Am 17. Juni stimmen wir über die kantonale Volksinitiative „Für eine sichere Aargauische Kantonalbank“ ab. Der Titel ist scheinfromm, das Volksbegehren aus gewichtigen Gründen abzulehnen.

von Maximilian Reimann

Vor allem durch den klangvollen Titel lasse man sich nicht in die Irre führen. Unsere Kantonalbank ist bereits äusserst sicher. Sie befindet sich im vollen Eigentum des Kantons. Niemand kann sie ihm gegen den Willen des Volkes wegnehmen, weder ganz noch teilweise. Ihre Bonität ist erstklassig. Das ersieht man aus den Börsenkursen der kotierten AKB-Obligationen. So wird beispielweise der zu 1 1/8 % % verzinste und noch sechseinhalb Jahre laufende Titel AKB 2011-18 derzeit zu 103,5 % gehandelt. Das ergibt gerade noch eine Rendite von jährlich 0,58 %.

Strategische Partnerschaft mit Pensionskassen
Der AKB sollten in ihrer strategischen Weiterentwicklung keine verfassungsrechtlichen Fesseln auferlegt werden. Das ist kontraproduktiv. Als eine solche Weiterentwicklung kann ich mir, wie in den meisten Kantonen üblich, die Umwandlung der immer noch als Staatsanstalt firmierenden AKB in eine Aktiengesellschaft vorstellen. In einem weiteren Schritt könnte der Kanton sodann ein Minderheitspaket an Aktien an ausgewählte Partner verkaufen. In Frage kämen schuldenfreie Gemeinden, insbesondere aber Pensionskassen mit Sitz im Aargau. Damit resultierte eine echte Win-Win-Situation. Der Kanton könnte Schulden abtragen und die Pensionskassen bekämen eine solide Anlagealternative, die eine ansprechende Dividende abwirft. Diese läge deutlich über den Renditen, die man heute mit Obligationen von analoger Bonität einfahren kann. Siehe das vorstehend erwähnte AKB-Obligationen-Beispiel! Ein solches Szenarium liegt zweifellos im Interesse all jener heutigen und künftigen BVG-Versicherten, deren Pensionskassen sich schwer tun, angesichts der Euro-Krise überhaupt noch taugliche Anlagen zu finden.

Ein Ersatz für NAB-Aktien!
Börsenkotierte aargauische Finanzwerte sind rar geworden. Das war vor einigen Jahren noch völlig anders. Da gab es eine ganze Serie von grossen und mittleren Regionalbanken, angefangen bei der Hypo Aargau, der Allgemeinen Ersparniskasse, der Gewerbebank Baden bis hin zu den drei Banken im südwestlichen Kantonsteil (Menziken, Reinach, Suhrental). Jedermann konnte deren Aktien - börslich oder ausserbörslich – erwerben und kassierte meistens eine lukrative Dividende. Alle diese Banken sind weg fusioniert worden. Letztere drei sind in die Berner Valiant-Gruppe integriert worden, die eben von der Finanzmarktaufsicht wegen Kursmanipulation gerügt worden ist. Nicht unbedingt ein Kaufsignal für diese Aktien! Schmerzlicher wiegt das Verschwinden der NAB-Aktien. Die Credit Suisse als Mutterbank hat sie letztes Jahr völlig vom Markt genommen. Somit gibt es derzeit im viertgrössten Kanton des Landes, abgesehen von ein paar Lokalbanken, keine aargauischen Finanzwerte mehr. Das ist eine Lücke in der Anlagepalette grösserer Investoren wie den Pensionskassen, die optimal durch eine teilweise Marktöffnung der AKB kompensiert werden könnte, ohne dass der Kanton auf die Mehrheit verzichten muss. Deshalb gehört besagte AKB-Volksinitiative vom Tisch!

Bald auch Anlagen in Swissgrid?
Die Swissgrid AG mit Sitz und operativer Basis in Laufenburg sowie Verwaltung in Frick ist seit 2009 Eigentümerin und Betreiberin des schweizerischen Stromübertragungsnetzes von 6‘700 Km Länge. Sie gehört den acht grössten Elektrizitätsunternehmen des Landes und damit indirekt den Kantonen. Die Kotierung der 15 Mio. Namenaktien an der Börse wird vorderhand von den Statuten nicht zugelassen. Aber auch das könnte sich gelegentlich ändern. Denn einerseits ist der Kapitalbedarf der Swissgrid zur Erneuerung und Erweiterung des Stromnetzes enorm. Und andererseits käme es „anlagehungrigen“ Investoren wie beispielsweise vielen Pensionskassen sehr gelegen, wenn sie sich an diesem nationalen Service-Public-Unternehmen beteiligen könnten, sei es am Aktienkapital, zumindest aber in Form von Obligationen.  

31.05.2012 | 3493 Aufrufe

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