Immer wieder sorgen „Investmentvehikel“ des Typs Hedgefonds für Aufsehen und Erstaunen im Anlagebereich. Da sollen im Langzeitvergleich jährliche Renditen von 15 und mehr Prozent erzielt werden. Was ist da Realität, was Phantasie?

Maximilian Reimann

Hedgefonds-Manager rühmen sich, sie würden an den Finanzmärkten Gewinne erwirtschaften, egal ob die Märkte hinauf- oder hinuntergehen. Da sie zudem mit viel Fremdkapital arbeiten, würden die Gewinne dank Hebeleffekt noch vermehrfacht. Im Einzelfall können solche Anlagestrategien durchaus mal aufgehen, auch in der Schweiz, wo um die 120 Hedgefonds ihren Rechtssitz haben. Ohne FINMA-Lizenz dürfen bei uns aber keine Fonds offiziell zum Handel zugelassen werden. Deshalb operieren die meisten Hedgefonds aus Offshore-Finanzplätzen wie den Bermudas, den Cayman oder Virgin Islands, natürlich mit zusätzlichen Risiken für die Anleger.

Nur jeder zweite wird 2 Jahre alt!

Ruhiger wird es, wenn es um die Verluste geht. Da herrscht dann eher Diskretion, denn wer gibt schon gerne Verluste zu. Kommt es allerdings zu Betrügereien, was im Sektor hoch spekulativer Investments nicht selten ist, dann überschlagen sich die Negativberichte in den Medien. Erinnert sei etwa an den US-Milliardenbetrüger Bernard Madoff. Er wurde 2009 zu 150 Jahren (!) Freiheitsstrafe verurteilt, als sich sein lange hochgepriesenes Fondsimperium als Schneeballsystem erwies, das Tausenden von Anlegern Verluste in Höhe von insgesamt 60 Milliarden Franken eintrug. Schon aus diesen Summen ist ersichtlich, dass da andere Kategorien an Investoren am Werk sind als Kleinanleger. Tatsache ist aber auch in der Schweiz, dass rund die Hälfte aller Hedgefonds ihr 2. Lebensjahr nicht erreicht. Sie machen dicht, weil sie nicht auf die prognostizierten Renditen oder überhaupt nicht aus dem Verluststadium hinauskommen. Da muss man als Anleger schon eher zu den Glückspilzen gehören, wenn man auf Anhieb auf die richtigen Vehikel setzt. Böse Zungen behaupten denn auch, man könnte ebenso gut in die Lotterien oder ins Spielcasino gehen…

Hohe Abgaben und Gebühren

Schon wegen den Mindesteinlagesummen kommen Normalanleger gar nicht in Versuchung, in Hedgefonds zu investieren. Zudem sind die Managementgebühren von 1,5 – 2 % abstossend hoch. Aber nicht genug damit! Werden Gewinne erzielt, kostet das den Anleger eine sog. Performance-Abgabe von 15 – 20 %, während Verluste natürlich voll und ganz auf eigene Rechnung gehen. Weder Dach- und schon gar nicht einfache Hedgefonds eignen sich somit für Normalanleger. Mindestanlagesumme wie Anlagerisiken sind für ihn schlicht zu hoch. Nur wer willens ist, mit einer Anlage auch mal Totalverlust in Kauf zu nehmen, ist „Hedgefonds-tauglich“. An Leser, die in grossem Stil über diese Eigenschaft verfügen, ist mein Geld-Artikel somit nicht gerichtet. Dagegen habe ich gar nichts gegen „Klein-Investments“ in Swisslos und Landeslotterie. Diese enden in der Regel auch im „Totalverlust“, aber dieser kommt immerhin guten Zwecken in Sport und Kultur zugut!

 

29.08.2013 | 2110 Aufrufe

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