Die Anzahl Staustunden nahm im letzten Jahr weiter zu. Verschiedene Abschnitte des Nationalstrassennetzes überschreiten die Grenze der Leistungsfähigkeit regelmässig. Das geht aus dem Verkehrsflussbericht des Bundesamts für Strassen (ASTRA) hervor.

ASTRA

Neun von zehn Staustunden waren auf Kapazitätsengpässe zurückzuführen. Als unerwünschte Folge davon nahm das Verkehrsaufkommen auf den untergeordneten Strassen erstmals stärker zu als auf den Nationalstrassen. Um den Verkehrsfluss zu verbessern, setzt das ASTRA auf gezielte Kapazitätserweiterungen, Pannenstreifenumnutzungen und Verkehrsmanagementmassnahmen. Erfreulicherweise weiter rückläufig sind die Staustunden wegen Baustellen.

Die Fahrleistung des gesamten Verkehrs auf den Nationalstrassen nahm 2017 um 2 Prozent zu (2016: +2.4 Prozent). Insgesamt wurden 27'680 Millionen Kilometer zurückgelegt, was gut 67‘500-mal der Entfernung zwischen der Erde und dem Mond entspricht. 2017 wurden über 40 Prozent des gesamten Strassenverkehrs in der Schweiz auf den Nationalstrassen abgewickelt, beim Güterverkehr sind es sogar mehr als 70 Prozent, obwohl die Nationalstrassen nur rund 2.5 Prozent des gesamten Strassennetzes umfassenDamit ging der Anteil am Gesamtverkehr, welcher auf den Nationalstrassen abgewickelt wird, 2017 erstmals zurück. Das Verkehrswachstum auf dem übrigen Strassennetz war grösser. Dies ist ein Indiz dafür, dass in den Agglomerationen viele Nationalstrassenabschnitte die Grenze der Leistungsfähigkeit erreicht haben. Die Folge ist, dass sich der Verkehr auf die kantonalen und städtischen Strassen verlagert. Diese Entwicklung ist unerwünscht.

Gezielte Ausbauten und verbessertes Verkehrsmanagement

Um den Verkehr auf den Nationalstrassen flüssig zu halten und die Staustunden zu senken, setzt das ASTRA einerseits auf gezielte Ausbauten im Rahmen des Strategischen Entwicklungsprogramms (STEP Nationalstrassen), andererseits auf eine bessere Nutzung der bestehenden Strassen. Zudem erarbeiten auch die Kantone Projekte zur Verbesserung der Schnittstellen zwischen den Netzebenen, die in die Agglomerationsprogramme einfliessen. Ziel dieser Massnahmen ist es, den Verkehrsfluss zu verbessern und Verfügbarkeit und Berechenbarkeit der Reisezeiten auf den Nationalstrassen zu verbessern.Im Rahmen von STEP treibt das ASTRA mehr als 30 Projekte zur Engpassbeseitigung voran. Mit dem Realisierungshorizont 2030 will der Bund über 13 Milliarden Franken investieren, bis 2040 gesamthaft über 28 Milliarden. Zu den STEP-Projekten gehören unter anderem die Kapazitätserweiterung am Nordring Zürich (Autobahn A1, im Bau), die A1 bei Crissier VD (Ausführungsprojekt) oder der Sechsspurausbau der A1 zwischen Härkingen und Luterbach (Ausführungsprojekt).Weiter setzt das ASTRA auf die (temporäre) Umnutzung von Pannenstreifen als zusätzliche Fahrspur. Mehrere Vorhaben sind weit fortgeschritten, namentlich in Winterthur (A1), im Raum Lausanne (A1/A9) und in Bern (A6/Ostring). Dort wo das zweckmässig ist, sind zudem die Ein- und Ausfahrtsspuren bei den Anschlüssen verlängert worden.Das bestehende Nationalstrassennetz kann zudem mit zusätzlichen Verkehrsmanagementmassnahmen besser bewirtschaftet werden. Zu diesem Zweck wurden im Herbst 2017 auf den stark belasteten Abschnitten Muri–Thun (Autobahn A6) und beim Anschluss Buchrain–Verzweigung Rütihof (Autobahn A14) Anlagen für eine flexible Geschwindigkeitsregelung installiert. So kann die Verkehrsmanagement-Zentrale der Schweiz das Tempo in Abhängigkeit vom Verkehrsfluss regeln und direkt eingreifen, bevor ein Stau entsteht.

