Die Migros-Gruppe verzeichnete im Geschäftsjahr 2017 mit 28.1 Mrd. Franken ein mageres Umsatzplus von 1.2%. Dennoch steht das Ergebnis unter Druck. Der Gewinn reduzierte sich 2017 um weitere 24.2% auf 503 Mio. Franken. Vor drei Jahren machte die Migros noch 826 Mio. Franken Gewinn. Wenn in einem Grossunternehmen der Gewinn über Jahre wegbricht, ist Feuer im Dach. 

Migros-Gruppe / ots. / red.

In den letzten zehn Jahren ist die Schweizer Bevölkerung um gegen 1 Million Menschen gewachsen. Menschen, die täglich Nahrungsmittel konsumieren, Kleider, Möbel, Elektronik und Benzin kaufen sowie Reisen buchen. Eigentlich sollten Umsatz und Gewinn der Migros angesichts dieser massiv wachsenden potenziellen Kundschaft durch die Decke schiessen. Das Gegenteil ist der Fall. Der Umsatz dümpelt dahin und der Gewinn bricht ein. 

Migros macht keine Werbung bei der Internet-Zeitung soaktuell.ch, weshalb wir im Gegensatz zum anderen Medien über Migros unabhängig und kritisch Klartext schreiben können. 

Selber Schuld an teuren Preisen

Unter dem Einkaufstourismus und dem Internet-Shopping bei Amazon, Alibaba oder Zalando & Co. leiden alle Anbieter in der Schweiz, vor allem jene, die zu teuer sind. Auch die Migros. Zugegeben: Die Online-Shops von Migros, wie etwa "Le Shop", sind nicht der Hammer. Aber das ist nicht alles. Migros unterschätzt die neue Konkurrenz im eigenen Land bis heute. Lidl, Aldi, Obi, Bauhaus und Hornbach, machen einen guten Job. Das bekommt Migros jedes Jahr mehr zu spüren. Denn die ehemaligen Migros-Kunden sind empfänglicher, etwa für Lidl und Aldi, als etwa Kunden von Coop oder Manor. Migros-Kunden wechselten und wechseln zu zehntausenden zu Lidl und Aldi. Denn sie wollen gute Produkte zum dauerhaft günstigsten Preis. Gleiches gilt beispielsweise auch für Migros Do-it und Garten. Das online bestellbare Sortiment ist hier unzulänglich. Versuchen Sie mal einen Sack Beton oder Zement online zu bestellen und für die Abholung bereitzustellen. Unmöglich. Obi, Hornbach und Bauhaus laufen Migros hier seit Jahren den Rang ab. 

Hier ein aktuelles und willkürlich ausgesuchtes Beispiel:

Im Frühling kaufen viele Hobbygärtner Rindenmulch, um frisch bepflanzte Bereiche abzudecken. Die Konsumentinnen und Konsumenten sind nicht mehr die dummen Herdentiere, die blind dorthin strömen, wo sie Rindenmulch jedes Jahr gekauft haben. Sie vergleichen vielmehr die Angebote im Internet. Folgendes wollten wir bei Migros Do-it und bei Hornbach bestellen:

15 Stk. 60 Liter-Säcke Rindenmulch, geliefert an eine Adresse im Mittelland

Preis bei Migros: (s. Grafik 1)
CHF 58.50 plus CHF 98.00 für die Lieferung = CHF 156.50 (dafür gibts 58,5 Cumulus-Punkte geschenkt)
(lieferbar in 16 Tagen)

Preis bei Hornbach: (s. Grafik 2)
CHF 51.00, inkl. Lieferung
(lieferbar innert 3-4 Arbeitstagen)

(Grafik 1 Migros)

 

(Grafik 2 Hornbach)

Das ist die knallharte Realität. Wenn der neue Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen angesichts der schlechten Jahresergebnisse eine Preisoffensive verspricht, um verärgerte, enttäuscht oder schlicht übers Ohr gehauene Kunden wieder zurück zu gewinnen, hat er viel zu tun, wie obiges Beispiel zeigt.

Wer es satt hat, immer zuerst die neueste Ausgabe der Migros-Zeitung zu lesen, um zu wissen, welche Aktionen gerade laufen, geht lieber gleich zu Lidl, Aldi, Obi, Bauhaus oder Hornbach. Denn sie sind in den meisten Fällen günstiger - und zwar dauerhaft. 

Apropos Migros-Zeitung: Das redaktionelle Konzept mit politisch relevanten und einseitigen Beiträgen mag einen Teil der Kundinnen und Kunden zu interessieren, der andere Teil aber wird dadurch bloss verärgert. Lidl beispielsweise verzichtet ganz gezielt auf politische Äusserungen und Stellungsbezüge in den Werbepublikationen. 

