Künstler und Künstlerinnen aus der Schweiz und dem Ausland erwecken seit zwei Monaten den alten Koloss wieder zum Leben. Der Campus-Attisholz lässt mit der “Kettenreaktion 19” das grösste Entwicklungsareal der Schweiz neu bespielen.

Claudia Brander / Werne Feller

Über 80 nationale und internationale Kunstschaffende aus den Bereichen Urban Art, Kunst, Design, Installation oder Fotografie, arbeiten seit Wochen in den verlassenen Räumen und Hallen der ehemaligen Zellulosefabrik Attisholz, welche heute im Besitz der Halter AG ist. Von überall her kommen  die Kunstschaffenden – um hier ihren Fussabdruck zu hinterlassen. Mit dieser Veranstaltung wird ein Treffpunkt im Zeichen der Gegenwartskunst der Schweiz und durch die internationale Beteiligung, auch für Europa geschaffen. Murals, Kabinette, Räume, Hallen, Objekte und Installationen entstehen in einer grossen künstlerischen Vielfalt. Sie bringen Farbe und Leben in das triste Gemäuer der leerstehenden Zellulose-Fabrik.

Die im Jahr 2016 erstmals unter der Bezeichnung „Kettenreaktion 16“ stattfindende Arealinszenierung führte in den letzten drei Jahren zu einem Magnet für Besucher, Fotografen und Filmemacher, aber auch einem grossen  und interessierten, breiten Publikum. Durch den Verein BTS  (Beneath The Surface www.bts.world) und die Kunstschaffenden ist eine aussergewöhnliche Plattform entstanden. Etablierte Bereiche wie  die Kantine, die  Galerie in der Säulenhalle, das Auditorium und das Künstlerwohnhaus.

„Unsere Vision ist es, eine Institution für Kunst und Kultur an einem Ort zu etablieren, die diesem Umstand der permanenten Veränderung Rechnung trägt. Auch hier stellen wir die Prozesse in den Mittelpunkt. Es soll ein Ort für Austausch entstehen der allen Nutzern des Areals offen steht," erklärt Initiator Werne Feller.

Ein jährlich wiederkehrendes «Artist in Residence Programm», bei welchem Kunststipendien vor Ort vergeben werden, ermöglicht nationalen und internationalen Kunstschaffenden auf dem Areal für ein paar Wochen zu leben und zu arbeiten. Die Kunstschaffenden werden dabei professionell begleitet, ihre Arbeit dokumentiert und archiviert. Der Verein BTS unterstützt Künstler im öffentlichen Raum in und um Solothurn, indem er diesen Raum  für sie öffnet, alles dokumentiert und Künstler direkt mit Material und Unkosten unterstützt.

Ab dem 16. August dürfen die Besucher in bisher abgesperrte Zonen eintauchen und  sich auf die beeindruckende Welt des „Urbanexploring“ im Bauch der alten Fabrik einlassen.

Die Betonkolosse lösen bei den meisten Besuchern eine Mischung aus Beklemmung und Faszination aus. Das Areal öffnet sich wie von der Besitzerin Halter AG geplant,  langsam nach Westen hin. Die Faszination wird durch Bewunderung abgelöst, wenn man einen der Künstler beim Arbeiten an einem grossen Mural entdeckt und ihm beim Entstehen seines Kunstwerks zuschauen kann.  Aussergewöhnlich ist auch der Spielplatz, mit den in den Boden eingelassenen früheren Lagertanks neben dem Säureturm. Die weit geschwungene Wendeltreppe, die schweizweit einzigartig ist, gibt den Blick auf den nördlichen Aareeingang frei, der an der Kettenreaktion 19 erstmals der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht wird. Das zentrale Transformatorenhaus wird einzig für dieses Festival zu einem Kunstobjekt mit verschiedenen Kabinetten sowie einem Eventraum mit Bar. Im Oktober wird das Gebäude abgerissen und wird im kommenden Jahr zu einem öffentlich zugänglichen Areal, mit Sicht auf die Aare und Attisholz Süd.

Die Kunstausstellung, die bis Ende August als Prozess entsteht, bietet kulturell ein breites Spektrum wie es in der Schweiz gegenwärtig nirgends zu finden ist: Kunst, Musik, Tanz, Film, Fotografie, Installationen und Performances, Kurse und Führungen finden jeweils an den Wochenenden vom 16. August bis 8. September 2019 statt. 

