Der Vorstand des Aargauischen Gewerbeverbands ist vom Entwurf zum Lehrplan 21 enttäuscht. Er vermag das angestrebte Harmonisierungsziel nicht zu erreichen. Wesentliche Punkte fehlen vollständig. Dazu gehören die Koordination der Fremdsprachen sowie der Wahlpflicht- und Wahlfächer. Insbesondere fehlt aber ein eigenständiger Fachbereich „Berufliche Orientierung“. Die Berufswahl muss ab dem sechsten Schuljahr eine zentrale Stellung einnehmen.

mgt.

Grafik: zvg.

Unverständlicherweise wird darauf verzichtet, die vorgegebenen Ziele mit einer Leistungsmessung zu überprüfen. Auch die Stundentafeln in den Kantonen werden nicht harmonisiert. Der AGV-Vorstand kann diesen Lehrplanentwurf nicht unterstützen und erwartet eine grundlegende Überarbeitung.

Fachwissen und Kompetenzen

Im Entwurf zum Lehrplan 21 wird das ursprüngliche Fachwissen mehrfach auf Kompetenzen verlagert. Der AGV-Vorstand erwartet, dass die Schülerinnen und Schüler nach der Volksschule insbesondere in den Kernfächern Lesen, Schreiben und Rechnen sattelfest sind. Die Berufslehren bauen auf diesen Kernfächern auf und können Wissenslücken in diesen Bereichen nicht mehr vollständig schliessen. Selbstverständlich gehören auch Methoden der Arbeitstechnik, der Wissenssuche und –gewichtung sowie Anleitungen zum selbstständigen Arbeiten zum Aufgabenbereich der Volksschule. Diese Kompetenzen müssen aber zwingend auf dem Fachwissen von Lesen, Schreiben und Rechnen aufbauen. Der AGV-Vorstand lehnt die im Entwurf zum Lehrplan 21 vorgesehenen Beeinflussungsversuche der jungen Menschen zum verantwortungsvollen Handeln gegenüber Mitmensch und Umwelt ab. Den Schülerinnen und Schülern sollen Fakten und nicht Haltungen vermittelt werden. Der Unterricht muss wertfrei erteilt werden.

Berufliche Orientierung

Zwingend ist die Einführung der beruflichen Orientierung bei den fächerübergreifenden Themen. Mit der zunehmenden Auflösung der familiären Strukturen und der wachsenden Mobilität sind die Schülerinnen und Schüler ab dem sechsten Schuljahr immer mehr auf eine zuverlässige berufliche Orientierung angewiesen. Die Lehrpersonen müssen dazu aus- und weitergebildet werden. Bei der Stundentafel ist genügend Zeit für Kontakte mit örtlichen Unternehmen, deren Verbänden und der Berufsberatung einzuräumen. Der AGV-Vorstand denkt hier an eigentliche Module, die Orientierungen in der Schule, Elternabende, Berufsberatung sowie Kontakte mit Lehrbetrieben, die bis ganze Schnupperwochen umfassen. Damit sollen Lehrabbrüche wegen falscher Berufswahl vermieden werden.

Fächerangebot

Das vorgesehene Fächerangebot ist immer noch überladen. Angesichts der rasanten Weiterentwicklung des Spezialwissens in allen Bereichen muss sich die Volksschule konsequent auf die Kernkompetenzen beschränken und diese solid und nachhaltig ausbilden. Die praxisbezogenen Fächer, insbesondere der Werkunterricht, dürfen nicht bloss unter dem Stichwort „Gestalten“ marginalisiert werden. Insbesondere darf die handwerkliche Berufsvorbereitung nicht vernachlässigt werden. Das geometrische Verständnis und das technische Zeichnen sind vermehrt zu fördern.

Fehlende Harmonisierung und Leistungsmessung

Der Entwurf zum Lehrplan 21 kapituliert vor den politischen Schwierigkeiten bei der Harmonisierung der Fremdsprachen sowie der Wahlpflicht- und der Wahlfächer. Damit wird den Schülerinnen und Schülern, die mit ihren Eltern in einen andern Kanton wechseln, ein schlechter Dienst erwiesen. Ziele, die nicht gemessen und überprüft werden, sind wertlos. Die Lehrbetriebe messen den Schulnoten eine immer geringere Bedeutung zu und führen eigene Eignungstests durch. Der Entwurf zum Lehrplan 21 fördert diese Entwicklung noch! Es ist deshalb bei dessen Überarbeitung sicherzustellen, dass die Leistungsziele objektiv gemessen werden können, damit die Schulnoten wieder vergleichbar und aussagekräftig werden. Auch gehören die entschuldigten und unentschuldigten Absenzen in die Zeugnisse.

05.10.2013 | 884 Aufrufe

Kommentare

Avatar
Sicherheitscode