In der Online-Ausgabe des an sich seriösen deutschen Nachrichtenmagazins „Focus“ wirbt ein Zürcher Finanzdienstleistungsunternehmen für hochrentable Geldanlagen in der Schweiz, die für mich fern jeglicher Realität liegen.

Maximilian Reimann

Konkret lautet das Inserat wie folgt: „Geldanlage Schweiz: 12 % Rendite im Jahr, Euro frei, ohne Risiko und zu 100 % steuerfrei.“ Das tönt zweifellos verlockend, ist aus meiner Sicht aber schlicht unrealistisch. Nun könnte ich ja hingehen und den Versuch mal mit einem Anfangsbetrag wagen. Vielleicht sähe ich dann ins „raffinierte Konzept“ besagter Zürcher Finanzjongleure hinein. Ich erwähne sie bewusst nicht mit Namen, auf dass ja nicht noch ein Leser der Idee verfallen könnte, seinerseits den Versuch zu wagen…

Sichere Jahresrendite bei 1 %

Nehmen wir das Angebot nun näher unter die Lupe. „Ohne Risiko“ heisst, dass der Beitrag am Ende der Laufzeit zu 100 % zurückbezahlt wird. Damit entfallen mal alle kotierten Aktienwerte wie beispielsweise die hochsoliden schweizerischen Blue-Chips vom Typ Nestlé, Roche, Novartis, Geberit oder Ems-Chemie, die allesamt Aktienrenditen von 3 – 4 % aufweisen. Bei weiterhin steigenden Börsenkursen kann man mit solchen Titeln natürlich weit höhere Jahresrenditen (Dividende + Kursgewinn) herausholen. Aber die Börsen können in den nächsten 12 Monaten auch wieder drehen, ja gar regelrecht abstürzen. Dann kommen selbst die besten Blue-Chips unter die Räder, wie wir letztmals 2008/09 drastisch erlebt hatten. Sichere Anlagen sind Aktien auf Anlagehorizont 1 Jahr somit nicht.

Verbleiben also nur die solidesten CHF-Obligationen, die relativ kurzfristig fällig werden. Diese notieren je nach Zinsfuss praktische allesamt über 100 %. Zählt man noch die Bankspesen, also Courtage, Depotgebühr und Stempelabgabe hinzu, dann resultiert praktisch ein Ertrag von 0 bis höchstens einem Prozent. Und dieser unterliegt erst noch der Einkommenssteuer, ist also keineswegs steuerfrei. Mit Spar- und Einlagegeldern ist es nicht anders. Die höchstens Renditen, die ich gefunden habe, bietet PostFinance, nämlich:

  • 1,25 % auf E-Deposito-Konten für Jugendliche bis maximal 25‘000 Franken
  • 0,5 % für gewöhnliche E-Deposito-Konten bis maximal 500‘000 Franken

Und die 5 – 10 % auf Strukis?

Unter „Strukis“ versteht man die strukturierten Anlageprodukte, die hauptsächlich auf einer oder mehreren Aktien beruhen und mit auffällig hohen Coupons ausgestattet sind. In der Regel beträgt die Laufzeit ein Jahr. Aber auch da darf keinesfalls von „Risikolosigkeit“ gesprochen werden. Fallen die unterliegenden Aktienwerte nämlich auf eine gewisse Schwelle bzw. Barriere hinunter, dann erfolgt die Rückzahlung in Form von Aktien. Und solche Kursverluste können ins Geld gehen, nebst Courtagen, Depotgebühr und Stempelabgabe. So sitzen noch viele Anleger auf Aktien wie etwa von UBS oder Credit Suisse, die sie mit „Strukis“ aus den Jahren 2007 bis 2009 eingefahren hatten und die heute immer noch weit unter den damaligen Börsenwerten liegen. Zudem sind die hohen Coupons auch nicht ganz steuerfrei. Sie zerfallen nämlich in einen Kapital- und einen Zinsanteil. Nur der - meist deutlich grössere - Kapitalanteil ist wirklich steuerfrei, nicht hingegen der Zinsanteil. Dieser unterliegt der ordentlichen Einkommenssteuer.

Was heisst „Euro frei“?

Natürlich sind derzeit viele Anleger in Deutschland, an die das Angebot im „Focus“ primär gerichtet ist, alles andere als vom Euro begeistert. Der „Bankeinlagen-Diebstahl“ auf Zypern, die massive Überschuldungen insbesondere der südlichen Euro-Länder sowie die angeschlagene Wirtschaftslage in der EU mit unglaublich hohen Arbeitslosenquoten veranlasst viele deutsche Anleger, vermehrt in andere Währungen zu diversifizieren. Dazu gehört nachgerade auch der Schweizerfranken, auch wenn er vorerst noch von der Schweizerischen Nationalbank mit Fr. 1.20 an den Euro gekoppelt ist. Das war ein guter Schachzug der SNB, auf mittlere Sicht wird diese Limite aber kaum gehalten werden können.

Im Inserat steht nur, dass die Geldanlage in der Schweiz nicht auf EUR lautet. Von CHF ist hingegen nicht die Rede. Die Rede ist lediglich von Investments „in innovative Schweizer Jungunternehmen sowie in bestehende Unternehmen mit hohem Expansionsanteil“, wobei lediglich die Erlös-Auszahlungen in CHF erfolgen.

Schlussfolgerung

Man kann es drehen und wenden, wie man will, aber solche Geldanlage-Inserate sind aus meiner Sicht schlicht unseriös. Investments in Jungunternehmen wie auch in bestehende nicht-börsenkotierte Unternehmen sind alles andere als „ohne Risiko“. Deshalb gibt es nur eines, für deutsche wie für schweizerische Anleger: Hände weg vor solchen Angeboten und weiterhin zufrieden sein mit bescheidenen Renditen, dafür ohne Angst vor Verlusten in weiterhin unberechenbaren Anlagezeiten!

10.05.2013 | 9263 Aufrufe

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