Im Zuge der grossen Finanzkrisen und Börsencrashs der letzten 20 Jahre lösten sich riesige Anlagevermögen faktisch in Luft auf. Selbst vermeintlich solide Werte erlitten teils grosse Verluste. Das ruft nach dem Staat, so auch in der Schweiz.

von Maximilian Reimann, Gipf-Oberfrick

Die wichtigsten dieser Krisen seien kurz in Erinnerung gerufen. Es fing an mit den Beinahe-Zusammenbrüchen von Russland, Brasilien und Argentinien kurz vor dem Jahr 2000, gefolgt vom Platzen der sog. Dotcom-Spekulationsblase um 2002 mit satten Verlusten für viele „börsengeblendete“ Kleinanleger. Kulminationspunkt war dann die Finanzkrise von 2007/08 mit dem Zusammenbruch der renommierten Investmentbank Lehman Brothers in den USA und der Rettung der UBS durch den Bund in der Schweiz als markanteste Negativpunkte. Derzeit leben wir mitten in der Euro-Krise, mit massiver Verschuldung diverser Staaten, die nur mittels Notenpresse und Nullzins-Politik durch EZB und IWF wirtschaftlich am Überleben gehalten werden können.  

Überdrehte Regulierungsschraube

Die individuellen Vermögensverluste als Folge dieser Krisen rief die Politik auf den Plan, zunächst in der EU, dann aber auch in der Schweiz, um den Marktzugang von Schweizer Banken in der EU nicht zu schmälern. So entwarf das Eidg. Finanzdepartement noch unter Bundesrat Maurers Vorgängerin Widmer-Schlumpf zwei neue Gesetzesmoloche mit den Titeln Finanzdienstleistungsgesetz und Finanzinstitutsgesetz. Danach müsste der Anlegerschutz mit einer wahren Flut an Bürokratie erweitert werden, angefangen bei der genauen Eruierung der individuellen Anlagebedürfnisse der Kunden, der Erstellung und Unterzeichnung von Beratungsprotokollen, dem Anspruch auf Herausgabe von Kundendossiers, der Erstellung von leicht verständlichen Basisinformationsblättern für komplizierte Anlageprodukte, Schaffung neuer Ombudsstellen, bis hin zur Klageerleichterung für geprellte Anleger samt Umkehr der Beweislast usw. Vieles ging dem Ständerat als Erstrat in der Wintersession zu weit. Er zog den Vorlagen einige Zähne.

Appell an die Eigenverantwortung

Nun kommen die Gesetze in den Nationalrat und dieser wird nochmals grundsätzlich darüber zu brüten haben, wie weit Finanzkunden von vorneherein als unmündig und Finanzdienstleister als verdächtig einzustufen sind. Natürlich braucht es einen tauglichen Anlegerschutz. Natürlich müssen schwarze – sprich dubiose - Schafe unter den Anbietern möglichst verhindert werden können, und zwar nicht erst durch Staatsanwälte und Strafrichter. Per Gesetz kann aber nicht das hinterste und letzte Detail geregelt werden. Sonst geht es mit unserem einst blühenden Bank- und Finanzplatz Schweiz noch weiter bergab. Gefordert ist deshalb auch die Eigenverantwortung der Anlagekunden. Diese sollten sich der Krisen der Vergangenheit stets bewusst sein und nie übersehen, dass wir mit der Euro- und Verschuldungskrise derzeit mitten in einer solchen leben und in Zukunft weitere hinzukommen werden. Also bitte um Sorgfalt, wenn man sein Geld in Anlagen steckt, die man nicht kennt, oder es anderen Leuten zur Verwaltung anvertraut! Je höher die Gewinnversprechen, umso höher auch stets die Risiken!

05.01.2017 | 7160 Aufrufe

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