Um das Kostenwachstum im Gesundheitswesen zu bremsen, ziehen die Stimmberechtigten generell die politische Steuerung einer Marktlösung vor. Kommt die Steuerung jedoch in Form eines Kostendachs, ist die Zustimmung sichtlich tiefer oder kippt in klare Ablehnung.

H+ / ots.

Zum fünften Mal in Folge wurden die Wahrnehmungen und Einstellungen der Schweizer Stimmberechtigten abgefragt und im H+ Spital- und Klinik-Barometer 2018 publiziert. Neu wurden dieses Jahr zusätzliche Fragen zur politischen Steuerung der Gesundheitskosten bzw. zum Instrument «Kostendach» gestellt.

Kosten steuern statt dem Markt überlassen

Zwei Drittel der Befragten (66%) stimmen einer politischen Steuerung der Gesundheitskosten zu. Ein Viertel möchte die Kostenentwicklung dem Markt überlassen. Mehrheiten von der politischen linken (64%) bis zur rechten Seite (67%) wollen die Gesundheitskosten im Grundsatz politisch steuern.

Wenn schon Kosten steuern, dann am ehesten auf Kantonsebene

Kommt die Kostensteuerung jedoch in Form eines Kostendachs, bei dem innerhalb eines Jahres die über die Grundversicherung abgerechneten Kosten einen Maximalbetrag nicht überschreiten dürfen, ist die Zustimmung klar tiefer oder kippt in klare Ablehnung. Am ehesten können sich die Stimmberechtigten ein Kostendach auf Kantonsebene vorstellen. Die Anteile an Befragten, welche dies als sinnvoll (48%) oder nicht sinnvoll (46%) erachten, sind fast gleich gross. Eine knappe Mehrheit für kantonale Lösungen beim Kostendach findet sich in der Deutschschweiz (54%). Klar dagegen sprechen sich Befragte aus der italienischsprachigen Schweiz aus (75% «nicht sinnvoll»). Auch in der Romandie (54%) ist das Votum ablehnend.

Kein Kostendach pro Leistungserbringer

Ein Kostendach für bestimmte Leistungsbereiche wird von 36 Prozent, ein Kostendach über die ganze Schweiz von 29 Prozent und pro Leistungserbringer noch von 17 Prozent der Befragten als sinnvoll erachtet. Ein Kostendach für bestimmte Leistungsbereiche könnten sich über die Hälfte der Befragten in der französischsprachigen Schweiz (59%) sowie Parteiungebundene (56%) vorstellen. Überdurchschnittlich als sinnvoll gilt ein solches Kostendach auch bei Personen mit tiefen Bildungsabschlüssen (49%) sowie bei Befragten unter 30 Jahren (45%). Das Kostendach für die gesamte Schweiz fällt bei allen soziodemografischen Gruppen durch.

Zulassungsbeschränkung ärztlicher Praxen: Zunehmend kritische Haltung

Mit 54 Prozent steht neu mehr als die Hälfte der Befragten der Zulassungsbeschränkung neuer Arztpraxen eher kritisch gegenüber, wobei die Meinungen weiterhin nicht gefestigt sind. Hauptsächlich sollen die Kantone darüber entscheiden. Mehr noch als 2017 sind die Stimmberechtigten der Meinung, dass die Krankenkassen in dieser Frage nicht entscheiden sollen.

Qualität der Spitäler gilt vermehrt als «sehr gut»

Die Schweizer Spitäler und Kliniken gelten als qualitativ gut. 2018 vergibt erstmals über die Hälfte der Befragten in dieser Studienreihe das Prädikat «sehr gut» (52%, +9). Diese starke Verbesserung ist nur in der Deutschschweiz zu finden. In der französischsprachigen Schweiz ist dieser Wert rückläufig, in der italienischsprachigen Schweiz stabil. Die Spitäler zählen nach der Ärzteschaft weiterhin zu den glaubwürdigsten Akteuren in der Gesundheitspolitik.

Unbestrittene freie Arzt- und Spitalwahl

Die freie Arzt- und Spitalwahl wird von den Stimmberechtigten weiterhin als ein klarer Grundwert der Gesundheitspolitik eingestuft.

Weiterhin gilt: In jeder Region ein Spital, aber nicht zwingend mit Vollangebot

Feststellbar ist über die letzten Jahre ein Trend weg von der Spitalkonzentration auf Zentren hin zu einem breiteren Angebot auch in Randregionen. Rund zwei Drittel der Befragten tendieren 2018 in diese Richtung. Regionale Angebote werden bei den Notfällen, wiederkehrenden ambulanten Behandlungen und Geburten gewünscht. Bei mehrwöchigen stationären Behandlungen in der Psychiatrie oder für eine Rehabilitation sind längere Wege akzeptabel.

Abnehmender Spardruck bei ambulanten Spitalleistungen

Die Befragten fühlen sich gegenüber 2017 leicht weniger finanziell belastet. Zunehmend wird die hohe Qualität der Gesundheitsversorgung als Rechtfertigung für hohe Kosten akzeptiert (66%, +13). Der Spardruck auf einzelne Bereiche ist rückläufig. Dies gilt vor allem für die ambulanten Spitalleistungen. Ausnahme von dieser kurzfristigen Entwicklung sind die allgemeinen Ärzte, denen im Vergleich zu 2017 weniger Mittel zugestanden werden.

 

Symbolbild von sigrid rossmann / pixelio.de

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