Mit der Coronakrise erleben wir zurzeit ein Jahrhundertereignis. Einführung von Notrecht, Stillstand des öffentlichen Lebens, massive Einschränkungen in der Arbeitswelt und bei den persönlichen Freiheiten, sowie Grenzschliessungen für Personen waren und sind die Folgen davon. Ob alle Massnahmen richtig und auch nötig waren, möchte ich hier in diesem Artikel noch nicht behandeln, aber zu einigen Punkten hatte und habe ich eine differenzierte und kritische Haltung.

Kolumne von Nationalrat Walter Wobmann, Gretzenbach

Die Krise mit dem entsprechenden Notrecht zeigt uns eines ganz deutlich auf, nämlich die zentrale Bedeutung der regionalen Versorgung. Eine funktionierende Infrastruktur - auch in den Dörfern - ist von grosser Wichtigkeit. Der Dorfladen wird plötzlich vermehrt benutzt und auch geschätzt, denn die Leute sollten ja laut Aufforderung des Bundesrates auf die Benützung des öffentlichen Verkehrs verzichten und möglichst wenig ausser Hause sein. Also: Schluss mit dem Einkauf in den Grosszentren oder sogar im Ausland! Gerade hier in meiner Heimatregion, dem Niederamt, ist es eine Freude zu sehen, dass es noch einige hervorragende und bestens funktionierende Geschäfte verschiedenster Art gibt.

Das Gleiche gilt auch bei der Gesundheitsversorgung. Das Niederamt darf sich glücklich schätzen, innerhalb weniger Kilometer zwei qualitativ hochstehende Gesundheitszentren in Olten und Aarau zu haben. Dazwischen braucht es in den Dörfern jedoch nach wie vor auch entsprechende Hausärzte. Regionale Strukturen haben erwiesenermassen einen entscheidenden Vorteil gegenüber zentralistischen und der übertriebenen Globalisierung. Die Globalisierung der letzten Jahre war und ist bestimmt gut für unsere Exportwirtschaft, zeigt aber massive Schwächen in Krisenzeiten bei der Versorgung unseres Landes sehr schmerzhaft auf. Denn in solchen Zeiten schaut verständlicherweise jedes Land zuerst für sich. Und dann fehlt plötzlich Material im Gesundheitsbereich, wie zum Beispiel die Schutzmasken und Vieles mehr.

Die Erlebnisse und Erfahrungen der jetzigen Krise bestätigen meine Grundhaltung, welche ich schon immer hatte, sehr deutlich. Die Schweiz braucht eine möglichst hohe Selbstversorgung, und zwar in allen Bereichen. Bei den Nahrungsmitteln liegt der Selbstversorgungsgrad heute bei ca. 55 Prozent, also fast die Hälfte muss importiert werden. Bei einer Grenzschliessung, welche auch den Güterverkehr betreffen würde, würden so Lebensmittel für fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung fehlen. Ich muss immer wieder erfahren, dass dies den meisten Leuten heute leider nicht mehr bewusst ist. Wir brauchen darum dringendst eine Landwirtschaft mit hoher Produktivität. Das Gleiche gilt auch für die Stromversorgung, denn mit der geplanten Abschaltung der Kernkraftwerke wird rund ein Drittel der jetzigen Stromproduktion fehlen. Ein Ersatz ist heute keineswegs gesichert.

Ich bin überzeugt, viele Leute haben gerade jetzt in der gegenwärtigen Krise die regionalen Versorgungsmöglichkeiten wieder kennen und schätzen gelernt. Ich hoffe sehr, dass sie auch in Zukunft für ihre Einkäufe das einheimische Gewerbe und die Restaurants in der Region berücksichtigen werden.

 

Archivbild von Nationalrat Walter Wobmann

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