Die Corona-Krise sorgt für einen massiven Anstieg beim kontaktlosen Bezahlen. Drei von vier Schweizern zahlen mit einer Debit- oder Kreditkarte ohne Eingabe des PIN-Codes. Stark zugelegt hat zudem das bisher harzige Mobile Payment. Jede vierte Schweizerin trägt wegen Corona gar kein Bargeld mehr mit sich herum. Das zeigt eine repräsentative Befragung von comparis.ch. «Mit der Erhöhung der Limite für kontaktloses Bezahlen von 40 auf 80 Franken im April dieses Jahres haben die Schweizer Kartenherausgeber dem kontaktlosen Bezahlen mit Debit- und Kreditkarten einen deutlichen Schub gegeben», sagt Comparis-Experte Michael Kuhn.

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Die Pandemie verändert das Zahlungsverhalten der Schweizerinnen und Schweizer: 75 Prozent der Befragten nutzen kontaktloses Bezahlen - vor einem Jahr waren es knapp 60 Prozent. 68 Prozent begleichen ihre Einkäufe dabei meist mit Kredit- oder Debitkarte. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Onlinevergleichsdienstes comparis.ch.

«Mit der Erhöhung der Limite für kontaktloses Bezahlen von 40 auf 80 Franken im April dieses Jahres haben die Schweizer Kartenherausgeber dem kontaktlosen Bezahlen mit Debit- und Kreditkarten einen deutlichen Schub gegeben», beobachtet Comparis-Consumer-Finance-Experte Michael Kuhn. 

Deutliche Zunahme bei Mobile Payment

Bereits 7 Prozent der Bevölkerung zahlen inzwischen sogar meist mit dem Smartphone über Apple Pay, Samsung Pay und Twint. Im Vorjahr waren es erst 2 Prozent gewesen. Mindestens einmal wöchentlich hatten 27 Prozent der Befragten vor dem Lockdown mit dem Smartphone bezahlt. Seither sind es bereits 32 Prozent.

Bei einem direkten Vergleich zwischen dem Zahlungsverhalten im Frühjahr 2019 und ab dem Lockdown 2020 in der Schweiz zeigt sich ein starker Einbruch bei der Nutzung von Bargeld.  Vor den Corona-Massnahmen wurden Münzen und Frankennoten von 39 Prozent der Befragten täglich gezückt.  Seither hantieren nur noch 25 Prozent täglich mit Bargeld. Mindestens einmal wöchentlich greifen 74 Prozent zum Bargeld (vor Corona 86 Prozent).

Verzichten auf Barzahlungen aus Angst vor Corona-Ansteckung

Tatsächlich war Corona ein wichtiger Treiber für die Bargeldlos-Zahlungen. Auf die Frage, ob sie aus Angst vor einer möglichen Corona-Ansteckungsgefahr auf die Nutzung von Bargeld verzichten, antworten über 42 Prozent mit «trifft eher / voll zu». Knapp 25 Prozent der Befragten vermeiden die Benutzung von Kartenterminals. Jede vierte Person verzichtet aufgrund der Corona-Krise sogar komplett auf Bargeld in der Geldbörse. Und 44 Prozent stimmen der Aussage «Ich trage weniger Bargeld im Portemonnaie als vor der Corona-Krise» eher / voll zu.  

Die Beliebtheit von Bargeld hat in der Folge nach dem jahrelangen Abstieg noch weiter abgenommen: nämlich von 36 Prozent 2019 auf knapp 29 Prozent. Zwei von fünf Schweizerinnen und Schweizern kaufen zudem vermehrt online ein. 

Trotz Bargeldangst Skepsis vor digitalen Zahlungsmitteln

Dennoch sind die Bedenken gegenüber digitalen Zahlungsmitteln nach wie vor gross. So haben zwei von drei Schweizern Sicherheitsbedenken bei Kartenverlust und 55 Prozent vertrauen nicht darauf, dass die Systeme technisch immer einwandfrei funktionieren. 56 Prozent aller Befragten stimmen der Aussage «Ich finde Bargeld einfacher bzw. einfach genug» zu. Jeder sechste Schweizer weiss zudem nicht, wie kontaktloses Bezahlen funktioniert. 

So ist denn auch der Anteil derer, die glauben, langfristig werde das Smartphone die klassischen Debit- und Kreditkarten ablösen, im Vorjahresvergleich unverändert geblieben (44 Prozent ggü. 43 Prozent). 

Schweiz ohne Bargeld? Die Hälfte der Befragten kann sich das vorstellen

Die Skepsis spiegelt sich auch in der Frage «können Sie sich eine Schweiz ohne Bargeld vorstellen?». Eine Mehrheit von 54 Prozent sagt Nein. Sie befürchtet, der Zahlungsverkehr werde zu stark überwacht. Jede zweite Schweizerin lehnt die Abschaffung des Bargelds ab, weil sie keine digitalen Spuren hinterlassen wollen.  

Die Hälfte der Befragten kann sich eine Schweiz ohne Bargeld dagegen vorstellen, vorausgesetzt, die Daten sind sicher. «Die Umfrage-Ergebnisse zeigen, dass von Seiten der Anbieter und der Politik noch Aufklärungsarbeit geleistet werden muss, um die Akzeptanz und damit die Verbreitung von digitalen Zahlungsmitteln zu fördern», sagt Michael Kuhn. Die Corona-Krise wirke für die Branche derzeit wie ein Katalysator und sei eine gute Voraussetzung für weiteres Wachstum. 

Methodik

Die repräsentative Online-Befragung wurde durch das Marktforschungsinstitut innofact im Auftrag von comparis.ch im Juli 2020 unter 1’011 Personen in allen Regionen der Schweiz durchgeführt.

 

Grafik: comparis.ch (zVg.)

 

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