Die SWG und die solothurnischen Naturschutzverbände beschliessen die Zusammenarbeit für eine bestmögliche Umweltverträglichkeit des Projekts Windpark Grenchen in einer ständigen Umweltbegleitgruppe.

SWG

Visualisierung des geplanten Windparks vom Obergrenchenberg aus gesehen (Bild: windkraft-grenchen.ch)

Die SWG versammelte letzte Woche Vertreterinnen und Vertreter der lokalen und kantonalen Vogelschutzverbände, vom WWF und von Pro Natura an einen runden Tisch, um die Qualität und den Umfang der erforderlichen ökologischen Massnahmen vor der öffentlichen Auflage des Projekts Windpark Grenchen zu diskutieren. Seit mehr als zwei Jahren treffen sich Vertreter/innen der Solothurner Vogel-, Fledermaus- und Umweltschutzverbände mit der SWG, um ihre Anliegen für den umweltverträglichen Bau des Windparks Grenchen im Rahmen einer Umweltbegleitgruppe einzubringen.

Vor der öffentlichen Auflage der Planungsunterlagen des Windparks, die nach den Sommerferien angesetzt ist, haben sie mit der Projektantin die ökologischen Ersatzmassnahmen erneut diskutiert und es wurde eine ständige Gruppe für die Umsetzung gebildet.

Der Standort des geplanten Windparks bietet nicht nur beste Voraussetzungen für die Produktion von Windenergie, sondern ist auch ein attraktiver Lebensraum für zahlreiche Vogel- und Fledermausarten und für Wildsäuger. Gemäss der Schweizerischen Vogelwarte und der Vogelschutzverbände leben auf dem Grenchenberg nahe der Wandflue geschützte Greifvögel wie der Wanderfalke, Rotmilane und Mäusebussarde sowie Bodenbrüter wie die Heidelerche und der vom Aussterben bedrohte Wiesenpieper.

Im Rahmen des Umweltverträglichkeitsberichts wurde in verschiedenen Gutachten untersucht, welchen Beeinträchtigungen die ansässigen Tierarten durch die Windenergieanlagen ausgesetzt sein werden. Für die SWG und die Mitglieder der Begleitgruppe Umwelt steht fest, dass die ansässigen Vögel, Fledermäuse und Wildtiere in ihren Lebensräumen nicht nur während des Betriebs, sondern schon in der Bauphase der Anlage bestmöglich geschützt werden sollen.

Die geplanten Ersatzmassnahmen werden gemäss Projektleiter Urs Seiffert von der Firma Considerate möglichst frühzeitig eingeleitet.

Schutz für Greifvögel und Bodenbrüter

Ökologische Aufwertungen der landwirtschaftlich genutzten Wiesen und Weiden östlich des Oberbergs sollen den Lebensraum der Feld- und Heidelerche, des Wiesenpiepers und den auf dem Grenchenberg heimischen Fledermausarten schaffen und erhalten. Während den ersten drei bis fünf Betriebsjahren werden von spezialisierten Umweltbüros Wirkungskontrollen durchgeführt, um aufzuzeigen, ob sich die Massnahmen tatsächlich positiv auf die betroffenen Arten ausüben. Mit gezielten Anpassungen des Mahdregimes in der nächsten Umgebung der Windanlagen werden auch die Landwirte mithelfen dafür zu sorgen, das Verhalten von lokalen Greifvögeln wie der Mäusebussard und der Milan so zu beeinflussen, damit sie die unmittelbare Umgebung der Anlagen als Jagdrevier tendenziell meiden.

Auch der vom Aussterben bedrohte Wanderfalke ist dem Risiko von Kollisionen mit den Anlagen ausgesetzt. Laut Experten weiss man jedoch verhältnismässig wenig über das Raumverhalten der Falken, insbesondere im näheren Umkreis von Windenergieanlagen. Deshalb ist ab Beginn der Bauphase und auf die Dauer von drei Jahren während des Betriebs ein Monitoring dieses Falken mittels GPS-Sender vorgesehen. Dank Erfahrungen aus dem angrenzenden Ausland ist davon auszugehen, dass Wildsäuger wie Rehe, Gemsen und Luchse ihren Lebensraum während Störungen vorübergehend meiden, nach einer Gewöhnungsphase jedoch dahin zurückkehren. Mit dem Verzicht der Bauarbeiten in der Setzzeit (Zeit, in der die Jungtiere zur Welt kommen) und in der Dämmerung können negative Auswirkungen auf das Wild gemindert werden. Eine sogenannte Umweltbaubegleitung überwacht in der Bauphase alle Massnahmen, die im Umweltverträglichkeitsbericht verbindlich festgelegt sind.

Schutz der migrierenden Vögel und Fledermäuse

Die Jurahöhen sind mit den thermischen Aufwinden und der Windorientierung ein wichtiges Gebiet für den Vogelzug und migrierende Fledermäuse. Das Radarsystem BirdScan mit Echtzeitüberwachung der Vogelzugaktivitäten vermindert Kollisionen, indem die Anlagen während dem Zug der Vögel und Fledermäuse automatisch ausgeschaltet werden. Der BirdScan steht schon diesen Sommer auf dem Grenchenberg in Betrieb.

Die Anwesenden waren sich einig, dass die Umsetzung der umfangreichen Massnahmen in enger Zusammenarbeit mit spezialisierten Umweltbüros, der Schweizerischen Vogelwarte und dem kantonalen Fledermausschutz erfolgen muss. Deshalb wird eine ständige Begleitgruppe - mit Vertretern aus Umweltverbänden, den kantonalen Fachstellen und der Projektantin - die Massnahmen über die Planungsphase hinaus auch während der Bau- und in der ersten Betriebsphase koordinieren und auswerten.

Elsbeth Wirth-Wyss als Vertreterin des WWF Solothurn unterstrich, dass am Beispiel Windpark Grenchen die Planung wichtiger Schutz- und Nutzungskonflikte an ihre Grenzen stosse und eine Interessenabwägung im Rahmen des Bewilligungsverfahrens unumgänglich sei.

Auch Per Just, Direktor der SWG, wies darauf hin, dass die Kosten aller Massnahmen auf mehrere hunderttausend Franken geschätzt werden. Damit sei die Wirtschaftlichkeit des Projekts zwar nicht gefährdet, man erreiche jetzt aber finanzielle Grenzen. Weitere Anliegen der Vogelschutzverbände werden abschliessend geprüft, beispielsweise die Einrichtung eines Besucherlenkungssystems mit entsprechenden Sensibilisierungsmassnahmen östlich des Obergrenchenbergs. Bodenbrüter sollten während der Brutzeit auch von Spaziergänger/innen und insbesondere von frei herumlaufenden Hunden geschützt werden. Man hoffe, so die versammelte Runde, auch die Besucher/innen des Grenchenberg sind bereit, Rücksicht auf die einheimischen Tierarten zu nehmen.

Weitere Informationen: www.windkraft-grenchen.ch

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