Salü zäme! Gestatten Sie, dass ich mich kurz vorstelle? Ich bin derjenige, über den Sie sich in Zukunft einmal pro Monat ärgern werden. Natürlich nur dann, wenn Sie auch weiterhin diese Kolumne lesen und der Redaktor mir nicht den Stecker herauszieht. Ansonsten bin ich Ex-Ausländer und verdiene meine Brötchen als Chemiker.

von Dr. Christoph Balluff, Bettlach

Als kleines, graues Mäuschen führe ich ein nicht weiter erwähnenswertes Durchschnittsleben, mit nur einer Ausnahme: Ich gehöre zur aussterbenden Spezies der begeisterten Schweiz-Fans. Unsere linken Freunde würden mich wohl als Politik-Hooligan bezeichnen. Aber seien Sie unbesorgt. Bei Fussball-Hooligans müssten Sie vielleicht nach einer Diskussion mit abgebrochenen Fahnenstangen oder fliegenden Bierflaschen die eine oder andere Platzwunde flicken lassen. Dagegen ist meine Argumentationshilfe viel weniger schlagkräftig: eine harmlose, alte IBM-Tastatur aus den 80er Jahren. Das Lesen meiner Ergüsse ist deshalb so risikofrei wie das Schlucken homöopathischer Zuckerchügeli.

Also, fangen wir mit einer einfachen Feststellung an: Mit mehr als 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit sind Sie ein Ausländerhasser und Fremdenfeind. Sagen jedenfalls gewisse Linke. Warum? Mehr als 50 % der Stimmbürger haben der Ausschaffungsinitiative und der Minarettinitiative zugestimmt, was bekanntlich das Vorliegen dieser charakterlichen Missbildung beweisen soll.

Was macht man üblicherweise mit verhassten Feinden? Erschiessen, erschlagen, verbrennen? Oder wollten Sie mich lieber mit der Kettensäge zerschnitzeln, als ich noch Ausländer war? Was, Sie wollten mich gar nicht umbringen? Komisch. Und noch komischer ist, dass mich bisher kein einziger Schweizer so gehasst hat, dass er mich auch nur mal ordentlich zusammengetreten hätte. Unglaublich, aber wahr: Bisher, d.h. seit dem wunderbaren 4. Februar 1990, dem Tag meines Grenzübertritts, hat mir kein einziger Schweizer jemals auch nur diskret zu verstehen gegeben, ich sei ihm unsympathisch wegen meiner Nationalität. Fremdenfreundlicher geht's gar nicht mehr! Wer die berechtigte Ablehnung krimineller Ausländer oder intoleranter Religionen als Ausländerhass oder Fremdenfeindlichkeit bezeichnet, der lügt oder spinnt.

Übrigens, würden Sie um den Sandkasten Ihrer Kinder einen Zaun montieren, wenn die Nachbarskatzen ihn dauernd als Klo benutzten? Ja? Pfui, dann sind Sie ein Katzenhasser und Tierfeind, jedenfalls nach der hirnrissigen, linken Definition von Hass und Feindschaft. Also, deutsch (!) und deutlich für alle PISA-Problemfälle, die unfähig sind, den Unterschied zwischen Hass und Ablehnung zu erkennen: Wenn jemand etwas Unangenehmes oder Gefährliches von seinem Land fernhalten will, dann hat das nullkommagarnichts mit Hass oder Feindschaft zu tun, sondern mit Verantwortung und Fürsorge für dieses Land.

Liebe Original-Schweizer! Glaubt bitte keine Hetze und Lügen, lasst euch kein schlechtes Gewissen einreden. Ihr seid keine Fremdenfeinde und Ausländerhasser.

Ceterum censeo: Die Schweiz ist das beste Land der Welt.

16.04.2012 | 4372 Aufrufe

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