Diese Frage ist für all jene Leute, die sich dem Rentenalter nähern, aber noch weiter erwerbstätig bleiben möchten, von erheblicher Bedeutung.

von Maximilian Reimann

Wohl den meisten Leuten ist bekannt, dass man die AHV-Rente um ein bis zwei Jahre vorbeziehen oder um bis zu 5 Jahre aufschieben kann. Schwieriger wird es, wenn man sich für das eine oder andere entscheiden möchte. Was sind die finanziellen Konsequenzen im konkreten Einzelfall? Und wie muss man in formeller Hinsicht überhaupt vorgehen, wenn man vom einen oder anderen Gebrauch machen will?  

Den Aufschub verpasst
Heute geht es mir primär um den Aufschub. Auf das Thema gebracht hat mich ein Neo-Rentner mit Jahrgang 1944, der sich entschieden hatte, bis auf Weiteres zu 100 % im Erwerbsleben zu verbleiben. Er will das aus zwei Gründen, erstens weil ihm ein Ruhestand schon ab 65 zu langweilig erscheint, und zweitens um seine finanzielle Lage in Erwartung eines langen Lebens noch zu verbessern. Leider hatte es der Mann aber verpasst, rechtzeitig den Aufschub der AHV-Rente zu beantragen. Nun erhält er zusätzlich zum Erwerbseinkommen monatlich auch die Rente. Diese muss er zu 100 % zusammen mit dem übrigen Einkommen versteuern. Das hat ihn in eine höhere Steuerprogression „hinaufkatapultiert“ und das ärgert ihn. Er kann es nicht verstehen, dass er nicht fristgerecht von Amtes wegen auf die Möglichkeit des Aufschubes aufmerksam gemacht wurde. Es müsste doch auch im Interesse des Staates liegen, wenn man länger im Erwerbsleben verbleibt, schon der Steuern und der weiteren, wenn auch reduzierten AHV-Beitragsleistungen wegen.

AHV-Antragsformular genau durchlesen
In vorliegendem Fall hatte es besagte Person schlicht übersehen, auf dem Antragsformular Ziffer 4.7 „Wollen Sie die Altersrente vorbeziehen?“ bzw. Ziffer 4.8 „Wollen Sie die Altersrente aufschieben?“ korrekt auszufüllen. Dieses Formular ist Voraussetzung für die ordentliche Ausrichtung der Renten. Es ist bei der Ausgleichskasse, auf die man die persönlichen AHV-Beiträge einbezahlt hat, oder bei der Gemeindezweigstelle der SVA (Sozialversicherung Aargau) einzureichen. Zudem möchte ich allen zukünftigen Rentnerinnen und Rentnern empfehlen, rechtzeitig das Merkblatt 3.04 der AHV zum Thema „Flexibles Rentenalter“ durchzulesen. Darin wird einem auf einfache und verständliche Weise alles über den Vorbezug sowie über den Aufschub der Altersrente erklärt. Man erfährt darin aufs Komma genau, wie gross die Kürzung beim Vorbezug und der Zuschlag beim Aufschub betragen wird. Der Aufschub muss spätestens ein Jahr nach Entstehung des Rentenanspruchs geltend gemacht werden. In vorliegendem Fall wurde diese Frist verpasst.

Macht der Aufschub Sinn?
Damit zurück zur Frage, wann der Aufschub Sinn macht. Dazu gibt es die folgende Faustregel: Der Aufschub ist dann sinnvoll, wenn nach der ordentlichen Pensionierung weiterhin ein Einkommen erzielt wird, das die Lebenshaltungskosten genügend abdeckt. Man kann das in Kenntnis des Einkommenssteuersatzes und der Steuerprogression in jedem Einzelfall ziemlich genau ermitteln. Wer sich für den Aufschub entschieden hat, kann jederzeit darauf zurückkommen und ab dem nächsten Monat die Rente beziehen. Man hat während 5 Jahren also freie Wahl und muss sich nicht im Voraus auf eine feste Aufschubsdauer festlegen. Der maximale Zuschlag beträgt nach 5 Jahren Aufschub 31,5 %. Einen Strich durch die Rechnung könnte einem höchstens „Schnitter Tod“ machen…

08.03.2012 | 3334 Aufrufe

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