Die international renommierte Rating-Agentur Standard & Poor's hat das Rating für den Kanton Aargau auf AA+ zurück gestuft. Hauptgrund ist die zurzeit begrenzte Flexibilität bei der Steuerung von Einnahmen und Ausgaben für die nötige Sanierung der Kantonsfinanzen.

Departement Finanzen und Ressourcen

Der Kanton Aargau wurde in der Vergangenheit stets mit der Bestnote AAA beurteilt. "Angesichts der noch laufenden Haushaltsanierung und des gesunkenen Ressourcenpotenzials in den letzten Jahren kommt die aktuelle Einstufung nicht überraschend", sagt Finanzdirektor Markus Dieth.

Die Rating-Agentur Standard & Poor's nennt als wichtigsten Grund für die Neueinstufung das nach wie vor vorhandene strukturelle Defizit im Finanzhaushalt des Kantons. Die bisher umgesetzten Sparmassnahmen wie auch diverse, vor allem einnahmeseitige Sondereffekte führen zwar zu einer kurzfristigen Entspannung. Hinsichtlich der geplanten Reformvorhaben stehen wichtige politische Entscheidungen noch aus. Zudem äussert die Rating-Agentur in ihrem Bericht Bedenken gegenüber der politischen Bereitschaft für eine höhere Ausschöpfung des Steuersubstrats. Ebenso sei das beschränkte und im interkantonalen Vergleich erneut gesunkene Ressourcenpotenzial ein Zeichen, dass sich die Wirtschaft und der Wohlstand in anderen Kantonen in den letzten Jahren besser entwickelt haben als im Aargau.

Die politischen Unsicherheiten und strukturellen Restriktionen hemmen nach Auffassung von Standard & Poor's die Flexibilität des Finanzmanagements und reduzieren den finanzpolitischen Handlungsspielraum des Kantons insgesamt. Dadurch steige auch das Risiko suboptimaler Entscheidungen bei strategischen Weichenstellungen wie der Umsetzung der Steuervorlage 17.

Ausblick stabil dank solidem Finanzmanagement

In ihrem Ausblick geht Standard & Poor's von einer stabilen Entwicklung aus. Besonders hervorgehoben werden das nach wie vor solide und engagierte Finanzmanagement, die vergleichsweise moderate Verschuldung, das ausgezeichnete Liquiditätsmanagement sowie die starke Wirtschaftsleistung. Gelingt es der politischen Führung des Kantons, die Kantonsfinanzen nachhaltig zu sanieren und substanzielle Finanzierungsüberschüsse zu erzielen, bestehen gute Voraussetzungen, um das Rating des Kantons wieder auf die Bestnote von AAA anzuheben. Voraussetzung dazu ist ein klarer politischer Wille zur Umsetzung der ausgabenseitigen Reformvorhaben sowie der allenfalls erforderlichen Steuererhöhung.

Dank des zweitbesten Ratings von AA+ verfügt der Kanton Aargau noch immer über eine sehr hohe Schuldnerbonität. Diese ermöglicht dem Kanton, weiterhin Geld zu tiefen Zinsen aufzunehmen. Bei kurzfristigen Geldaufnahmen können zurzeit Negativzinsen vereinnahmt werden. Im Vergleich zu einem AAA-Rating hat die Herabstufung lediglich einen rund 0,02 bis 0,03 Prozent höheren Zins zur Folge.

"Unser Ziel ist, mit vereinten Kräften den eingeschlagenen Weg der Gesamtsicht Haushaltsanierung konsequent weiterzugehen und nachhaltig und wirksam umzusetzen", so Finanzdirektor Markus Dieth, "dann dürfte sich auch das Rating über kurz oder lang wieder verbessern."

Standard & Poor's gehört neben Moody's und Fitch zu den wichtigsten internationalen Rating-Agenturen. Durch die Ratings werden international vergleichbare Informationen über Schuldner zur Verfügung gestellt. Diese sind für Kapitalgeber und deren Anlageentscheide von grosser Wichtigkeit.

Von den heute in der Schweiz durch Standard & Poor's direkt bewerteten acht Kantonen weisen zwei Kantone (Zürich, Waadt) ein Rating von AAA aus. Die anderen Kantone (BL, BS, GE, SG, SO) verfügen wie neu auch der Kanton Aargau über ein AA Rating.

 

Symbolbild von Gerd Altmann / pixelio.de

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