Viele Medien von CH Media, NZZ, Ringier und Tamedia schrecken seit Dienstag ihre Leserinnen und Leser mit einer Registrierungspflicht ab. Diese Massnahme führte dazu, dass die Besucherzahlen bei der Internet-Zeitung soaktuell.ch (bei der man sich nicht registrieren muss um Gratis-News zu lesen), förmlich explodiert sind.

red.

Die grossen Medienhäuser der Schweiz begründen ihre Datensammlerei denn auch damit, dass sie mehr über ihre Leserschaft erfahren wollten, um ihnen personenbezogene Inhalte (sprich: Werbung) einzublenden.

Im kommenden Jahr soll dann auch die SRG dazustossen und eine Ausweitung ins Tessin und in die Westschweiz realisiert werden, schreiben die beteiligten Verlage in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Durch die Registrierung könnten die Medienhäuser ihre Besucherinnen und Besucher eindeutig identifizieren. Doch ob die Leserinnen und Leser das überhaupt wollen, ist fraglich. Denn just mit der Einführung der Registrierung bei vielen grossen Tageszeitungen machten die Besucherzahlen bei soaktuell.ch einen Sprung nach vorne. Denn bei soaktuell.ch sind die Gratis-News auch weiterhin frei zugänglich und kostenlos lesbar. Registrieren muss sich nur, wer Veranstaltungshinweise oder Vereinsnachrichten hochladen will. 

Zwar ist der Registrierungs-Prozess bei den grossen Medienhäusern niederschwellig angelegt, E-Mail-Adresse und Passwort reichen noch. Doch die Leserinnen und Leser wissen genau, dass damit die Nutzung von Artikeln, News, Videos und Beiträgen jeder registrierten Person zugeordnet werden kann. Es entstehen genaue Bilder des Leseverhaltens. Wer gerne Artikel über Sexpielzeug, Swingerclubs oder Umfragen zum Sexleben liest, wird genau so erfasst, wie jene, die primär Artikel über die SVP lesen. So entstehen Lesermuster, die auf die Person genau zugeordnet werden können. Kein Wunder, dass dies viele Leserinnen und Leser abschreckt. 

Die Medienhäuser geben denn auch zu: «Die durch die Registrierung verbesserte Datenbasis versetzt die Medienhäuser zudem mittelfristig in die Lage, zielgenauere Werbung zu platzieren».

Die Registrierung sei bei nahezu allen grossen amerikanischen Technologiekonzernen wie Facebook, Google, Instagram und Co. Standard, argumentieren die Medienhäuser. Das mag sein. Aber dort sind die persönlichen Daten in ausländischen, wesentlich anonymeren Händen. Wenn die Redaktion der Tageszeitung in der eigenen Region unser Leserverhalten auswertet, ist das eine ganz andere Sache. 

Aus diesem Grund wünschen wir der Registrierungs-Allianz der grossen Medienhäuser viel Glück. Wir von soaktuell.ch bleiben bei der offenen Gratis-Nutzung der Inhalte und fahren gut damit. 

 

Bild: Screenshot von blick.ch mit dem eingeblendeten Registrierungsfenster

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