Das Zellulose-Gelände entpuppt sich dabei als riesiger Spielplatz für Experimentierfreudige aller Gattung. Künstler öffnen durch ihre Arbeiten den Raum, wodurch das Publikum Visionen für mögliche Gestaltungen des Geländes entwickeln kann. Neben Urbaner Kunst-Inszenierungen in Fabrik- und Büroräumen, zeigt das Festival in einem Kinoraum beim Eingang Filme zu den Künstlern, zur Entstehung der Murals, Kabinette und Hallen, sowie auch zur Arealentwicklung und Planung.

Die Firma Halter AG aus Zürich, Eigentümerin des Zellulose-Areals und Unterstützerin des Vereins BTS, ist überzeugt, dass Kunst und Kultur die Entwicklung des grossen Geländes dosiert voranbringen kann und dynamische, kreative Kräfte auslöst. Das Areal unterliegt einem permanenten Wandel und ist bereits heute mit Leben gefüllt. Die Kunstschaffenden freuen sich über die praktisch unbegrenzten Möglichkeiten dieses grosse Areal bespielen zu können. Dabei ist die Unterstützung und das Vertrauen zentral wichtig, das ihnen von der Firma Halter AG mit deren visionärem Ansatz und Gesamtkonzept für Attisholz Nord entgegengebracht wird.

In den kommenden zwanzig bis dreissig Jahren soll hier gemäss Vision der Halter AG ein lebendiges, gemischt genutztes Quartier mit vielfältigen Nutzungen wie Wohnen, Gewerbe, Arbeit und Freizeit entstehen.

Recording 3.0.

Der Abschluss der KR19 bildet die sogenannte Publikation Recording 3.0. Es ist dies die Dokumentation der „Kettenreaktion 19“ und welche Veränderungen das Areal eben durch genau diese während drei Monaten erfahren hat. Recording 3.0 wird im Oktober feierlich präsentiert werden. Entstanden sind bis heute zwei Publikationen in dieser Reihe, welche die temporären Kunstwerke dokumentieren: «Für die Kunstschaffenden, für die Region und mit den Jahren der Wiederkehr der Publikationen auch für die Geschichte des Areals Attisholz», so Werne Feller. 

„Kettenreaktion 19“ kann auf Facebook, und auf der Seite von www.Campus-Attisholz.ch verfolgt werden.

Ausstellungsdaten:

ARTBANG WEEKEND - Kettenreaktion 2019
Fr. 16. und  Sa. 17.8.2019 / 16.00-22.30h
So. 18.8.2019 / 10.00 - 17.00

EXPLORING WEEKEND - Kettenreaktion 2019
Fr. 23. und  Sa. 24.8.2019 / 16.00-22.30h
So. 25.8.2019 / 10.00 - 17.00

FORMING WEEKEND - Kettenreaktion 2019
Fr. 30. und  Sa. 31.8.2019 / 16.00-22.30h
So. 1.9.2019 / 10.00 - 17.00

TRANSGRESSION WEEKEND - Kettenreaktion 2019
Fr. 6. und  Sa. 7.9.2019 / 16.00-22.30h
So. 8.9.2019 / 10.00 - 17.00

Anreise:

  • Auto
    Von Basel/Zürich: Anfahrt via Autobahn A1, Ausfahrt Wangen an der Aare Richtung Wiedlisbach/Solothurn nach Riedholz.
    Von Bern: Anfahrt via Autobahn A1, Ausfahrt Kriegstetten/Derendingen nach Luterbach/Riedholz.
  • Öffentliche Verkehrsmittel
    Mit dem Zug oder Bus bis Bahnhof Luterbach oder Riedholz. Zu Fuss rund 10 Minuten bis auf das Areal.
  • Fahrrad
    Anreise via Hauptstrasse oder Aarepromenade von Solothurn/Luterbach/Riedholz.
  • Parkplatz
    Es steht eine beschränkte Anzahl Parkplätze für Autos und Motorfahrräder zur Verfügung.

Info:

Das Gelände ist teilweise Rollstuhlgängig. WC Anlagen stehen zur Verfügung. Verschiedene Bars und Verpflegungsmöglichkeiten.

 

Foto: Werne Feller, belebter Boulevard

 

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