88 Prozent der Schweizer Bevölkerung bereitet die Corona-Krise Sorgen. Das spiegelt sich auch in den persönlichen finanziellen Erwartungen wider: Knapp 30 Prozent  gehen davon aus, dass ihre finanzielle Situation im April schlechter sein wird als im März. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von comparis.ch. «Der Corona-Effekt verändert das Ausgabeverhalten: Es wird mehr gespart, und lang gehegte Wünsche werden öfter aufgeschoben», sagt Comparis-Consumer-Finance-Experte Michael Kuhn.

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Die Pandemie breitet sich auch auf die persönlichen Finanzen aus. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Online-Vergleichsdienstes comparis.ch. 28 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer rechnen damit, dass ihre finanzielle Situation im April «eher schlechter» oder «viel schlechter als im März» sein wird. Bei der Umfrage im Dezember 2019 rechneten nur 13 Prozent der Befragten mit einer Verschlechterung ihrer Finanzlage – das waren im Vierjahresvergleich so wenige wie noch nie.

Besonders Ein-Personen-Haushalte (33,2 Prozent) und solche mit einem Brutto-Einkommen bis 4'000 Franken (42,3 Prozent) blicken pessimistisch auf die nächsten Wochen. Weniger pessimistisch sind Haushalte mit einem Einkommen über 8'000 Franken: Nur jeder fünfte (20,1 Prozent) erwartet eine Verschlechterung seiner finanziellen Situation.

Allen Negativ-Szenarien zum Trotz gibt es auch Optimisten: 13 Prozent aller Umfrageteilnehmenden gehen von einer finanziellen Verbesserung im April aus. Im Dezember 2019 waren jedoch noch 33 Prozent für 2020 zuversichtlich, was im Vierjahresvergleich den höchsten Wert darstellte. Der Anteil der Personen, die bezüglich ihrer finanziellen Situation im April keine Veränderung zum März erwarten, beträgt 59 Prozent.

Kurzarbeit, Umsatzeinbrüche und Jobverlust

34,2 Prozent der Pessimisten begründen die erwartete Verschlechterung unter anderem damit, dass sie oder der Partner / die Partnerin Kurzarbeit leisten müssen. 13,7 Prozent geben an, dass sie als Selbstständigerwerbende einen Umsatzeinbruch erwarten. Den eigenen oder den Jobverlust ihres Partners nennen 12,9 Prozent als einen Grund für die negative Erwartungshaltung. 12 Prozent geben den erwarteten Wertverlust der eigenen Kapitalanlagen an.

«Der Lockdown und die damit verbundenen Umsatzeinbussen ergeben zusammen mit der unsicheren Börsensituation ein gefährliches Gemisch, das die finanzielle Zukunftseinschätzung vieler Menschen negativ beeinflusst», beobachtet Michael Kuhn, Consumer-Finance-Experte bei Comparis. 

Vor allem die Jungen konsumieren wegen der Corona-Krise weniger 

Entsprechend gaben 88 Prozent der befragten Personen an, dass die anhaltende Corona-Krise ihnen Sorgen bereitet. Nur 10,5 Prozent machen sich diese nicht.

Die Unsicherhheit zeigt sich im veränderten Verhalten von Herrn und Frau Schweizer: 45,2 Prozent wollen mehr sparen und weniger konsumieren. Fast gleich viele – nämlich 42,2 Prozent – wollen auf grössere Anschaffungen verzichten wie zum Beispiel Möbel- und Autokauf. 5,7 Prozent wollen weniger in Fonds und Aktien investieren. Jede 13. Person (7,4 Prozent) dagegen will verstärkt in diese Kapitaleinlagen anlegen. 

Am deutlichsten zeigt sich die Verhaltensänderung bei den 18- bis 35-Jährigen. Hier geben 52,8 Prozent der Befragten an, weniger konsumieren und mehr sparen zu wollen. Bei den 36- bis 55- Jährigen und den ab 56-Jährigen ist dieser Anteil mit 43,3 bzw. 39,4 Prozent deutlich geringer. 

Weniger Spontankäufe, mehr Rabatte

Gespart wird vor allem beim Einkauf: Auf die Frage «Was tun Sie, wenn Sie sparen müssen bzw. wenn Sie zu wenig Geld haben», antworten 72,5 Prozent mit «auf unnötige Ausgaben und Spontankäufe verzichten». Am zweitmeisten (57,2 Prozent) wird «wenn immer möglich Rabatte nutzen» genannt. Auf dem dritten Rang landet «Preise verschiedener Anbieter genau vergleichen und vermehrt das günstigste Angebot nutzen» (45,6 Prozent), danach «beim Discounter einkaufen» (37,2 Prozent). 

Alle Werte lagen im Vergleich zur Umfrage im Dezember 2019 höher, jedoch nicht alle statistisch signifikant. Die grösste Veränderung gab es bei der Jagd nach Rabatten: Waren es vor vier Monaten noch 50,5 Prozent der Befragten, die Vergünstigungen nutzen würden, sind es Ende März dieses Jahres 57,2 Prozent. Die grösste Zunahme gibt es bei den 36- bis 55-Jährigen (61,2 im Vergleich zu 48,7 Prozent) und bei den Männern (53,7 im Vergleich zu 45,3 Prozent).  

Das Gebot der Stunde: Horten, und die eigenen Wünsche nach hinten schieben

Auch in den Antworten auf die Frage «Was tun Sie mit Geld, das Sie zur freien Verfügung haben» spiegelt sich die allgegenwärtige Unsicherheit: 60,5 Prozent wollen die Mittel sparen, und damit mehr als im Dezember 2019 (55,2 Prozent). Sich einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen würden noch 16,1 Prozent und damit weniger als im Dezember mit 20,4 Prozent.

«Je länger die Ausnahmesituation anhält, desto tiefgreifender werden die Verhaltensänderungen», sagt Kuhn. «Derzeit beherrschen die Risiken das Terrain. Und finanzielle Chancen, wie zum Beispiel durch ein massvolles und abgestuftes Investment in den Aktienmarkt, werden noch kaum gesehen.»

Methodik

Die repräsentative Befragung wurde durch das Marktforschungsinstitut innofact im Auftrag von comparis.ch im März 2020 unter 1’033 Personen in allen Regionen der Schweiz durchgeführt. 

 

Grafik zVg. von comapris.ch

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