Am nationalen Velofestival der Schweiz, den Bike Days in Solothurn, starb an diesem Wochenende ein 38-jähriger Rennfahrer aus der Westschweiz. Bereits am Freitag stürzte in der Altstadt von Solothurn ein 16-jähriger Rennfahrer nach einer Kollision mit einem Passanten derart unglücklich, dass er gemäss Blick online im künstlichen Koma liegt.

Ein Kommentar von Roman Jäggi, Inhaber der Internet-Zeitung soaktuell.ch

Die Veranstalter bezeichnen sich auf ihrer Homepage als "Ambassadoren von Entschleunigung und Umwelt". Solche Aussagen stehen in krassem Gegensatz zu dem, was man an den von Migros als Hauptsponsor durchgeführten Rennen der Bike Days in Solothurn zu sehen bekam. Hier schenkten sich Amateure nichts. Und dies teilweise inmitten der Stadt, wo Rennfahrer in fast schon verantwortungsloser Art und Weise mit modernsten Fahrrädern und Hochgeschwindigkeit nur wenige Zentimeter an alten Leuten, Familien und Kindern vorbeirauschten - notabene auf Pflastersteinen. Wären es Autos, würden die linksgrüne Politik und die Medien Sturm laufen. Doch wenn es um das Velo geht, wird scheinbar alles in Kauf genommen. Offenbar auch Tote und Schwerverletzte, so wie vor einigen Jahren am Radrennen im aargauischen Gippingen. Die Strecken werden spektakulärer, die Fahrräder schneller und die Fahrer immer waghalsiger. 

Obwohl mit den Hinterbliebenen und Familien des tödlich Verunglückten und des Schwerverletzten offenbar so abgesprochen, dürfte es von der Öffentlichkeit als absolut pietätlos empfunden werden, dass die Bike Days am Sonntag nach den Unfällen trotzdem stattfanden. Selbst am Sonntagabend fanden sich auf der Homepage der Bike Days jede Menge Ranglisten sowie Sieger- und Actionfotos - aber kaum ein Hinweis auf die Tragödie, die sich um Solothurn abspielte. Das ist absolut degoutant, schlicht unprofessionell und ein kommunikativer Super-GAU.

Oder - es ging den Veranstaltern, von denen man auf ihrer Homepage keine Namen und Bilder findet, einfach nur ums Geld. So schreiben die Veranstalter: "Wir bieten der Schweizer Veloindustrie, unseren Sponsoren und Partner kontinuierliche und publikumsorientierte Plattformen."

Mit dieser Plattform in Solothurn und ihrem Verhalten danach, dürften die Verantwortlichen der Bike Days GmbH der Branche, den Sponsoren und dem Velo an sich, mehr Schaden als Nutzen zugefügt haben. 

Schwere Unfälle können passieren. Offenbar nicht nur an Auto- oder Motorradveranstaltungen, sondern auch an "entschleunigten" Velofestivals. Wenn Geld, Hightech und waghalsiges Verhalten zusammenkommen - gepaart mit einer hohen Risikobereitschaft der Stadtbehörden - ist mit schweren Unfällen zu rechnen. Deshalb sollte man nicht immer auf dem Auto- oder Motorradsport herumreiten, sondern sich langsam aber sicher eingestehen, dass moderne Fahrräder, aufgrund der möglichen Geschwindigkeiten, heute regelrechte Kampfmaschinen sind und genauso das Potenzial für schwere Unfälle haben, wie motorisierte Vehikel. 

Die Veranstaltung wurde unterschätzt. Insofern ist es besonders tragisch, dass es zuerst zwei schwere Unfälle braucht, um aus dem Traum zu erwachen. 

Wir entbieten den Angehörigen des Todesopfers von ganzem Herzen unser Beileid. Dem schwerverletzten jungen Mann wünschen wir beste Genesung, viel Kraft und hoffentlich keine bleibenden Schäden. 

 

Originalfoto der Kapo SO

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