Die Turbulenzen, die sich über der St.Galler Zentrale der 255 Schweizer Raiffeisen-Genossenschaftsbanken zusammengebraut hatten, haben in einem Punkt bereits für Klarheit gesorgt. Das Untersuchungsverfahren der Finanzmarktaufsichtsbehörde FINMA gegen Pierin Vincenz, den langjährigen obersten Manager der drittgrössten Bankengruppe des Landes, ist kurz vor Weihnachten eingestellt worden.

Ein Kommentar von Nationalrat Maximilian Reimann, Gipf-Oberfrick

Dabei war es zu einem nicht eben üblichen Deal gekommen. Die FINMA brach das Verfahren nämlich nur deshalb ab, weil sich Vincenz im Gegenzug verpflichtet hatte, künftig nie mehr Führungsfunktionen auf dem Finanzplatz Schweiz zu übernehmen und umgehend auch das VR-Präsidium der Helvetia-Versicherung niederlegte. Das Sprichwort vom „die Kleinen hängt man auf, die Grossen lässt man laufen“ war selbst aus Expertenmunde zu vernehmen.

Weiter läuft aber das parallele FINMA-Verfahren gegen Raiffeisen selber. Dabei geht es u.a. um die Corporate Governance der Bankengruppe, also um die Frage, ob die aktuelle, auf dem Genossenschaftsprinzip beruhende Geschäftsstruktur noch taugt für die Leitung und Überwachung der übergeordneten Zentrale in St.Gallen. Man darf gespannt sein, zu welchem Ergebnis die FINMA kommen wird.

Nichts gegen das Prinzip von Genossenschaften, auch wenn sie Milliarden umsetzen. Sowohl bei den beiden grössten Detailhändlern Coop und Migros, beim Landwirtschaftskonzern Fenaco oder bei der schlagkräftigen Mobiliar-Versicherung hat sich diese Geschäftsstruktur bewährt. Aber bei der Raiffeisenzentrale war es zu derart offensichtlichen Interessenkonflikten geschäftlicher, finanzieller wie persönlicher Natur gekommen, dass Transparenz darüber auch im Interesse der 3,75 Mio. Raiffeisen-Kunden liegt, zu denen übrigens auch ich gehöre.

Kommentare

Avatar
Sicherheitscode