Auf dieses Thema aufmerksam gemacht hat mich ein Leser, der mit der aktuellen Verzinsung seines Alterssparkontos von 0,45 % bei der Bank Coop nicht mehr zufrieden ist. Bei der Coop-Depositenkasse würde ihm 2,5 x mehr offeriert, nämlich 1,125 %

Maximilian Reimann

Höherer Zins entspricht höherem Risiko, aber Coop sei doch Coop, so die Logik dieses vorsichtig, aber renditeoptimiert disponierenden Anlegers. In der Tat gehören die Coop-Depositenkonten zu den Renditeperlen, die sich auf dem heimischen Geldmarkt derzeit noch finden lassen. Und würde es sich beim Fragesteller nicht um einen Rentner handeln, der Zugriff zu einem höher verzinslichen Alterssparkonto hat, dann wäre die Zinsdifferenz noch wesentlich grösser. Denn ordentliche Sparkonten werfen für Sparer im Alter von 20 bis 60 Jahren nur noch Zinsen von 0,2 bis 0,35 % ab. Ganz zu schweigen von der Verzinsung der dem Zahlungsverkehr dienenden Privat- und Kontokorrentkonten!

Bank Coop ist nicht Coop-Depositenkasse

Damit also zu den Bonitätsunterschieden der beiden Coop-Institutionen. Die Bank Coop wurde 1927 von Coop-Konsumvereinen und vom Schweiz. Gewerkschaftsbund als „Genossenschaftliche Zentralbank“ gegründet. Im Jahr 2000 übernahm die Basler Kantonalbank die Aktienmehrheit und es folgte die Umbenennung auf den aktuellen Namen. Die Bank Coop ist also eine ordentliche Schweizer Bank. Sie wird von der FINMA beaufsichtigt und die Einlagen verfügen bis zu 100‘000 Franken über den gesetzlichen Anlegerschutz. Entsprechend höher ist ihre Bonität bzw. tiefer die Verzinsung.

Bei der Coop-Depositenkasse handelt es sich nicht um eine Bank, sondern um ein betriebsinternes Finanzierungsinstrument von Coop Schweiz, des zweitgrössten Detailhandelskonzerns des Landes mit einem Jahresumsatz von 28 Milliarden Franken und 75‘000 Mitarbeitern. Einlagen in die Coop-Depositenkasse kann jedermann tätigen. Aktive und ehemaligen Mitarbeiter kommen aber in den Genuss von noch höheren Zinsen. Für die Bonität steht die gesamte Coop-Gruppe gerade. Diese schloss das wirtschaftlich harte Jahr 2011 aber immer noch mit einem ansprechenden Gewinn von 432 Mio. Franken ab. Zusammen mit dem stets wachsenden Eigenkapital, das sich derzeit auf rund 7 Milliarden beläuft, stufe ich die Bonität der spesenfreien Coop-Depositengelder als erstklassig ein.

Erinnerung ans Swissair-Grounding

An firmeneigenen Betriebskassen, die auch Spargelder ihrer Mitarbeiter entgegen nehmen, gibt es in der Schweiz schätzungsweise einige Hundert. Sie mögen nicht verwechselt werden mit den betrieblichen Pensionskassen. In die Geschichte eingegangen ist die Depositenkasse der einst renommierten schweizerischen Fluggesellschaft Swissair. Auch dort machte das Personal regen Gebrauch von dieser Anlagemöglichkeit zu recht attraktiver Verzinsung. Wer den Film vom „Grounding“ der Swissair in Erinnerung hat, weiss, was nun folgt. Es kam zu einem echten Run auf und zu Tumulten vor den Schaltern der Depositenkasse, mit zunächst wenig Erfolg. Die federführende Hausbank stellte sich nämlich auf den Standpunkt, es sei kein Unterschied zu machen zwischen den Mitarbeitern und den anderen Gläubigern der maroden Airline und sperrt die Auszahlung. Es bedurfte dann einer speziellen Vereinbarung zwischen Bundesrat und involvierten Banken, um die Einlagen des Personals freizubekommen.

Seither haftet dieser Art von Betriebskassen der Mangel des fehlenden Anlegerschutzes erst recht an. Das muss man einfach wissen. Aber bei Coop Schweiz fällt meines Erachtens dieser Mangel kaum ins Gewicht. Die nächst gelegenen Depositenkassen von Coop finden sich in Aarau und Basel. Neueinlagen sind während den ersten 6 Monaten blockiert. Danach sind pro Monat 20‘000 Franken kündigungsfrei rückziehbar.

26.07.2012 | 3675 Aufrufe

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