Die Studie der HTW Chur zur Stadtbibliothek Olten stellt dieser zwar gute Noten aus, setzt aber ein Fragezeichen zur Ausrichtung und Zukunft angesichts aktueller Entwicklungen und eingeschränkter personeller und räumlicher Ressourcen. Die Studienergebnisse und die geplanten weiteren Schritte werden am 25. Februar im Parlamentssaal im Oltner Stadthaus öffentlich vorgestellt.

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Im vergangenen Jahr hat die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Chur im Auftrag des Stadtrates eine Studie betreffend Gegenwart und Zukunft der Stadtbibliothek Olten durchgeführt. Ausgangspunkt waren regelmässige Kritik an den Öffnungszeiten und den jährlichen Schliesszeiten der Stadtbibliothek einerseits, die – nicht zuletzt als Folge der Sparrunden – eingeschränkten personellen Ressourcen anderseits. Gegenstand der Studie waren eine Betriebs- und Umfeldanalyse sowie eine Kundenzufriedenheitsanalyse. Sie wurde durch Bachelor- und Masterstudierende sowie durch den Studiengangleiter durchgeführt.

Wandel zum «3. Ort»

Die Zeiten, in denen Bibliotheken Orte gewesen seien, in denen man primär Bücher auslieh, seien längst vorbei, so die Prämisse der rund 40 involvierten Fachleute, die in unterschiedlichen Bibliothekstypen in der Schweiz tätig sind: Die ursprüngliche Kernaufgabe, die Medienausleihe, sei zwar immer noch zentral. Es seien jedoch zahlreiche Aufgaben dazugekommen: Leseförderung für unterschiedliche Altersgruppen, vertiefte Vermittlung von Medienkompetenz, Integrationsprojekte, Unterstützung des lebenslangen Lernens. Als wichtiger Begegnungs-, Austausch- und Lernort hätten Bibliotheken eine tragende Rolle.

Die Studie empfiehlt daher, die bisherige Ausrichtung der Stadtbibliothek Olten als Studien- und Bildungsbibliothek vor dem Hintergrund der sich verändernden Kundenbedürfnisse und des grundlegenden Wandels in der Bibliothekswelt zu überdenken, und schlägt einen Wandel hin zu einer reinen «allgemeinen öffentlichen Bibliothek» vor. Die Stadtbibliothek positioniere sich dabei als sog. «3. Ort», das heisst als Ort, in dem man nebst dem Zuhause und der Arbeitsstelle seine Zeit verbringe. Sie schaffe Platz und Raum, in denen Menschen freien Zugang hätten, ohne Konsumationsdruck, und dabei auf Medien zur Unterhaltung sowie Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten träfen. Der «3. Ort» sei ein Treffpunkt, der Platz für Veranstaltungen und Aktivitäten unterschiedlichster Art biete: seien dies Konzerte, Ausstellungen, Podiumsgespräche oder Theateraufführungen oder seien dies Veranstaltungen im privaten Rahmen oder Treffen von Gruppierungen unterschiedlichster Couleur.

Standort überprüfen

An ihrem jetzigen Standort an der Hauptgasse in der Altstadt könne die Stadtbibliothek Olten die Anforderungen an einen «3. Ort» nur sehr schwer erfüllen, betont die Studie: «Die Räume sind eng, die Regale statisch und die Lichtverhältnisse ungenügend. Zudem verteilt sich die Bibliothek über mehrere Stockwerke, was für Veranstaltungen und Raum für Begegnung eher hinderlich ist.» Grosses Potenzial wird zudem in einer Zusammenlegung mit der Jugendbibliothek, die sich ausschliesslich auf das Zielpublikum «Kinder und Jugendliche» ausrichtet, gesehen. Synergien können genutzt und Kräfte gebündelt werden. Ressourcen können ebenfalls besser eingesetzt werden, wenn alle an einem Ort zusammenarbeiten, anstatt jeder an einem separaten Standort und für sich. Nach Prüfung verschiedener möglicher Standorte in der Stadt Olten empfiehlt die Studie daher eine Integration der Stadtbibliothek ins Stadthaus, wo sich heute bereits die Jugendbibliothek befindet.

