Die international renommierte Rating-Agentur Standard & Poor's hat das Rating für den Kanton Aargau mit AA+ bestätigt. Nach dem hohen Jahresgewinn 2019 rechnet Standard & Poor's aufgrund der COVID-19-Pandemie mit einem starken Konjunktureinbruch im laufenden Jahr. Damit sind negative Auswirkungen auf die Haushaltsentwicklung verbunden, was weiterhin eine disziplinierte und weitsichtige Finanzpolitik erfordert. In der Erwartung, dass dies gelingt, bleiben das Rating und der Ausblick für den Kanton Aargau stabil.

Departement Finanzen und Ressourcen AG

Für das laufende Jahr erwartet Standard & Poor's infolge der COVID-19-Pandemie für die Schweiz einen starken Einbruch des Bruttoinlandprodukts. Der Kanton Aargau dürfte aufgrund seiner diversifizierten Wirtschaftsstruktur davon etwas weniger stark betroffen sein. Dennoch rechnet die Rating-Agentur mit einer starken Belastung des Finanzhaushalts infolge tieferer Steuereinnahmen und Mehrausgaben aufgrund der kantonalen Unterstützungsmassnahmen für die Aargauer Unternehmen und Bevölkerung.

Während im laufenden Jahr die finanziellen Belastungen durch höhere Ausschüttungen der Schweizerischen Nationalbank wohl weitgehend kompensiert werden, erwartet Standard & Poor's im nächsten Jahr 2021 ein hohes Defizit und mittelfristig weniger Handlungsspielraum als noch vor der COVID-19-Pandemie. Auch aus Sicht des Finanzdirektors Markus Dieth ist deshalb klar: "Die zentrale finanzpolitische Zielsetzung ist die Stabilisierung der Haushaltsentwicklung nach Corona und die Vermeidung struktureller Defizite in der Finanzplanung ab 2022."

Handlungsbedarf beim Ressourcenpotenzial und den Unternehmenssteuern

Der Kanton Aargau profitiert bei seinem Rating von vorteilhaften volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie auch vom institutionalisierten Finanzausgleich zwischen den Kantonen. Als weitere Pluspunkte werden das disziplinierte Finanzmanagement, die Umsetzung der Gesamtsicht Haushaltsanierung, die vergleichsweise tiefe direkte Staatsverschuldung und ein ausgezeichnetes Liquiditätsmanagement genannt. Als kritisch wahrgenommen werden die nach der Umsetzung der Unternehmenssteuerreform (STAF) vergleichsweise hohen Steuersätze bei den ordentlichen Gewinnsteuern sowie das im interkantonalen Vergleich kontinuierlich sinkende Ressourcenpotenzial des Kantons. Das kantonale Bruttoinlandprodukt pro Kopf erreicht nur rund 80 Prozent des Schweizer Durchschnitts. Im internationalen Vergleich ist aber auch dieser Wert als sehr hoch einzustufen.

Tiefere Zinsen dank positivem Rating

Dank der zweitbesten Ratingstufe von AA+ verfügt der Kanton Aargau weiterhin über eine sehr hohe Schuldnerbonität. Diese ermöglicht dem Kanton, Geld zu tiefen Zinsen aufzunehmen. Bei kurzfristigen Geldaufnahmen können zurzeit Negativzinsen vereinnahmt werden. "Unser Ziel ist klar. Wir wollen unser Rating auch nach der COVID-19-Pandemie behalten und mittelfristig die AAA-Bestnote wieder erreichen", erklärt Finanzdirektor Markus Dieth. "Gerade in Zeiten der Bewältigung einer Krise und vielen Unsicherheiten ist bei der Finanzplanung in Varianten zu denken, um richtig und rechtzeitig auf die verschiedenen Szenarien reagieren zu können", so Dieth.

Von den heute in der Schweiz durch Standard & Poor's direkt bewerteten acht Kantonen weisen drei Kantone (BS, VD, ZH) ein Rating von AAA aus. Die anderen Kantone (BL, GE, SG, SO) verfügen wie der Kanton Aargau über ein AA-Rating.

 

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