Der heidnische Brauch der Frühlingsfeuer, die entfacht wurden, um den Winter auszutreiben und die Sonne zu begrüssen, schien am Samstagabend an der Sonnwendfeier in Oensingen bitter nötig. Das Wetter hat alles unternommen, um den zehntausenden Zuschauerinnen und Zuschauern den Blick auf das grösste Feuerwerk der Schweiz zu vermiesen. Doch weder die Veranstalter noch die Zuschauer gaben nach. Das Feuerwerk wurde abgeschossen. Und wetten, dass sich die Hartnäckigkeit wettermässig bald auszahlt?

von Roman Jäggi

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Die heidnischen Frühlingsfeuer wurden im 8./9. Jahrhundert vom christlichen Glauben übernommen. Das Resultat waren und sind die Osterfeuer. Deshalb findet die Oensinger Sonnwendfeier nicht zum Zeitpunkt der Sonnenwende, also im Juni oder Dezember, statt, sondern zum Frühlingsanfang vor Ostern. 

Bei der Begehung der beiden Startplätze des Feuerwerks am Samstag, durch Vertreterinnen und Vertreter der Medien sowie im Beisein von Landammann Roland Heim, hofften der Vogelherdclub (VCO) und der Ravellenclub (RCO) noch auf Wetterglück. Der regnerische Abend und die tiefen Regenwolken zeigten dann aber, dass der Mitteleinsatz zur Vertreibung des Winters mehr als nötig war. 

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung

OK-Vizepräsident Kurt Zimmerli brachte es auf den Punkt: Feuerwerk findet in der Natur statt. Und Gross-Feuerwerke können heute nur noch schlecht verschoben werden, wenn sie einmal aufgestellt sind. "Die beiden Vereine können alles perfekt organisieren, vorbereiten und ein wunderschönes Feuerwerk choreografieren. Den Rest können wir nicht beeinflussen und müssen mit dem Leben, was die Natur letztlich daraus macht."

Computergesteuert

Der Präsident des Vorgelherdclubs (www.vogelherdlub.ch), Hans Schnider, erklärte, dass das Feuerwerk des VCO dieses Jahr von der österreichischen Firma Pyrovision stammt. Der Verein selber verfüge über sechs ausgebildete Feuerwerker. Hinzu kommen Spezialisten der Herstellerfirma. Patrick Fluri leitete den Aufbau des Feuerwerks rechts der Neu-Bechburg beim VCO. Er erklärte, dass sämtliche Effekte und Bomben heutzutage über Funk abgefeuert werden. Die Choreografie jedes der fünf Bilder des VCO-Feuerwerks werden letztlich vom Computer aus gesteuert. 

So funktioniert eine Bombe

VCO-Präsident Hans Schnider erklärte Landammann Roland Heim sowie den Gästen aus Politik und Medien schliesslich, wie die grösste Bombe, die rund 500 Meter in die Höhe gefeuert werde, aufgebaut ist und welche Farbtöne eines Feuerwerks wirklich teuer sind. (hier im Video von soaktuell.ch). 

(Video: soaktuell.ch / youtube.com)

Mit dem Helikopter auf die Ravelle

Beim Ravellenclub RCO (www.ravellen-club.ch), auf den Felsen links der Neu-Bechburg, ist die logistische Leistung schon beim Aufbau eine Herausforderung. Urs Ackermann, Präsident des RCO erklärte, dass rund 35 Tonnen Material auf die Abbrennstandorte der Ravelle geflogen werden mussten, dies per Helikopter. Das Feuerwerk des RCO stammte 2018 von der Schweizer Firma Bugano. 

Natur respektieren

Deren Chef, Toni Bugano, gab denn auch das diesjährige Motto des RCO-Feuerwerks bekannt: "Götterfunken über der Ravelle!" Dazu wurden am Samstag alleine auf der Ravelle 2'351 verschiedenste Feuerwerkskörper gezündet. Toni Bugano erklärte, wie man mit verschiedensten Massnahmen versuche, Sorge zur Natur zu tragen und sie zu respektieren. Auf der anderen Seite müsse es möglich sein, solche schöne Traditionen weiterleben zu lassen. 

Strömender Dauerregen am Feuerwerk

Am Samstagabend dann das Bild, was sich kein Feuerwerker wünscht. Dauerregen. Tiefhängende Regenwolken. Kaum Wind. In Kombination war diese Wettersituation verheerend. Die tiefliegenden Regenwolken und Windstille über Oensingen verhinderten wie ein Deckel, dass der Rauch des Feuerwerks rasch abziehen konnte. Die Folge: Die Sicht auf die Abbrennstellen des RCO und des VCO war vernebelt. Besonders betroffen: Der Ravellenclub. Hier waren aus südlicher Richtung teilweise nicht einmal 20-30 Prozent des Feuerwerks zu sehen. Etwas besser die Bilanz beim VCO, wo doch 70-80 Prozent sichtbar waren. Doch die Situation war praktisch für jeden Zuschauerstandort wieder anders. Während die Zuschauenden aus Richtung Niederbipp das Feuerwerk bei der Ravelle recht gut verfolgen konnten, sah man dieses frontal von der Jurastrasse her zeitweise gar nicht mehr.

Neue Effekte

Doch was man gesehen hat, war einmal mehr phänomenal. Auffallend war, wie die Feuerwerkstechnik in nur drei Jahren wieder gewaltige Fortschritte gemacht hat. Die Effekte werden immer imposanter. So sind Smilies, Palmen oder Herzen heutzutage Standard. Neu waren wie Quallen aussehende und langsam aufsteigende Effekte oder natürlich die an den Himmel gezauberten Buchstaben V-C-O. 

Finale des VCO-Feuerwerks 2018 in Oensingen (Video: Matthias Althaus / youtube.com) 

Bleibt zu hoffen, dass diese schöne Tradition weiterlebt und die Region auch in drei Jahren wieder eine Sonnwendfeier in dieser Form miterleben darf. 

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Foto: soaktuell.ch

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