Das Jahresergebnis im Überblick

An der Bilanz-Medienkonferenz gab Jörg Zulauf, Leiter des Departements Finanzen, Einblick in die Geschäftszahlen. Die Migros-Gruppe steigerte ihren Umsatz 2017 um 333 Mio. auf 28.1 Mrd. Franken (+1.2%). Trotz des Rekordumsatzes spiegelt das Gesamtergebnis mit einem Rückgang von 24.2% den gestiegenen Marktdruck wider, es resultierte ein Gruppengewinn von 503 Mio. Franken. Entsprechend richtet die Migros ihr Unternehmensportfolio auf die veränderten Marktbedingungen aus. Mit 17.9 Mrd. Franken konnte die Migros-Gruppe ihre Eigenkapitalbasis um 458 Mio. Franken stärken. Dieses gesunde Fundament bildet die Grundlage, um weiter in den Markt, in neue Konzepte und Geschäfte sowie über das weltweit einzigartige Kulturprozent in das Gemeinwohl zu investieren. 2017 investierte das Migros-Kulturprozent 122 Mio. Franken in Kultur, Gesellschaft, Bildung, Freizeit und Wirtschaft.

2017 tätigte die Migros rund 1.5 Mrd. Franken an Investitionen, dies insbesondere in zusätzliche grosszügige und moderne Ladenflächen sowie ins Online-Geschäft. Rund 1.95 Mrd. Franken Umsatz (+5.1%) erzielte die Gruppe im E-Commerce. Diese Marktführerschaft will die Migros behaupten und ausbauen. «Wir setzen allerdings nicht nur verstärkt auf Online-Dienstleistungen, sondern bleiben gleichzeitig stationär und mit persönlichem Service für unsere Kunden präsent», betonte Fabrice Zumbrunnen. Dadurch will die Migros weiter Kunden gewinnen (Marktanteil Detailumsatz 2017 gemäss BAK: 21.8%).

Aktiv und agil bei veränderten Marktbedingungen

«Für die Kunden und das Gemeinwohl engagieren sich unsere 105'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter täglich mit grossem Einsatz», sagte Fabrice Zumbrunnen. Trotz des schwierigen Marktumfelds mit anhaltendem Einkaufstourismus und sich ändernden Konsumgewohnheiten nimmt die Migros als grösste private Arbeitgeberin in der Schweiz ihre soziale Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitenden wahr. Man dürfe sich keine Illusionen machen über bevorstehende Veränderungen, sagte Fabrice Zumbrunnen. «Es dürften angestammte Arbeitsfelder verloren gehen, während neue Stellen beispielsweise im E-Commerce entstehen.» Die Migros geht diese Herausforderungen aktiv und mit dem gebotenen Verantwortungsbewusstsein an.

Engagement für Nachhaltigkeit und Gesundheit

Auf Produktseite will die Migros ihren Wachstumskurs bei den stetig beliebter werdenden regionalen und nachhaltig produzierten Artikeln fortsetzen. Mit insgesamt 4.0 Mrd. Franken steigerte sich der Umsatz von Produkten mit Nachhaltigkeits- und Regionallabeln um 3.3%. «Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung gehören zur DNA der Migros, dies ist mir ein zentrales Anliegen», sagte Fabrice Zumbrunnen. Dazu gehöre das verstärkte Engagement der Migros in der Gesundheitsförderung. Gerade das Wachstum des medizinischen Angebots von Medbase und der Fitnessangebote zeigten beispielhaft, dass bei den Kunden eine grosse Nachfrage nach preiswerten Dienstleistungen und Produkten im Gesundheitsbereich bestehe.

Fazit:

Die Migros-Gruppe ist schlicht zu gross, zu diversifiziert und zu fett geworden. Tausende teure Marketingleute, Qualitätsmanager, Prozessverantwortliche, Juristen und Human Ressource'ler treiben die Kosten in die Höhe. Und es werden immer mehr davon. Zudem setzt Migros bei der Werbung immer noch auf ganz- oder doppelseitige Inserate in Tageszeitungen. Das verschlingt Millionen Franken jährlich, mästet ausgesuchte Verleger aber bringt mangels Leserinnen und Leser immer weniger Wirkung.

Die Kosten laufen davon. Deshalb macht die Migros bei mehr Umsatz immer weniger Gewinn. Das Jahresergebnis 2017 ist nicht gut. Es braucht einen Schnitt und einen Kurswechsel. Wenn die Migros ihre Preise nicht rasch und dauerhaft mindestens auf das Niveau von Aldi und Lidl anpasst und sich nicht bald von der altmodischen Zeitungswerbung trennt, wird die Gewinnerosion totsicher weitergehen. Liest man die beschönigende Stellungnahme zum Migros-Jahresabschluss 2017, darf davon ausgegangen werden, dass die Migros genau diese Massnahmen nicht umsetzen wird. 

Anstatt tiefe Produktepreise zu bekommen, werden wir auch 2018 Cumulus-Punkte sammeln und die Migros-Zeitung nach Aktionen durchstöbern müssen, uns über fragwürdige, einseitige politischen Stellungsbezügen der Migros aufregen und das tägliche, ganzseitige Farbinserat in der Tageszeitung ungesehen in die Papiersammlung werfen. Wetten? Wohin Umsatz und Gewinn Migros dann steuern, ist klar. 

Detaillierte Informationen können im Online-Geschäftsbericht 2017 nachgelesen werden. https://report.migros.ch

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