In der Ausgabe vom 26. Februar 2012 brachte "Der Sonntag" unter der trächtigen Schlagzeile "Wer im Bundeshaus die Macht hat" eine doppelseitige Story über den Lobbyismus unter der Bundeskuppel. Dabei wird dem Leser suggeriert, die Lobbyisten hätten einen signifikanten Einfluss auf das Abstimmungsverhalten der Parlamentarier. Entsprechend gross sei das Gerangel um die beiden Zutrittskarten, die jedes Parlamentsmitglied frei vergeben kann.

von Nationalrat Maximilian Reimann, Gipf-Oberfrick

Ich kann der verehrten Leserschaft versichern, nicht zuletzt auf Grund meiner langjährigen Erfahrung in den beiden Kammern zu Bern, dass der Einfluss dieser Lobbyisten massiv überschätzt wird. Bei mir selber ist er gleich null. Mein politisches Abstimmungsverhalten ändert sich in keiner Art und Weise, ob nun 189 Lobbyisten im Bundeshaus herumschwirren oder mich auf anderen Wegen zu beeinflussen versuchen.

Dabei sei nicht verschwiegen, dass auch ich regelmässig an lobbyistischen Veranstaltungen zu aktuellen Themen teilnehme. Sie dienen der persönlichen Information und damit der Verbreiterung des Wissenstandes, nicht mehr und nicht weniger.

Die Macht im Bundeshaus liegt bei den Parlamentsmitgliedern und sie ändert je nach Sachgeschäft und parteipolitischem Standpunkt. Mitunter trifft gar ein Ratspräsident den Stichentscheid. Manchmal frage ich mich allen Ernstes, was denn all die vielen Lobbyisten noch bewirken wollen, als uns Parlamentariern in den Vorzimmern und Wandelhallen oft förmlich im Weg stehen. Und sollte noch jemand wissen wollen, wer meine Zutrittskarten erhalten hat: Es ist mein politisch interessierter älterer Bruder sowie mein persönlicher Mitarbeiter.

27.02.2012 | 2139 Aufrufe

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