Der Bundesrat empfahl der Schweizer Bevölkerung, die Sommerferien 2020 wegen Corona in der Schweiz zu verbringen. Viele haben danach ihre gebuchten Sommerferien storniert. Etwas voreilig, wie der bisherige Sommer 2020 zeigt. Denn Sommerferien im Ausland sind durchaus möglich, es kommt einfach darauf an, wo und wie. Wie die Zahlen der Neuinfektionen des BAG im Juli zeigen, sind Ferien im Ausland manchmal sogar sicherer, als Ferien in der überfüllten Schweiz. Ein Bericht aus Mallorca. 

Martina Gloor

Das wichtigste vorweg: Es gibt Risikoländer, in die man wirklich nicht reisen sollte. Das ist klar. Darum geht es in diesem Artikel aber nicht, sondern es geht um ein gutes Beispiel einer Feriendestination, welche die Coronainfektionen im Griff hat und auch einiges dafür tut: Mallorca.

Eine sechsköpfige Familie aus dem Kanton Solothurn hat ihre gebuchten Ferien auf Mallorca nicht storniert. Die Eltern kennen die Balearen wie eine zweite Heimat, waren sie doch schon über zwanzig mal dort. Für sie war klar, dass wenn alle Schweizer zuhause bleiben, das Infektionsrisiko in Badeanstalten, Bergbahnen, Restaurants, Zoos und Museen grösser sein wird, als in Mallorca - wo ja angeblich alle storniert haben. Die Überlegung: "Viele Leute = viel Risiko. Wenig Leute = wenig Risiko" ist aus Sicht der Epidemie nicht von der Hand zu weisen. 

Zuerst verfolgten sie die Infektionszahlen auf Mallorca akribisch. Spanien gehört zwar zu den am meisten von Corona betroffenen Ländern Europas - aber eben nicht die spanischen Inseln. In Mallorca, und auch auf den kanarischen Inseln, waren die Infektionszahlen sehr tief, sogar wesentlich tiefer als in der Schweiz. Und die spanische Regierung unternimmt alles, damit die ausländischen Gäste das Virus nicht erneut einschleppen, respektive die Touristen nach den Ferien nicht krank nach hause gehen. Die Familie aus dem Kanton Solothurn erkundigte sich vorgängig direkt im Hotel und bei Easyjet, wie die Hygienekonzepte aussehen und welche Massnahmen zum Schutz vor Corona ganz konkret getroffen werden. Dann flogen sie am 7. Juli nach Mallorca - eine Woche nach der offiziellen Öffnung nach dem Lockdown.

Nichts für Partygänger

Mallorca ist dieses Jahr sicher ungeeignet für Partygänger. Die Party-Hotspots rund um den Ballermann & Co. wurden geschlossen - spontane Saufgelage werden von der Polizei sofort aufgelöst. Mallorca ist dafür 2020 sehr gut geeignet für Paare und Familien, die es ruhiger mögen. 

Schätzungsweise nur jedes fünfte Hotel hat auf der Insel geöffnet. Die restlichen sind noch zu. Die Belegung der Hotels liegt gefühlt bei 20-30 Prozent. Das bedeutet, die Abstände zwischen den Liegestühlen um den Hotelpool oder zwischen den Tischen in den Restaurants können problemlos eingehalten werden. Der Kampf um den täglichen Liegestuhl oder den Platz im Speisesaal entfällt. Insgesamt ist alles viel ruhiger und entspannter auf der Insel. Es gibt spürbar weniger Strassenverkehr und Lärm. Es war wie Mallorca vor zwanzig Jahren. 

Fieber messen

Bei der Ankunft am Flughafen Palma de Mallorca wird systematisch an der Stirn Fieber gemessen. Jeder Ankommende muss persönliche Daten zuhanden der Gesundheitsbehörden ausfüllen, was ein Contact-Tracing während dem Aufenthalt auf der Insel ermöglicht, sollte jemand krank nach Mallorca gereist sein oder sich im Flugzeug auf dem Hinflug infiziert haben. 

Im Hotel wurde jeden Morgen beim Betreten des Restaurants Fieber gemessen und alle Gäste mussten die Hände desinfizieren. Wer Fieber hatte, aus was für Gründen auch immer, kam sicher nicht in den Speisesaal. Das Buffet war hinter Plexiglas. Personal reichte einem die gewünschten Speisen auf einem Teller. Auf den Tischen fehlten die obligaten Glasfläschchen mit Salz, Pfeffer etc. Um Kontaktinfektionen zu vermeiden gab es dies nur in Papierbriefchen am Buffet. Zum Essen oder Getränke holen im Restaurant oder an der Bar galt Maskenpflicht, nicht aber, wenn man am Tisch sass oder auf dem Liegestuhl lag. Überall fand man Spender mit Desinfektionsmittel, die auch ständig aufgefüllt wurden. Hotel-Animation und Kinderdisco fanden statt, jedoch mit Abständen zwischen den Teilnehmenden.

