Ein Leser, der kurz vor der Pensionierung steht, frägt mich an, wie er die noch heuer fällige Hypothek von 320‘000 Franken ersetzen soll. Gefallen täte ihm ein 10-jähriges Fix-Angebot zu 2,6 % Zins.

von Maximilian Reimann

Meine vorranginge Antwort ist diese: Lassen Sie sich Zeit, prüfen Sie die reichhaltige Angebotspalette und stellen Sie Vergleichsrechnungen an. Dabei ist auch die Steuersituation gebührend einzubeziehen. Eine Standardlösung gibt es nicht. Der Hypothekenvergleich, der nicht nur Banken, sondern auch Versicherungen sowie die PostFinance umfassen sollte, ist zwar zeitaufwendig. Aber er dürfte sich lohnen!

Mit steigenden Zinsen rechnen!

Die grosse Unbekannte im aktuellen Hypothekargeschäft ist die Zinsentwicklung. Niemand weiss, wo wir in dieser Hinsicht in 2, 5 oder gar 10 Jahren stehen. Sicher ist m.E. nur, dass es nicht mehr weiter nach unten gehen kann. Die seit ein paar Jahren von den nationalen und internationalen Zentralbanken betriebene Tiefzinspolitik hat die Talsohle längstens erreicht. Die Zinstendenz neigt wieder nach oben. Offen sind nur Zeitraum und Anstiegstempo. Eine variable LIBOR-Hypothek von derzeit 1,25 % kann noch einige Zeit auf diesem Niveau verharren, aber auch rasch auf 1,5 – 2 % ansteigen. Eine 3-jährige Festhypothek von aktuell 1,5 % oder eine 8-jährige von derzeit 2,3 % bleiben hingegen während der gesamten Laufzeit auf diesem Niveau. Deshalb würde ein Splitting der Hypothek mit gestaffelten Laufzeiten grundsätzlich Sinn machen. Im vorliegenden Fall könnte ich mir eine hälftige Aufteilung auf 3 Jahre zu 1,5 % und auf 10 Jahre zu 2,6 % vorstellen. Diese Zinssätze fallen natürlich je nach Hypothekargläubiger, Bonität des Schuldners und zu finanzierende Immobilie unterschiedlich an. Der Markt spielt.

BVG-Kapitalbezug zur Amortisation?

Nebst den Steuern sind aber auch noch weitere Einkommens- und Vermögensfaktoren in die Vergleichsrechnung einzubeziehen. Je mehr man sich dem Pensionsalter nähert, und das ist hier der Fall, drängt sich die Frage auf, ob man BVG-Kapital zur Ablösung der Hypothek verwenden soll. Auch hier gibt es keine Standardantwort. Einem mittelständischen Hypothekarschuldner empfehle ich aber den Rentenbezug einerseits sowie möglichst lange Festhypotheken andererseits. Dann weiss er, zumindest auf die überblickbaren nächsten Jahre hinaus, wie viel er konkret erhält und was er an Schuldzins aufzuwenden hat. Und was tun mit Sparvermögen und Depotwerten? Da empfehle ich, die kaum mehr verzinsten Spargelder zur Amortisation zu verwenden. Obligationen würde ich nur mehr erwerben, wenn deren Verzinsung über dem Hypothekarzins liegt. Solide Aktien mit hoher Rendite wie Nestlé (vgl. Kasten), Swisscom oder Novartis würde ich jedoch weiter halten.

15.08.2013 | 2394 Aufrufe

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