An der Air Show in Sion machten die möglichen Hersteller des nächsten Schweizer Jets Werbung in eigenes Sache. Lockheed Martin zeigte das Preisschild – Rafale, Eurofighter und Gripen ihr Können.

von Beni Gafner, Basler Zeitung

Das Interesse an Kriegsflugzeugen aller Art, auch die Begeisterung für alte Passagiermaschinen, scheint ungebrochen. Eine riesige Menschenansammlung bildete sich auf dem Flugplatzgelände von Sitten. Über 40'000 Besucher kamen alleine am Samstag an die International Breitling Sion Airshow, eine Veranstaltung, die alle sechs Jahre stattfindet. Am meisten gefeiert wurde neben der Patrouille Suisse eine akrobatische Vorführung mit einer Schweizer F/A-18. Solche Figuren in die Luft gezeichnet habe bisher noch kein Schweizer F/A-18-Pilot, sagte ein Ehemaliger aus der Luftwaffe.

Während im Bundesrat über die Beschaffung neuer Kampfjets diskutiert wird, nutzen es die möglichen Hersteller des nächsten Schweizer Jets, Präsenz zu markieren in Sitten. Saab mit dem Gripen, Lockheed Martin mit dem F-35, Airbus mit dem Eurofighter und Dassault mit dem Rafale empfingen Besucher und Industrievertreter in schicken Ausstellungszelten. Allesamt verzichteten sie auf marktschreierisches Auftreten. Doch Airbus, Dassault und Saab unterstrichen mit spektakulären Flugshows ihren klaren Willen, ihr Produkt ab dem Jahr 2021 in die Schweiz zu liefern.

Tarnkappe für gut 80 Millionen?

Allen Anbietern, die von der Schweiz demnächst unverbindlich angefragt werden könnten, scheint nach dem gescheiterten Beschaffungsprojekt von 2014 eines klar zu sein: Der Preis wird für die Schweiz neben der Leistung eine entscheidende Rolle spielen. Flyaway- oder gar Systempreise waren am Samstag beim Besuch der Basler Zeitung vor Ort allerdings nicht zu vernehmen, auch nicht hinter den Kulissen. Eine bemerkenswerte Ausnahme gab es diesbezüglich allerdings. Der Vizepräsident des F-35-Programms, Gary North, ein kriegserfahrener F-16-Pilot, legte im Gespräch Wert auf die Feststellung, dass der Joint Strike Fighter (JSF) keineswegs vier- oder gar fünfmal teurer sei als die anderen Jets. Der Flyaway-Preis betrage heute 94 Millionen US-Dollar pro Einheit. «Dieser Preis wird auf 80 Millionen Dollar sinken», stellt der höflich und bestimmt auftretende Lockheed-Martin-Verantwortliche in Aussicht.

Flyaway-Kosten beinhalten die Produktionskosten für das fertige Flugzeug; Unterhalts-, Wartungs-, Ausbildungs- und Ersatzteilkosten sind darin nicht enthalten. Zudem ist auch die Bewaffnung nicht inbegriffen. Beim Systempreis sind demgegenüber diese Kosten dabei, inklusive Bewaffnung. In Schweizer Zeitungen kursierten zuletzt veraltete Angaben über einen Systempreis von 400 Millionen Franken und mehr für den F-35 Joint Strike Fighter, die nicht zutreffen.

Amerikaner entscheiden später

Von Käuferseite her lassen sich gegen aussen Systempreise für einzelne Typen manipulieren, indem im Offertverfahren viel mehr Bewaffnung eingerechnet wird als bei anderen.

North sagte weiter, seiner Firma sei es Ernst, man wolle an einem Wettbewerb in der Schweiz teilnehmen. Entschieden, dies tatsächlich zu tun, sei allerdings noch nichts. Offenbar wollen die Amerikaner zuerst einmal abwarten, ob aus der Schweiz überhaupt eine ernsthafte, erste Anfrage kommt.

Grosse Abhängigkeit

Ob der JSF das geeignete Nachfolgeflugzeug für den F/A-18 ist, darüber scheiden sich in der Schweiz derweil die Geister. Unbestritten ist, dass der JSF das westliche Kampfflugzeug der Zukunft sein wird, für den es auch in 40 Jahren noch Ersatzteile geben wird. Neben politischen Gründen, die USA beim nächsten Jet-Kauf nicht zu berücksichtigen, nachdem diese den Bankenplatz Schweiz zerschlagen haben und Milliarden abkassieren, gibt es auch kritische Überlegungen im engeren, operativen Bereich. Der JSF brächte der Schweiz ein offenbar sehr hohes Mass an technologischer Abhängigkeit, vorab im IT-Sektor, dass ein Festhalten an der bisherigen Form der bewaffneten Neutralität fraglich erscheint.

Ein US-General erklärte kürzlich an einer Tagung in Bern auf eine entsprechende Frage, die JSF-Wartung sei für die Schweiz doch kein Problem, denn diese könne in Turin ja in unmittelbarer Nähe vorgenommen werden. Dort, in Italien, befindet sich das Europazentrum für den Jet. Wartung und Reparaturen am JSF durchführen zu können und zu dürfen, ist für die Schweiz wohl unrealistisch. Selbst Israel, eng verbündet mit den USA, hat trotz Sonderbefugnissen für den Einbau eigener Systeme, keineswegs Einblick in alle «Blackboxes» beim JSF, nachdem die ersten Maschinen ausgeliefert wurden.

Die politische Diskussion verspricht Spannung, doch vorerst gilt es den Bundesratsentscheid in Sachen Beschaffungsrahmen abzuwarten. 

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F-35 A - U.S. Air Force photo by Master Sgt. Donald R. Allen via Wikimedia Commons

 

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