Was absolut nicht klappte, war die Einhaltung der Abstände beim Anstehen im Restaurant. Wenn es ums Essen geht, schalten beim Menschen offenbar animalische Triebe das Denken ab. Aber ansonsten wurden alle Massnahmen von den Hotelgästen aus Holland, Deutschland, Schweiz und Russland ohne Probleme mitgetragen. 

Maskenpflicht im öffentlichen Raum

Wenn man das Hotel verlässt, gilt auf Mallorca Maskenpflicht. Für die Schweizer Familie war dies kein Problem, da sie sich mit Maske sowieso sicherer fühlt und vorgängig extra noch kleine Masken für die Kinder bei Amazon eingekauft hat. Vorbereitung ist alles. Auch in Geschäften und im öffentlichen Verkehr gilt Maskenpflicht.

Während im Duty Free-Shop des Flughafens Basel die Parfumspender wie eh und je herumstanden und von allen Reisenden angefummelt wurden, fand man im Duty Free-Bereich des Flughafens Palma de Mallorca keine Muster mehr. Das war vorbildlich.  

Etwa die Hälfte der Einkaufsläden, Gelaterias oder Restaurants auf Mallorca sind offen. Düster siehts bei Bars und Discotheken aus. Deswegen muss man 2020 sicher nicht nach Mallorca reisen. Wer aber Ruhe, Entspannung und schöne Strände mag, ist 2020 richtig auf der Insel. Unsere Familie hat auf Mallorca ein Auto gemietet und die schönsten Strände der Insel und weitere Sehenswürdigkeiten besucht sowie sich auch sonst vor geschlossenen Räumen und Museen ferngehalten. Auch Wasserparks mit Rutschen, auf denen sich die Menschen die selben Reifen in die Hände drücken und auf engen Treppen und Leitern anstehen, waren für die Familie aus der Schweiz tabu, mit Ausnahme natürlich der Rutschen im eigenen Hotel, die aufgrund der tiefen Gästezahl und des chlorifizierten Wassers sicher waren. 

Sogar Liegestühle und Sonnenschirme desinfiziert

Sämtliche Liegestühle um den Hotelpool wurden jeden Abend desinfiziert, ebenso die Stangen und Griffe der Sonnenschirme. An den Stränden wurden die Mindestabstände eingehalten. Aufgrund der tiefen Gästezahlen waren diese ohnehin nicht überfüllt und auch stets zugänglich. 

Es wird auf Mallorca wirklich viel unternommen, damit die Feriengäste schöne Ferien geniessen und gesund wieder nach hause kommen. Das beruhigt. Und wenn man selber noch etwas mitdenkt, steht den Sommerferien im Ausland auch 2020 nichts im Wege. 

Die Schweiz ist ein wunderschönes Land. Auch hier kann man tolle Ferien machen. Aber wenn man Angst vor einer Infektion hat, ist es nicht ganz klar, ob man in diesem Sommer in der überfüllten Schweiz wirklich sicherer ist. Vor allem, wenn man sieht, wie hierzulande über die Maskenpflicht im öffentlichen Raum gestritten wird, anstatt sie einfach einzuführen. Wenn man sieht, wie die Behörden bei ausufernden Parties wegschauen oder wie man an den Flughäfen unkontrolliert (kein Corona-Test, kein Fiebermessen - gar nichts) in unser Land spazieren kann. Das Virus wird dort zuschlagen, wo man ihm Raum dazu bietet.

Kurz: Die Schweizer Familie fühlte sich - was Corona betrifft - auf Mallorca sicherer als in der Schweiz. 

 

Hinweis:
Dieser Artikel bezieht sich auf die Situation auf Mallorca in der Zeit vom 1. bis 26. Juli 2020. Allfällige Veränderungen danach sind nicht berücksichtigt. Die Situation in allen Feriendestinationen muss immer wieder neu beurteilt werden. Der Fall einer deutschen Familie aus Cottbus, die nach dem Rückflug aus Mallorca positiv auf das Corona-Virus getestet wurde, zeigt, dass das Virus nach wie vor präsent ist, wie in der Schweiz auch. Im Fall dieser deutschen Familie ist aber nicht sicher, ob sie sich wirklich in Mallorca ansteckte, wie die Zeitung Mallorca-Magazin berichtete. Die Gesundheitsbehörden der Balearen wurden bisher jedenfalls noch nicht verständigt, was innerhalb der EU vorgesehen wäre. 

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