Die erste Ausstellung des Kleinsten Kunstraums Olten in diesem Jahr kann man seit Mitte Mai an der Martin-Disteli-Unterführung am Hauptbahnhof Olten besuchen. Silia Aletti, die erste der drei ausstellenden Künstler*innen, sitzt im Schaufenster, schreibt Geschichten und klebt diese an die Glasscheibe der Vitrine, so, dass man sie von aussen lesen kann.

Gian Mante, KKO

Silia Aletti studiert seit einigen Monaten und arbeitet, wie viele andere auch, im Homeoffice. Mit ihrem Kunstwerk möchte sie mehr den Prozess und die Entstehung ihrer Arbeit präsentieren als das Endprodukt selbst. Somit funktioniert die Arbeit als die Ausstellung selbst.

Während Silia im Schaufenster sitzt, findet sie den Austausch zwischen ihr und den Betrachter*innen sehr interessant, «das Wechselspiel zwischen sehen und gesehen werden» findet sie faszinierend. So verbindet sich die Umgebung auch direkt mit ihrem Kunstwerk, das Gesehene und Gehörte lässt sie in ihre Texte einfliessen. Was vielen nicht klar zu sein scheint, sagt Silia, ist, dass sie viele der Menschen hört, welche beim Kunstwerk kurz anhalten und gespannt beobachten. Gestaltet werden ihre Texte so, dass das Gesamtwerk stetig verändert wird. So stellt sie sicher, dass auch Leute die regelmässig vorbeikommen immer etwas Neues zu entdecken haben.

Wenn man immer wieder beim Vorbeigehen einen Blick in die Vitrine wirft, so sieht man im Verlauf der Zeit immer weniger von Silia, denn je mehr sie schreibt und auf die Glasscheibe klebt, desto mehr wird die Künstlerin von einer regelrechten Textwand zugedeckt. Wie sich das Konzept entwickelt und das Endprodukt wirken wird, kann sie uns allerdings noch nicht sagen, denn Silia stellt den Arbeitsprozess dar und wohin sie geführt wird, ist noch nicht klar. Ihre Ausstellung dauert noch bis am 28.06.2020.

Nur wenige Tag später, am 02.07.2020 beginnt auch schon die Ausstellung des zweiten Künstlers, Julian Stettler. Der 21-jährige studiert Camera Arts an der Hochschule Luzern und arbeitet seit letztem September als Regionaljournalist beim Stadtanzeiger Olten. Schon als Junge hat ihn die Kamera fasziniert, lange war es nicht viel mehr als ein Herumspielen, aber mit dem Älterwerden wurde ihm auch die Wirkung des Visuellen mehr und mehr bewusst. «Wir Menschen nehmen unsere Umwelt stark visuell wahr und deshalb kann mit Bildern auf einer unglaublich tiefen Ebene kommuniziert werden» sagt der Fotograf.

Ganz im allgemeinen interessiert er sich sehr für das Bewusstsein, es ist das grosse Mysterium des Lebens, das rational Unerklärbare. Die Frage ob es eine Objektivität gibt, ob wir in einer Welt voller subjektiven Wahrnehmungen leben, oder wo sich diese beiden überschneiden könnten, fasziniert ihn auch unglaublich. Ebenfalls beschäftigt er sich immer und überall mit dem «Warum?» Bei Neuem möchte er nicht nur wissen «was» etwas ist, sondern auch «weshalb» etwas ist. Welche Abläufe, Prozesse und Geschehnisse führen dazu, warum sieht die Welt so aus, wie sie aussieht?

In der Fotografie sind seine Hauptbereiche die Landschafts- und die Streetfotografie. Er ist auf der Suche nach dem Authentischen. «Auch die Interaktion zwischen Betrachter und Bild finde ich sehr spannend, denn dort spielt sich alles ab; ohne den Betrachter ist ein Bild nichts.» Licht und Komposition spielen in seinen fotografischen Experimenten auch eine grosse Rolle, es werden Welten erschaffen die teils mehr, teils weniger abstrakt sind. Bei seiner Ausstellung im Kleinsten Kunstraum Olten soll der Betrachter ein wenig von alledem erfahren, denn Julian stellt nicht ein einzelnes Kunstwerk aus sondern möchte eher zeigen, was er in der Vergangenheit gemacht hat, woran er im Moment arbeitet und worauf er sich in der Fotografie fokussiert.

Seine Bilder sind bis am 09.08.2020 aufgehängt, bevor die dritte und letzte Ausstellung beginnt.

 

Foto zVg. 

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