Eine Analyse von comparis.ch zeigt: Der gläserne Kunde ist längst Realität. Banken, Kreditkartengesellschaften, Versicherungen, Onlineshops und andere Firmen besitzen Einblick in die Zahlungswürdigkeit der Schweizerinnen und Schweizer. Das wissen fast 90 Prozent der Bevölkerung nicht. Neu kann jeder über comparis.ch Einsicht in seine eigenen Daten erhalten.

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Firmen können einsehen, wer eine Betreibung oder ein Inkassoverfahren am Hals hatte. Sie erfahren auch, ob Verlustscheine ausgestellt wurden, oder ob es zum Konkurs kam. Für einen Einblick in diese Daten braucht es eine vertragliche Verpflichtung zur Einhaltung des Datenschutzes und einen Interessensnachweis.

«Ein berechtigtes Interesse ist beispielsweise dann gegeben, wenn ein Unternehmen eine Online-Bestellung, eine Vertragsofferte oder ein Anmeldeformular für eine Mietwohnung vorweisen kann», erklärt Dominik Weber, Banken-Experte bei comparis.ch. Firmen nutzen solche Daten rege: Allein der Comparis-Bonitätspartner CRIF verzeichnet über 30 Millionen Abfragen pro Jahr. Die Schweizerinnen und Schweizer zeigen sich in einer repräsentativen Befragung von comparis.ch derweil ahnungslos über diesen Sachverhalt.

Schweizer unterschätzen den Kreis der Zugriffsberechtigten

88 Prozent der Befragten wissen nicht, dass alle Unternehmen mit gültigem Interessennachweis Zugriff auf ihre Daten zur Zahlungswürdigkeit haben. Nur 21 Prozent glauben, dass Onlineshops die Bonitätsdaten abrufen können. Und mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Befragten ist sich nicht bewusst, dass Inkassofirmen und Wirtschaftsauskunfteien ihre Bonität kennen. Immerhin 58 Prozent denken, dass Banken auf diese Daten zugreifen können.

Am besten informiert sind Personen mit einem Bruttoeinkommen von weniger als 4’000 Franken monatlich: Rund jeder Fünfte weiss, dass grundsätzlich alle Firmen Zugriff auf Bonitätsdaten haben. Demgegenüber kennen sich Personen mit einem Einkommen von über 8’000 Franken weniger gut im Thema aus (15 Prozent). «Personen mit tiefem Einkommen müssen sich eher mit dem Thema auseinandersetzen», erklärt Banken-Experte Weber. Dieser Befund spiegle auch die Tatsache, dass Personen mit tiefem Einkommen viel häufiger betrieben werden als Personen mit hohen Einkommen.

Im regionalen Vergleich zeigt sich: Die Romands sind besser informiert als die restliche Schweiz: Hier wissen immerhin 15 Prozent, dass alle Unternehmen auf Bonitätsdaten zugreifen können. Am schwächsten schneidet das Tessin mit 10 Prozent ab. In der Deutschschweiz sind es 12 Prozent.

Regelmässige Kontrolle ist sinnvoll

Tatsächlich sammeln Wirtschaftsauskunfteien Daten zum Zahlungsverhalten und zur Identifikation. Als Quelle werden einerseits öffentlich zugängliche Daten wie solche aus dem Handelsregister und den SHAB-Publikationen herangezogen, andererseits Zahlungserfahrungsdaten von tausenden Firmen. Konkret umfasst das Betreibungen, Zahlungsverhalten, Verlustscheine und Konkurse. Aus diesen Daten errechnen die Wirtschaftsauskunfteien einen sogenannten Kredit Score. Auch positive Zahlungserfahrungen fliessen in diesen Score ein.

«Wie hoch der Score ist, kann unser Leben stark beeinflussen. Denn er entscheidet darüber mit, ob wir auf Rechnung bezahlen können, eine Wohnung oder einen Kredit erhalten», erklärt Weber. Deshalb sei es wichtig, die eigenen Bonitätsdaten regelmässig zu überprüfen. Das gelte vor allem nach beglichenen Zahlungsrückständen oder bei Betreibungen. Die Daten würden zwar regelmässig aktualisiert. Dennoch könne es zu unvollständigen oder nicht aktualisierten Einträgen kommen. Bei Verdacht auf eine Falscheinstufung können Konsumenten eine Einsicht in ihre Daten sowie eine Korrektur verlangen.

Bonitätsauskunft auf comparis.ch einsehbar

Die Bewertung ihrer Zahlungswürdigkeit können Konsumenten unter anderem auf der Comparis-Bonitätsauskunft abrufen: www.comparis.ch/bonitaetsauskunft. Die Bonitätsauskunft zeigt den Konsumenten die persönliche Bonität und eine Einstufung im Vergleich zur Schweizer Bevölkerung. Benötigt werden lediglich einige persönliche Angaben sowie ein Ausweis zur eindeutigen Identifikation.

Die repräsentative Online-Befragung wurde durch das Marktforschungsinstitut innofact im Auftrag von comparis.ch im Oktober 2018 unter 1’047 Personen in allen Regionen der Schweiz durchgeführt.

 

Grafik: comparis.ch (zum Vergrössern bitte auf Grafik klicken)

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