Das Medienhaus Ringier druckt seine Printtitel «Blick», «Blick am Abend», «SonntagsBlick», «Handelszeitung» und «Le Temps» künftig bei Tamedia. Die eigene Zeitungsdruckerei in Adligenswil soll Ende 2018 geschlossen werden, wovon 172 fest angestellte Mitarbeitende betroffen sind, schreibt Ringier.

von Roman Jäggi, Inhaber soaktuell.ch

Sinkende Marktpreise, die ungenügende Auslastung der Produktionskapazität, der Verlust von mehreren bedeutenden Druckaufträgen von Drittkunden sowie «generell rückläufige Auflagen» hätten Ringier zu diesem Entscheid veranlasst.

Das Druckzentrum in Adligenswil (LU) wird geschlossen. Alle verbleibenden Printaktivitäten von Ringier werden auf die Swissprinters AG in Zofingen konzentriert.

«Wir werden alles daran setzen, die bestmögliche sozialverträgliche Lösung für die betroffenen Mitarbeitenden zu finden und dazu eng mit der Personalkommission zusammenarbeiten», so Ringier. Den Ringier-Mitarbeitenden sollen «alle neu zu besetzenden Stellen» in den Druckzentren von Tamedia in Bern und Zürich angeboten werden, heisst es weiter.

Verlage sitzen auf hohen Kosten

Immer weniger Zeitungsabonnements, immer weniger Leserinnen und Leser und immer weniger Zeitungsinserate sorgen für einen Einbruch der Erträge selbst grosser Verlage. Auf der anderen Seite sitzen die Medienhäuser auf Kosten und Personalbeständen (böse Zungen sagen "auf dem hohen Ross") aus den goldenen Achtziger und Neunziger Jahren. Wer überleben will, muss jetzt einschneidende Sparmassnahmen ergreifen. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Denn es gibt keinen einzigen Indikator, der für die kommenden Jahre nach oben weist. Die Einnahmenausfälle in der Zeitungsbranche dürften sich sogar noch verstärken. Das Sterben der Zeitungsbranche erreicht einen Höhepunkt nach dem anderen.

Mit Quersubventionierungen über Wasser halten

Selbst die grossen Verlagshäuser sind angeschossen. Niemand in der Branche ist mehr sicher. In der Region Aargau-Solothurn wartet man gespannt darauf, wie lange sich Peter Wanner und seine AZ Medien noch halten kann. In Zürich sind alle Augen auf die NZZ gerichtet. Es ist längst nicht mehr die Frage ob, sondern wann die ersten Medienprodukte dieser Verlagshäuser eingestellt, fusioniert, verkauft oder in einer Kooperation zusammen gehen werden.

Maximal ein bis zwei Jahre werden sich die letzten Medienhäuser der Schweiz noch mit Quersubventionierungen über Wasser halten können. Sie werden über kurz oder lang alles einstellen, schliessen oder verkaufen müssen, was nicht rentiert, um das zu retten, was noch zu retten ist. 

Sich selber etwas vorgemacht

Zeitungsverlage haben den Lesern, Inserenten und vor allem sich selber, jahrelang etwas vorgemacht mit Studien über tolle Abonnement- und Leserzahlen. Nur leider - und das wissen alle in der Branche - haben diese Zahlen nie wirklich gestimmt. Fakt ist: Kein Mensch kann sagen, wie oft ein Inserat in der Zeitung XY wirklich gesehen und gelesen wurde. Die Zahlen waren schlicht "Fake-News". Die ganze Medienbranche hat sich selber überschätzt. Die gesellschaftliche, kulturelle und staatspolitische Bedeutung von Zeitungen war nie so gross, wie die Verleger und Journalisten es wahrhaben wollten. Das beweist die Tatsache, dass junge Menschen unter 40 Jahren nicht mehr bereit sind, für ein Zeitungsabo 450 Franken pro Jahr auszugeben. Selbst wenn man es ihnen für 100 Franken im Jahr anbietet, wollen sie es nicht. Das Problem liegt also nicht beim Preis, sondern beim Produkt. 

Medienfreiheit

Seit eh und je hat es viele Leserinnen und Leser gestört, dass irgend ein Redaktor in einer Schreibstube das Gefühl hatte, er müsse "Nachrichten einordnen" und "gewichten" und uns allen schulmeisterlich die Welt erklären. Das ganze wurde dann noch als "ausgewogen", "neutral" und "unabhängig" bezeichnet - was es nie war. Dabei sind die meisten Menschen durchaus in der Lage, Botschaften entsprechend zu gewichten und einzuordnen. Doch früher hatten sie keine andere Wahl. Sie mussten gefilterte Medien konsumieren - und auch dafür bezahlen. Heute nicht  mehr. Noch heute überschätzen sich die Zeitungsmacher masslos bezüglich ihrer staatspolitischen Bedeutung. Der Einbruch der Abo-, Inserate- und Leserzahlen zeigt ja gerade, dass dem nicht so ist. 

Social Media und Push Nachrichten aus aller Welt haben die Leserinnen und Leser befreit. Endlich können sie selber bestimmen, einordnen, gewichten und sich selber ein Bild machen. Das ist eigentlich etwas schönes. Dem Fortschritt sei Dank. 

 

Archivbild von soaktuell.ch

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