Kennzeichnungen für Verbraucher sollen dabei helfen, Produkte nach bestimmten Kriterien auswählen zu können. Besonders bei Bio-Lebensmitteln stossen wir auf eine Vielzahl von Gütesiegeln. Kaum ein Land übertrifft dabei die Schweiz. Doch was verbirgt sich hinter den Kennzeichnungen und welche davon sind wirklich vertrauenswürdig?

Martina Gloor

Bewusster Konsum

Da wir heutzutage in so vielen Bereichen über eine unglaubliche grosse Auswahl verfügen, ist ein kritischer Konsum wichtig. Unabhängige Instanzen führen Tests aus und stellen den Verbrauchern die Ergebnisse als Orientierung zur Hand.

Getestet wird nahezu alles: Lebensmittel und andere Waren, Serviceleistungen und Bildungseinrichtungen. Hochschulen werden in Rankings bewertet und Arztpraxen miteinander verglichen. Auch in der Unterhaltungsbranche werden Angebote getestet, besonders auch im Internet. Der Schweizer Casino Test stellt seriöse Glücksspielanbieter vor. Wichtig ist dabei zu wissen, dass die Prüfer auch die jeweiligen Kriterien im Auge haben, auf die wir Wert legen.

Was erwarten wir also von Bio? Wollen wir nur selbst gesünder leben oder wollen wir auch das Tierwohl und die Nachhaltigkeit unterstützen? Die Zahl der Lebensmittel-Labels nimmt immer weiter zu. Wenn wir im Laden ökologisch und bewusst einkaufen, orientieren wir uns an diesen  Labels. Um sicher sein zu können, welche davon wirklich die Produkteigenschaften garantieren, die wir uns wünschen, müssen wir uns über die Hintergründe informieren.

Immer wieder werden deshalb Gütesiegel von verschiedenen Prüfstellen unter die Lupe genommen. Der WWF hatte unter anderem mit dem Schweizer Tierschutz STS und der Stiftung Konsumentenschutz 2015 die Labels beurteilt und umfassende Kriterien berücksichtigt. Die Messlatte wurde hoch angelegt und besonders die Nachhaltigkeit in den Fokus gerückt. Es handelte sich um eine strenge Beurteilung.

Der Dachverband Bio Suisse organisiert und führt seit der Gründung 1981 die Entwicklung des biologischen Landbaus in der Schweiz. Die Hausmarke Knospe garantiert die Einhaltung der Bio Suisse Richtlinien und damit einen sehr hohen Bio-Produktionsstandard über den gesamten Landwirtschaftsbetrieb sowie der vor- und nachgelagerten Sektoren.

Weniger gute Noten gab es für das EU-Bio-Siegel, welches keine Regelungen betreffend Transport enthält und Kriterien wie Biodiversität, Wasserverbrauch oder Sozialstandards nicht oder nur teilweise abdeckt.

Der Markt wächst weiter: neue Siegel erscheinen und weitere Produzenten schliessen sich dem Biotrend an. Trotz Erneuerungen und Änderungen in der Bioverordnung 2019, bleiben jedoch die von WWF und Co. hoch gewerteten Labels an der Spitze und bieten uns verantwortungsvollen Konsumenten weiterhin hohe Qualität.

7 wirklich gute Bio-Siegel:

Wertung “ausgezeichnet”:

  • Knospe Bio und Knospe Bio Suisse
    Die Knospe von Bio Suisse kennzeichnet nach den Richtlinien von Bio Suisse hergestellte Bioprodukte. Bei gleichen Richtlinien für in- und ausländische Produkte, liegt der Standard deutlich über den gesetzlichen Anforderungen. Inländische Produkte sind durch das Schweizer Kreuz im Label gekennzeichnet. Überdurchschnittliche Resultate in den Umweltbereichen Wasser, Boden, Biodiversität und Klima, sowie auch in den Bereichen Tierwohl und Soziales, machen das Label zum Spitzenreiter der Branche. Zudem gibt es für viele andere Labels die Richtlinien vor. Es darf bei der Produktion keinerlei Gentechnik eingesetzt werden, Kunstdünger und chemische Pflanzenschutzmittel sind tabu. Auch synthetische Aromen oder Farbstoffe gelten als verboten.
  • Bio natur plus (Manor)
    Das Bio Natur Plus (Manor) Siegel kennzeichnet nach den Richtlinien von Bio Suisse hergestellte Bioprodukte. Für inländische und importierte Produkte gelten die von Bio Suisse vorgegebenen Richtlinien. Unter dem Label sind Früchte, Gemüse und tierischen Produkte im Angebot, jedoch keine Produkte aus dem Süden, denn der Import von Bioprodukten wird nach Möglichkeit vermieden.