Die Studie plädiert ferner dafür, die Ressourcen der Stadtbibliothek, die heute über einen Stellenetat von 3 Vollzeitstellen verteilt auf 4 Mitarbeitende verfügt, zu stärken, da sie im Vergleich mit anderen Bibliotheken von Gemeinden ähnlicher Grösse unzureichend seien. Mit Blick auf die unmittelbare Konkurrenz, das verfügbare Medienangebot und die Aufgaben, die die Bibliothek über das bibliothekarische Kerngeschäft hinweg wahrnimmt (z.B. Sammelauftrag für Oltner Schrifttum, «Oltenensia») wäre laut HTW Chur eine deutliche Stellenerhöhung vonnöten. Für einen Schritt nach vorne brauche es aber ein klares politisches Bekenntnis zur Bibliothek und zu mehr Ressourcen in personeller wie in räumlicher Hinsicht. Die Studie schliesst mit der bitteren Erkenntnis: «Bleibt alles so, wie es ist, wird die Stadtbibliothek mittelfristig ihre Tore schliessen müssen. Der Stadtbibliothek Olten fehlt eine langfristige Perspektive.»

Die wertvolle Aussensicht wird am Montag, 25. Februar, um 19 Uhr von Studienleiter Ivo Macek im Parlamentssaal vorgestellt. Zudem wird das weitere Vorgehen präsentiert, wie der Stadtrat aus dieser Aussensicht unter Einbezug von lokalem Wissen ein Zukunftsszenario der «Bibliothek Olten 2025» formen will. 

Hohe Kundenzufriedenheit – ausser mit der Ausleihtheke

91% der Nutzerinnen und Nutzer sind zufrieden mit «ihrer» Stadtbibliothek Olten – dies das erfreuliche Ergebnis der Kundenzufriedenheitsanalyse durch die HTW Chur, bei der rund 750 Fragebogen ausgewertet wurden. Wer Kritik übt, tut dies vor allem an den Öffnungszeiten. Sprich: Mit verbesserten Öffnungszeiten könnte man die Zufriedenheit maximieren. Die am häufigsten genutzten Medien werden von den meisten Befragten als aktuell und die Infrastruktur grossmehrheitlich als positiv, da gepflegt und zweckmässig, wahrgenommen. Kritik löst hingegen die Ausleihtheke aus, die gleich beim Eintreten ins Auge fällt und zu einer gewissen Distanz zum Personal führt, mit dem ansonsten mit 91% eine sehr hohe Zufriedenheit auf Seiten der Nutzerinnen und Nutzer besteht.

Was die Zukunft angeht, wird von den Nutzerinnen und Nutzern ein breit gefächertes Angebot mit unterschiedlichen Zonen gewünscht, von der lebendigen Austausch-Plattform bis zu den ruhigen (Entspannungs-)Zonen mit Lernplätzen. Noch immer fordert eine grosse Mehrheit von 81% schlicht Zugang zu Wissen, Bildung und Literatur, der aber verstärkt über einen grösseren E-Medien-Bestand erfolgen soll. Mehr als die Hälfte der Befragten wünscht eine aktive Literaturvermittlung, zum Beispiel durch Lesezirkel.

Gesamthaft betrachtet sind die Nutzerinnen und Nutzer der Stadtbibliothek, von denen zwei Drittel über 46-jährig sind, sehr zufrieden. Auch um ihren Ansprüchen an eine zukünftige Bibliothek zu genügen, braucht es aber laut ihren Rückmeldungen Veränderungen – Neuerungen, die erst recht dazu führen könnten, dass auch neues, junges Publikum die Stadtbibliothek benutzt.

 

 

 Foto: Stadtbibliothek Olten https://www.bibliothekolten.ch (zVg.)

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