Elektro-Autos sind alles andere als sauber. Bei der Herstellung und Entsorgung von E-Fahrzeugen ist die Umweltbelastung wesentlich grösser, als bei herkömmlichen Fahrzeugen. Nur im Betrieb stossen sie kein CO2 aus. Aber sonst? Die Befürworter der permanenten Förderung von E-Mobilität könnten genau das Gegenteil von dem erreichen, was sie eigentlich wollen. Nämlich noch mehr Verkehr und noch mehr Umweltbelastung. Der Staat wäre gut beraten, die E-Mobilität nicht zu fördern, sondern sie dem Markt zu überlassen. 

Ein Kommentar von Roman Jäggi

Bislang hielt sich in der Öffentlichkeit hartnäckig das Gerücht, E-Autos seien umweltfreundlich. Nach der jahrelangen einseitigen medialen Berieselung setzt nun bei den Autofahrerinnen und Autofahrern plötzlich ein Umdenken ein. Wer sagt, er fahre ein Elektroauto und tue etwas für die Umwelt, sagt nicht die Wahrheit. Der grosse Denkfehler ist folgender:

Zwei von drei Lebenszyklen ausgeblendet

Wer von einem "sauberen E-Auto" spricht, denkt nur an die Betriebsphase. Also den Zyklus, in welchem ein Auto in Betrieb ist. Hier stösst ein Elektromobil, im Gegensatz zum Benziner und Dieselmotor, logischerweise keine Abgase aus. Wenn das E-Mobil in dieser Phase nicht gerade mit Strom aus Kohle- oder Gaskraftwerken geladen wird, ist es tatsächlich positiv für die Umwelt. Wenn doch nur die anderen beiden Phasen nicht wären, nämlich die Produktion und Entsorgung

Hier sieht es bei E-Autos düster aus. Je grösser und komfortabler ein E-Fahrzeug ist, desto schlimmer die Umweltbelastung bei dessen Herstellung. Für die Herstellung des amerikanischen Luxusboliden Tesla S werden bei der Herstellung beispielsweise mindestens gleich viele belastende Stoffe wie Aluminium, Karbon, Kunststoff, Kunstleder, Dämm-Material, Leim und Lacke verwendet, wie bei der Herstellung eines Mercedes S-Klasse. Hinzu kommt dann einfach noch eine gewaltige Batterie, deren Herstellung und Entsorgung, je nach Studie, dem CO2-Ausstoss von zwischen 40'000 bis 140'000 gefahrenen Kilometern eines Benzinmotors entsprechen. Je kleiner das Elektroauto und je spartanischer es ausgerüstet ist, desto besser ist der Fussabdruck, den es bei seiner Produktion hinterlässt. 

Hinzu kommt das Problem der Entsorgung der Batterien. Diese ist im Moment noch sehr aufwändig, kostenintensiv und umweltbelastend. Diese dritte Phase des Lebenszyklus eines Autos wird von den Förderern der E-Mobilität komplett verschwiegen. Wer E-Autos fördert, fördert einen wachsenden Berg an giftigen Batterie-Zeitbomben.

Gute Nacht, Umwelt

Bei uns im reichen Europa kann man schon argumentieren, dass die Forschung bei der Akku-Technik und auch bei der Entsorgung, auf Hochtouren laufe. Doch wie sieht es in den ärmeren Regionen der Erde aus, wo oftmals tausende Autowracks in "wilden" Deponien, teilweise sogar an Meer- oder Seeufern, entsorgt und bei Wind und Wetter dem friedlichen Verrosten überlassen werden? Wenn das mit E-Autos gemacht wird, inklusive der Batterie, dann gute Nacht, Umwelt. 

Werden E-Autos häufiger gewechselt?

Hinzu kommt die ungenügende Lebensdauer der Batterien von E-Autos. Diese leiden unter häufigen Ladevorgängen und werden im Verlauf der Zeit schwächer. Damit sinkt die Reichweite von E-Autos im Verlauf der Jahre. Nach 6-8 Jahren müssen Batterien von E-Autos ersetzt werden. Jetzt kommt die Gretchenfrage: Was machen die E-Fahrzeug-Kunden in der reichen Schweiz jetzt? Batterie wechseln (verbunden mit hohen Kosten) oder sogar das ganze Auto auswechseln? Wenn sie das Auto wechseln, tun sie der Umwelt noch einmal keinen Gefallen. Denn das würde bedeuten, dass die Lebensdauer der E-Autos kürzer ist als jene von Benzinern oder solchen mit Dieselmotoren. Fahrzeugwechsel in kürzeren Intervallen bedeuten "Wegwerfgesellschaft" und damit noch mehr Umweltbelastung. 

