namen „Casino777“ auf den Markt bringen.

Zweimal musste nachgebessert werden

In Bern und Neuenburg steigt derzeit die Nervosität, ob die beiden Standorte ebenfalls mit einer Online-Konzession im Juli starten können. Beiden Gesuche wurde vorerst abgelehnt, sodass diese Spielstätten eine Extrarunde einlegen müssen. Patrick Cupelin, Leiter Marketing des Grand Casino Kursaal Bern äußerte sich wie folgt: „Wir sind in der ersten Tranche der Online-Konzessionsgesuche nicht dabei“. Dennoch seien die Gesuche nah an den Vorgaben, sodass es sich nur um eine kleine Verzögerung handele. Nur im formaljuristischen Bereich müssen kleine Anpassungen angebracht werden, weil die Interpretation einiger Verträge nicht ganz eindeutig war erzählte der Marketingleiter in einem Interview. Um welche Verträge es sich dabei handele, könnte er jedoch derzeit noch nicht erzählen.

Die Gesuche werden derzeit überarbeitet und im Anschluss erneut eingereicht, sodass eine schnelle Konzessionserteilung über die Bühne gehen solle, sagt Cupelin. Auch auf die Frage, ob es für den Start im Juli reichen würde, war man sich nicht mehr ganz so sicher. Dies bringt natürlich einen großen Nachteil mit sich, da die ersten Online Casino Betreiber einen deutlich größeren Zuwachs verbuchen könnten.

Grundlagen für Netzsperren

Derzeit halten sich alle Betreiber noch bei ihren Umsatzzielen mit den geplanten Online Casinos, obwohl diese in den Gesuchen angegeben werden mussten. Zemp vom Swiss Casinos ließ jedoch einen kleinen Einblick zu als er verriet, dass die Rede von 250 bis 300 Millionen Franken, die aus illegalen Online-Angeboten aus dem Ausland abwandern, wieder in die Schweiz geholt werden sollen. Es sei sehr schwer abzuschätzen, wie viel von diesem Volumen tatsächlich in die Schweizer Casinos gespielt werden solle.

Gleichzeitig mit dem Start der Schweizer Online Casinos treten mit dem 1. Juli rechtliche Grundlagen für Netzsperren in Kraft. Diese waren bei der Abstimmung des Geldspielgesetzes noch schwer umstritten, sollen aber nun das legale Spielen unterstützen.

Die ESBK und Lotteriekommission Comlot dürfen Internetanbieter ab dem 1. Juli anweisen, den Zugang nicht konzessionierter und vor allem ausländischen Casino-, sowie Wettanbieterseiten zu sperren.

 

Grafik: zVg.

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