Eine Nichtwahl des Tessiners wäre ein schwerer Affront für den italienischsprachigen Landesteil gewesen. Das sahen gestern nicht alle so im Bundesparlament.

von Dominik Feusi, Basler Zeitung

31 Jahre nach Flavio Cotti (CVP) wurde gestern in Bern wieder ein Bundesrat aus dem Tessin vereidigt. Ignazio Cassis (FDP) folgt auf den glücklosen Didier Burkhalter. Die Wahl ist gut für den Zusammenhalt der Schweiz. Eine Nichtwahl des Tessiners wäre ein schwerer Affront für den italienischsprachigen Landesteil gewesen.

Das sahen gestern nicht alle so im Bundesparlament. Ignazio Cassis hatte vor der Wahl nur die offizielle Unterstützung von FDP und SVP. Die anderen Parteien liebäugelten mit anderen Kandidaten. Im Südkanton dürfte man sehr genau beobachtet haben, wer sich für den Zusammenhalt der Schweiz einsetzte und wer nicht.

Die SP arbeitete – entgegen ihrem Bekenntnis zur angemessenen Frauenvertretung im Bundesrat – für den EU-Turbo und linksfreisinnigen Pierre Maudet. Er hätte besser als Cassis dafür gesorgt, dass der Bundesrat auf dem Mitte-Links-Kurs bleibt, den dieser 2007 eingeschlagen hat, und dass der Wahlsieg von FDP und SVP von 2015 am Bundesrat spurlos vorübergegangen wäre.

Den Grünen war die Frauenfrage wichtiger als die tatsächliche Kompetenz von Kandidatin Isabelle Moret. Die CVP war tief gespalten. Ihr linker Flügel mochte Cassis nicht wählen, einfach weil er die Unterstützung der SVP hatte.

Die Romandie forderte ultimativ weiterhin einen dritten Sitz, der ihr weder rechnerisch noch staatspolitisch zusteht. Auch das hat man im Tessin sehr genau mitbekommen.

Doch Cassis’ Gegnern fehlte das schlagende Rezept gegen den Tessiner Freisinnigen. So obsiegte am Ende die Staatsraison. Dieses Land hat ein Kollektiv aus sieben Bundesräten als Staatsspitze, damit ihre Vielfalt darin vertreten wird. Cassis wird genau das tun. Bei den nächsten Bundesratswahlen geht es um die Vertretung der Ostschweiz sowie der Inner- und der Nordwestschweiz. 

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Symbolbild von Katharina Wieland Mueller / pixelio.de

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