Für den emeritierten Zürcher Bankenprofessor Urs Birchler hat sich die Postfinance überlebt, wie er im Interview mit der «Handelszeitung» sagt. Die Existenzberechtigung der Postfinance bestehe eigentlich in der Grundversorgung der Bevölkerung mit Zahlungsverkehrsdienstleistungen, sagt Birchler. Dazu gehöre ein Netz von zu Fuss erreichbaren Filialen und eine Staatsgarantie für Postfinance-Gelder. Doch das Filialnetz spiele nur noch bei einem kleinen Teil der Bevölkerung eine Rolle.

Handelszeitung / ots.

Ein Immigrant, der kein Deutsch spreche, oder eine Betagte, die nicht mehr gut sehe, seien am Postschalter meist besser aufgehoben als bei einer Geschäftsbank. «Alle andern zahlen heute mit Kreditkarte oder Handy; für die grosse Mehrheit ist die Postfinance ein Relikt.»

Und auch die Staatsgarantie sei kein Alleinstellungsmerkmal, erklärt Birchler. Gelder bei Geschäftsbanken seien durch den Einlegerschutz bis 100'000 Franken abgedeckt. «Wer noch sicherer sein möchte, geht zu einer Kantonalbank», sagt der Bankenprofessor. Er zweifelt deshalb an der Raison d'être der Postfinance: «Eine Institution, die es nicht braucht, verschwindet langfristig letztlich von selbst.»

Der Zürcher Bankenprofessor spricht sich im «Handelszeitung»-Interview auch gegen eine Aufgabe des Kreditverbots bei der Postfinance aus: «Ein weiterer Konkurrent mit eidgenössischer Staatsgarantie wäre vollkommen überflüssig beziehungsweise schädlich.» Zumal: Auch eine privatisierte, aber als systemrelevant eingestufte Postfinance müsste im Krisenfall vom Staat gerettet werden. Kein Politiker würde eine Bank mit über zwei Millionen Gläubigern im Stich lassen.

 

Archivbild von post.ch

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