Die Aktien der beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse befinden sich selbst 10 Jahre nach ihren Höchstständen weiterhin im Keller. Bleibt das so oder geht es wieder nach oben?

von Maximilian Reimann, Gipf-Oberfrick

Während der schweizerische Aktienmarkt boomt und wieder nahe an die Rekordmarken von 2007 und 2015 herangekommen ist, dümpeln die Titel von UBS und CSG weiterhin im Keller. Zum Vergleich: Die UBS notierte 2007 mit rund 75 Franken auf Allzeit-Hoch, stürzte dann auf unter 10 ab und liegt derzeit um die 17 Franken. Der CS-Kurs erreichte damals gar 95 Franken, ist heute aber gleich teuer bzw. billig wie derjenige der UBS, nämlich ebenfalls 17 Franken. Die Aktionäre von damals verloren also massiv an Vermögen. Praktisch gleich hoch geblieben sind hingegen die fetten Boni auf der Teppich-Etage, Abzocker-Initiative hin oder her…

Nur noch dem Namen nach schweizerisch

Doch wer sind diese Aktionäre, nämlich weit über 100‘000 pro Grossbank? An den Generalversammlungen melden sich praktisch nur schweizerische Kleinanleger zu Wort. Aber diese haben null Einfluss auf die Geschäfts-, Dividenden- oder Bonipolitik „ihrer“ Bank. Das Sagen haben globale Finanzinvestoren wie etwa die riesigen Fondsgesellschaften Black Rock mit Sitz in New York, MSF Investment in Boston oder Harris Associates in Chicago, zudem die grossen Staatsfonds von Quatar, Saudi Arabien, Singapur und Norwegen, wie auch grosse britische Treuhandgesellschaften, die für anonyme Investoren Titel halten. Die genauen Zahlen können den jährlichen Geschäftsberichten entnommen werden. Sie decken auf, dass ein paar wenige dieser ausländischen Finanz-Multis mit Beteiligungen von  3 %  und mehr über die absolute Mehrheit am Aktienkapital von UBS und CS verfügen. Schweizerisch sind somit nur noch Name und Hauptsitz. Wenn also UBS-Chef Sergio Ermotti, der 2016 mit CHF 13,7 Millionen an Salär und Bonus eingedeckt wurde, mit dem Wegzug der Bank als Folge zunehmender Regulierung in der Schweiz droht, würde ein Unternehmen ins Ausland abwandern, das schon längst ausländisch beherrscht ist. Aber für realistisch halte ich diese Drohung Ermottis nicht!  

Ziel: Hohe Dividendenrendite

Diese ausländische Dominanz bringt den verbliebenen schweizerischen Aktionären - Einzelanleger, Pensionskassen, inländische Fonds usw. - aber immerhin finanzielle Vorteile. Hauptziel solcher ausländischer Investments sind nämlich höhere Gewinne und damit steigende Dividenden, die so lange als möglich aus Kapitalreserven und damit steuerfrei ausgeschüttet werden. Da heiligt mitunter der Zweck die Mittel, und das sind in erster Linie Personalabbau in Hochlohnländern bzw. Verlagerung von Backoffice-Arbeiten wie IT-Support, Datenverarbeitung, Rechnungswesen oder Telefonzentralen in lohngünstige Länder. Derzeit stehen Polen und Indien in der besonderen Gunst. Den Personalabbau in der Schweiz hat zudem die Aufhebung des Bankgeheimnisses für ausländische Kunden beschleunigt. Per saldo gehe ich somit davon aus, dass sowohl UBS wie auch CS in den kommenden Jahren ihre Dividenden erhöhen werden. Vorausgesetzt, es kommt nicht wieder zu Finanzkrisen wie in den Jahren 1987, 1999 oder 2008. Gemessen an der letzten Dividende rentiert die UBS-Aktie rund 3,5 % und diejenige der CS gar 4,1 %. Bereits in einem halben Jahr fallen die nächsten Dividenden an, vermutlich also höhere als in diesem Jahr. Wer allerdings noch auf Titeln sitzt, die die rasante Talfahrt mitgemacht haben, für den sind höhere Dividenden kaum mehr als ein kleines Trostpflaster. Dennoch, ich würde sie weiter durchhalten!

Kommentare

Avatar
Sicherheitscode