Mit 5:6 lagen die Schweizerinnen vor dem letzten End in diesem WM-Final in Rückstand, doch im Gegensatz zum Play-off-Spiel ging diesmal die Rechnung auf. Skip Mirjam Ott spielte zuletzt zwei Wundersteine zum 7:6-Sieg für die Schweiz – die vier Schweizerinnen fielen sich in die Arme und konnten ihr Glück gar nicht fassen. Mit dabei: Die 34jährige Carmen Küng aus Feldbrunnen.

von Melanie Jäggi

Bild facebook screenprint: Mirjam Ott (links) und Carmen Küng (rechts)

Die Leistung, welche die Schweizerinnen zeigten, war erneut grossartig, sie spielten feinstes Curling auf höchstem Niveau genau so wie die Schwedinnen. Gewann das Tre-Kronor-Team in der Round Robin noch klar und im Play-off-Spiel denkbar knapp, wendeten Janine Greiner, Carmen Küng, Carmen Schäfer und Skip Mirjam Ott im dritten und wichtigsten Spiel das Blatt und gewannen verdientermassen die Goldmedaille.

Ausschlaggebend war die Geschlossenheit im Team, vor allem aber auch die klare Überlegenheit von Mirjam Ott gegenüber der Nummer vier der Schweden, Maria Prytz. Während Ott 90 Prozent spielte, kam Prytz lediglich auf 71 Prozent.

Für den Schweizer Curlingsport ist dieser Goldmedaillengewinn ein grossartiger Erfolg und für das Coaching-Duo Andreas Schwaller (Nationalcoach) und Al Moore (Nationaltrainer) zusammen mit Davos-iFAS-Teamcoach Thomas Lips verdienter Lohn für die in diesem Winter geleistete hervorragende Arbeit.

Mit diesem WM-Titelgewinn steht auch schon praktisch fest, dass das Schweizer Frauenteam für die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi qualifiziert ist, unbesehen des Abschneidens an der WM 2013 in Riga.

Der letzte WM-Titel liegt 29 Jahre zurück. 1983 gewann das Team des CC Bern-Egghölzli in Moose Jaw (Ka) den WM-Titel. Dass Skip Erika Müller, Barbara Meyer, Barbara Meier und Cristina Lestander-Wirz damals noch leichter zu ihrem WM-Gold kamen als dies heute der Fall ist, unterstreicht das Finalresultat von 18:3 über Norwegen – ein Ergebnis, das beim heutigen Niveau an einer WM nicht mehr möglich ist. Ähnlich klar holte Basel-Albeina mit Skip Gaby Casanova,  Betty Bourquin, Linda Thommen und Rosi Manger 1979 mit einem 13:5-Finalsieg über Schweden in Perth (Scho) das erste WM-Gold für die Schweiz.

Carmen Küng
Ihre sportliche Karriere begann sie beim CC Solothurn. 1996 erreichte sie als Vize im Team von Skip Nadja Heuer den vierten Platz bei der Juniorinnen-Weltmeisterschaft in Red Deer in der kanadischen Provinz Alberta. Zwei Jahre später kamen sie an den Europameisterschaften erneut auf den vierten Rang. Ihre erste Medaille holte sie bei der Europameisterschaft 2000 mit dem dritten Platz.

Im folgenden Jahr erreichte sie mit demselben Team erstmals die Curling-Weltmeisterschaft und landete dort bei der Heim-WM mit neun Niederlagen auf dem enttäuschenden letzten Platz. Einer ihrer grössten Erfolge war der Gewinn der Bronzemedaille bei der Curling-Weltmeisterschaft 2008 in Vernon im Team von Skip Mirjam Ott. Ebenfalls 2008 gewann sie die Goldmedaille der Curling-Europameisterschaft 2008. Bei der Curling-Europameisterschaft 2009 in Aberdeen gewann Küng im Team von Mirjam Ott die Silbermedaille. Die Round Robin hatte das Team als Erster abgeschlossen. Das Page-Playoff-Spiel gegen Dänemark konnte man gewinnen, verlor aber das Finale gegen Deutschland mit 5:7.

Bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver stand sie mit ihrer Mannschaft im kleinen Finale und spielte um die Bronzemedaille. Das Spiel um Platz 3 verlor sie gegen das chinesische Team um Skip Wang Bingyu mit 6:12. Bei der Weltmeisterschaft 2012 in Lethbridge gewann sie nun im Finale gegen Schweden die Goldmedaille.

Die Internet-Zeitung soaktuell.ch gratuliert herzlich.

 

27.03.2012 | 4408 Aufrufe

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