AZ Medien und die NZZ-Mediengruppe legen ihre 13 Bezahlzeitungen aus 13 Kantonen unter einem gemeinsamen Dach zusammen. Es ist der letzte Strohhalm an den sich die Verleger klammern. Ein Zwischenschritt, um Zeit zu gewinnen, bevor erste Zeitungstitel mangels Rentabilität und Lesernachfrage eingestellt oder verkauft werden müssen. Denn, sie wissen genau, wenn man zwei Kranke zusammentut, gibt es daraus keinen Gesunden.

Ein Kommentar von Roman Jäggi, Inhaber der Internet-Zeitung soaktuell.ch

Peter Wanners AZ Medien und die NZZ sind ideale Partner. «Wir fühlen uns beide einer liberalen Grundhaltung verpflichtet», sagte Etienne Jornod, Verwaltungsratspräsident der NZZ-Mediengruppe, am Donnerstag in Zürich vor den Medien. Sprich: Die Zeitungen berichten über alles ein bisschen - am liebsten aber gegen die SVP, SVP-Exponenten und gegen SVP-Themen. Mit der Gleichschaltung können Wanner und Jornod von Solothurn bis an den Bodensee flächendeckend gegen die Masseneinwanderungsinitiative, gegen Trump und für die Personenfreizügigkeit schreiben. Einheitsbrei pur. Redaktionelles Weiterwursteln wie bisher ist angesagt, einfach auf noch grösserer Fläche.

Das beschleunigt den Zerfall

Neben der Abwanderung von Inseraten ins Internet, ist genau diese einseitige und beliebige Mainstream-Berichterstattung Hauptgrund dafür, dass kaum noch ein junger Leser unter 40 Jahren Geld für ein Zeitungsabo aufwirft. Die Wanner- und NZZ-Medien sind Paradebeispiele dafür, wie man sich über Jahre Schritt für Schritt von einem grossen Teil der Leserinnen und Leser verabschiedet, indem man einer vermeintlich mehrheitsfähigen Mitte-Links Sichtweise folgt, sei es bei politischen, aber auch bei gesellschaftlichen Themen. Und indem man die unterschiedlichen gewachsenen Profile der einzelnen Regionalzeitungen dem Mainstream opfert. 

Die Mär der Qualitätsmedien staatstragender Bedeutung

Gab es 1986 noch 289 Tageszeitungen in der Schweiz mit einer täglichen Auflage von 3,45 Mio. Exemplaren, waren es 2014 nur noch 181 Tageszeitungen mit einer Auflage von 1,699 Mio. Tendenz sinkend. Und dies, obwohl die Bevölkerung in der Schweiz in der gleichen Zeit im Millionenbereich gewachsen ist. Wären die Zeitungen also wirkliche Qualitätsmedien von staatstragender Bedeutung, müssten die Abo- und Leserzahlen bei immer mehr potenziellen "Kunden" eigentlich steigen. Das tun sie aber nicht, weil die Verleger und Redaktoren ihre Rollen permanent selber überschätzen. 

Einheitsbrei und Mitte-Links-Gewichtung der Themen langweilt die Menschen. Die übergangenen und enttäuschten Leserinnen und Leser haben sich in den letzten Jahren längst von ihren Zeitungen abgewendet. Hier reden wir von Hunderttausenden, die entweder ihre Abonnements gekündigt haben oder sich heute online informieren und zwar dort, wo sie sich nicht jeden Tag aufregen müssen. An dieser Entwicklung sind die Verleger und Redaktoren weitgehend selber schuld.

Das Problem der inhaltlichen Entfernung von der konservativ bürgerlichen Leserschaft wird mit der Medienkonzentration nicht behoben, sondern noch verstärkt. Insofern ist die Fusion kein Rettungsanker und Projekt für die Zukunft, sondern könnte sogar den Niedergang vieler der 13 involvierten Bezahlzeitungen noch beschleunigen. Eine Fusion holt keine enttäuschten Leser zurück. Die Meinungsvielfalt wird jedoch abgewürgt, der Einheitsbrei ausgebaut und die Inserenten mit überteuerten Preisen für angeblich höhere Reichweiten abgezockt. 

Was wir in diesen Tagen erleben, ist der Todeskampf von Auslaufmodellen. Ein selbst verursachter Todeskampf. Und weil die Verantwortlichen die wirklichen Ursachen nicht beheben können oder wollen, dauert der Todeskampf vieler der 13 Regionalzeitungen einfach etwas länger. Das ist bitter. Nicht zuletzt für all die Stellen, die so in den nächsten Jahren vernichtet werden. 

 

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