Staatliche Förderung ist politischer Mega-Irrtum

Die E-Mobilität wird kommen, weil die Autohersteller, insbesondere von der EU, politisch zu Milliardeninvestitionen in die entsprechende Forschung und Entwicklung gezwungen wurden. Irgendwann muss das investierte Geld zurück fliessen. Aber die Schweiz sollte E-Autos nicht extra fördern oder gar bevorzugen. Kaufprämien, Steuerrabatte, staatlich finanzierte Ladestationen, günstigere Versicherungsprämien und ähnliche Instrumente, zeichnen ein verzerrtes Bild und gaukeln den Konsumenten etwas vor, was nicht ist. Auf den weltweiten Umweltschutz haben E-Autos, wenn man ihre Umwelt-Gesamtbilanz richtig rechnet, kaum positive Auswirkungen.

Führt Förderung der E-Mobilität zu Mehrverkehr?

Die Frage ist berechtigt. Bei einer Förderung von E-Fahrzeugen ist mit sogenannten "Reboundeffekten" zu rechnen: In Norwegen beispielsweise hat eine strikte Förderpolitik, die E-Fahrzeuge insbesondere im Stadtverkehr bevorzugt, nicht zur gewünschten Verdrängung der Verbrennungsmotoren geführt, sondern zu einem deutlichen Plus bei der Fahrzeugflotte insgesamt. Dieses Mehr an Fahrzeugen und Verkehr wird als Rebound bezeichnet und lässt daran zweifeln, ob die Förderung von E-Fahrzeugen die effizienteste Methode zur CO2-Reduktion ist. Der Schuss wird also wahrscheinlich nach hinten losgehen. Denn Förderung für E-Autos ist nichts anderes als Werbung für Autoverkehr. Man stellt bereits fest, dass E-Autos auch in der Schweiz bevorzugt als Zweitwagen gekauft werden. 

Alternativen werden vernachlässigt

Klimapolitik mithilfe der Förderung einzelner Technologien, hat schliesslich den grossen Nachteil, dass alternative Technologien vernachlässigt werden. Doch gerade im Verkehrssektor gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten und Konzepten, die eine Reduktion des CO2-Ausstosses versprechen (z.B. Wasserstoff, synthetisches Gas, Optimierung des Benzinmotors usw.). Mit der alleinigen Förderung der E-Mobilität droht die Gefahr, einseitig auf die falsche Karte zu setzen. Es droht die Gefahr, dass einmal geschaffene Förderinstrumente, wegen damit verbundener politischer Kosten, nicht mehr reformiert oder abgeschafft werden – selbst wenn sich dereinst andere Lösungen ökonomisch oder ökologisch als sinnvoller herausstellen.

Woher kommt der Strom?

Zudem ist unklar, wie die Energieziele des Bundes erreicht werden sollen, wenn dereinst immer mehr Schweizerinnen und Schweizer mit ihren E-Autos den Ladestationen nachrennen. Sollte diese Situation dazu führen, dass in der Schweiz auch nur ein einziges Gaskombikraftwerk in Betrieb genommen - oder zusätzlicher Strom vom Ausland importiert - werden müsste, fällt die CO2-Bilanz in sich zusammen wie ein Kartenhaus. 

Treibstoffpreis-Erhöhung ohne Wirkung

Wer denkt, mittels einer CO2-Abgabe (Einführung ist im Gespräch) oder Erhöhung anderer Abgaben auf Treibstoffen, liessen sich die Schweizer Autofahrerinnen und Autofahrer in grossen Mengen zum Umsteigen auf E-Autos zwingen, dürfte sich täuschen. Steigt der Benzin- und Dieselpreis in der Schweiz nämlich nur um weitere 10 Rappen pro Liter, tankt man im grenznahen Ausland günstiger. Dann schafft die Politik, ohne es zu wollen, einen Grund mehr für Einkaufstourismus. Nämlich auch gleich den Tank im Ausland zu füllen. Damit entginge dem Schweizer Fiskus die vorgesehende CO2-Abgabe und die Mineralölsteuer vollständig. Dieses Szenario wird in der politischen Diskussion als unwahrscheinlich bezeichnet. Aber welche wirtschaftliche Bedeutung und Dynamik der Gang über die Grenzen in nur wenigen Jahren entfalten kann, zeigt sich beim Einkaufstourismus eindrücklich. Warum soll es beim Treibstoff anders sein?

Kundenbedürfnisse nicht E-Mobil-kompatibel

Die Fahrzeugflotte in der Schweiz ist in den letzten Jahren immer stärker geworden. SUV und Allradfahrzeuge auf der einen Seite und grosse Familien-Vans auf der anderen Seite zeigen, wo die Bedürfnisse der Schweizer Autofahrer sind. Entweder brauchen die Schweizer Platz im Auto, oder einen Vierradantrieb. Diese Kundenbedürfnisse mit der Elektromobilität unter einen Hut zu bringen, dürfte schwierig werden. 

Elektromobilität dem Markt überlassen

Elektroautos sind nicht schlecht. Aber sie sind alles andere als umweltfreundlich. Deshalb ist auf staatliche Förderung irgendwelcher Antriebsformen zu verzichten. Der Markt soll entscheiden, was sich letztlich durchsetzt. 

 

Symbolbild von Kurt F. Domnik / pixelio.de

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