  • Naturaplan (Coop)
    Auch Naturaplan (Coop) kennzeichnet nach den Richtlinien von Bio Suisse hergestellte Bioprodukte. Das Label erzielt für verschiedene Produktsortimente in allen Bewertungsbereichen überdurchschnittliche Resultate. Das Tierwohl wird grossgeschrieben und die Tiere haben täglichen Auslauf und kommen weitgehend (Ausnahme bei Rindvieh) in den Genuss von Gruppenhaltung. In- und ausländische Produkte unterliegen den gleichen Richtlinien. Produkte aus dem Süden sind in der Regel zusätzlich Max Havelaar zertifiziert.

 

Wertung “sehr empfehlenswert”:

  • Migros Bio
    Für die biologisch produzierten Lebensmittel von Migros Bio orientieren sich die Hersteller bei inländischen Produkte an den Richtlinien der Bio Suisse. Für Importe greift die Migros auf die weniger strengen Anforderungen der EU-Bio-Verordnung zurück, allerdings mit zusätzlichen Auflagen wie dem Verbot von Flug-Transporten. Weitere Zusatzanforderungen werden etwa bei Sozialem, Verpackungen und Rückstandskontrollen gestellt. Produkte aus dem Süden sind in der Regel zusätzlich Max Havelaar zertifiziert.

  • Bio Organic (Lidl)
    Auch bei Lidl wird Konsumenten mit Wunsch nach bewusstem Konsum etwas geboten. Bei den biologisch produzierten Lebensmitteln mit der Kennzeichnung von Bio Organic (Lidl) sind inländische Produkte durch das Schweizer Kreuz im Label hervorgehoben. Dabei stützt man sich auf die Richtlinien der Bio Suisse. Das Label weist darauf hin, dass für Importe die weniger strengen Anforderungen der EU-Bio-Verordnung gelten. Unter dem Label sind Früchte, Gemüse und andere Produkte im Angebot.

  • Demeter
    Demeter-Produkte unterstehen strengen Richtlinien und das Label steht für biologisch-dynamisch produzierte Lebensmittel. In der Schweiz müssen die produzierenden Höfe zusätzlich Bio Suisse zertifiziert sein. Die Produkte erzielen in vielen Bereichen für inländische Erzeugnisse überdurchschnittliche Resultate. Doch da die Richtlinien von Demeter International für importierte Produkte weniger streng sind als die Bio Suisse Anforderungen, erscheint das Label nicht in der höchsten Bewertungskategorie.

  • Naturland
    Naturland und Bioland sind das deutsche Gegenstück zu Bio Suisse. Die Vorschriften liegen deutlich über jenen der EU-Bio-Verordnung. Naturland stellt besonders hohe soziale Anforderungen bei Produkten aus dem Süden. Hervorzuheben sind auch die Anforderungen zur Aquakultur, mit denen das Label die höchste Punktzahl erreicht. Doch sind keine konkreten Massnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt geregelt und bei Flug-Transporten fehlen entsprechende Verordnungen.


Bild von Nadine Trief / pixabay.com

Fazit

Es gibt tatsächlich Gütesiegel, die uns garantieren, dass die Hersteller der Produkte auch halten, was sie versprechen. Dabei stossen wir auf eine ganze Reihe weiterer Labels, die qualitativ hochwertige Bio-Ware zertifizieren. Besonders gibt es auch solche, die nur für eine bestimmte Produktsparte vergeben werden, wie etwa für Bio-Fleisch oder ökologisch erzeugten Wein. Manche Labels werden irrtümlich mit ökologischer Erzeugung in Verbindung gebracht und wir müssen uns bewusst machen, dass beispielsweise die “integrierte Produktion” (etwa IP-Suisse) eigene, abweichende Kriterien voraussetzt. Fest steht: Der Schweizer Bio-Sektor ist einer der grössten und besten weltweit.

 

 

Symbolbild im Head des Textes von Gerd Altmann / pixabay.com

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