Schnellere Räumung von Unfallstellen

Zusammen mit der Kantonspolizei Aargau hat das ASTRA ein Pilotprojekt durchgeführt, um Unfallstellen schneller zu räumen. Aufgrund der positiven Erfahrungen wird diese Massnahme auf die übrigen Kantone ausgedehnt. Sie beruht auf einer besseren Koordination und effizienteren Prozessen zwischen den involvierten Akteuren sowie der Sensibilisierung dafür, dass eine rasche Räumung der Unfallstelle mithilft, die Stauzeiten zu verkürzen.

Verkehrsteilnehmende können mithelfen

Wechseltextanzeigen tragen ebenfalls dazu bei, den Verkehr flüssig zu halten: Lange andauerndes Linksfahren und zu nahes Auffahren bremsen den Verkehr und sind mitverantwortlich für Staus. Gleiches gilt für das zögerliche Bilden der Rettungsgasse für Einsatzfahrzeuge. Das ASTRA nutzt daher seit Anfang 2017 Wechseltextanzeigen, um den Verkehrsteilnehmenden Verhaltenstipps anzuzeigen, denn  sie können mit ihrem Fahrverhalten mithelfen, den Verkehr flüssiger zu gestalten.

Massnahmen auf Kantonsstrassen

Damit das Nationalstrassennetz seine wichtige Drainage-Funktion in den Agglomerationen weiterhin wahrnehmen kann, sind nebst Ausbauten und der laufenden Verbesserung des Verkehrsmanagements auch Massnahmen auf dem untergeordneten Strassennetz notwendig. Dies gilt insbesondere im Bereich der Anschlüsse. Nur schlecht und zögerlich abfliessender Verkehr ist mitverantwortlich für zunehmende (Rück-)Staus auf den Nationalstrassen. Diese Staus wiederum führen dazu, dass Verkehrsteilnehmende die Nationalstrassen meiden und vermehrt auf das untergeordnete Strassennetz ausweichen. Um dem entgegen zu wirken, sind auch die Kantone gefordert und u.a. mit den Agglomerationsprogrammen steht das Instrumentarium zur Verfügung.

Kaum noch Stau wegen Bauarbeiten 2017
Der Verkehr staute sich auf dem Nationalstrassennetz während insgesamt 25 853 Stunden. Dies entspricht einer Zunahme um 7.4 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2016: +5.4 Prozent). Mit Abstand die häufigste Ursache für Staus bleibt die Verkehrsüberlastung: Während 22 949 Stunden stockte der Verkehr infolge Überlastung, dies entspricht 89 Prozent aller gemessenen Staustunden. Wiederum gestiegen sind die unfallbedingten Staustunden, von 2420 Stunden auf 2504 (+3.5 Prozent).

Demgegenüber hat sich der rückläufige Trend bei den Staustunden wegen Baustellen weiter fortgesetzt. Sie verringerten sich erneut um einen Drittel auf 236 Stunden, was weniger als einem Prozent der Gesamtstauzeiten entspricht. Die Bemühungen des ASTRA, Bauarbeiten vorwiegend während der verkehrsarmen Zeiten auszuführen, zahlen sich aus. Ausser zu Randzeiten werden kaum Fahrstreifen wegen Bauarbeiten gesperrt.

Die 2016 festgestellte geographische Verschiebung der Stauentwicklung aus dem Grossraum Zürich hin zur Westschweiz hat sich 2017 fortgesetzt. Die Staustunden in der Romandie sind wiederum stark angestiegen, besonders stark auf der Umfahrung Lausanne. Im Grossraum Baregg stagnierte die Stauentwicklung, nachdem 2016 noch ein Rückgang der Staustunden festgestellt wurde.

Symbolbild von Rainer Sturm / pixelio.de

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