Gestützt auf Erhebungsdaten des Bundesamtes für Statistik vermelden einzelne kantonale Bildungsdirektionen grosse Erfolge bei der Behebung des Lehrermangels.

Dr. Ulrich Schlüer, Flaach

Es ist das erklärte Anliegen der Pädagogischen Hochschulen, den Lehrerberuf in die Sphäre akademischer Berufe zu erheben. Die neue Lehrer-Ausbildung hat zunehmend akademischen Charakter. Seit diese Entwicklung im Gang ist, nimmt der Lehrermangel zu. Die Pädagogischen Hochschulen können den von der Volksschule verlangten Lehrer-Nachwuchs nicht im entferntesten gewährleisten.

Vor allem Deutsche
Nun wird Entschärfung der Mangelsituation vermeldet. Was ist der Grund? 

Mehrere Kantone haben mit grossem Aufwand begonnen, Lehrer vor allem in den deutschsprechenden Nachbarländern abzuwerben. Weil hierzulande erheblich attraktivere Lehrer-Entlöhnung Tatsache ist, verläuft die Abwerbung erfolgreich: Gemäss Statistischem Amt sind derzeit (anfangs April 2012) 6‘240 Personen «aus dem nahen Ausland» in der Schweiz als Lehrerinnen und Lehrer tätig. Die Zahl der ausländischen Lehrkräfte in Schweizer Schulzimmern habe sich innert eines Jahres um zwölf Prozent vermehrt.

Millionen für Zerstörung und Wiederaufbau
Ist die Situation nicht grotesk? Mit Millionen-Aufwand wurde in der Schweiz im Schielen auf EU-Normen die berufsbezogene, ausgeprägt auf Praxisausbildung ausgerichtete, bewährte Lehrer-Ausbildung an den Lehrerseminaren mutwillig – aber auch vollständig – zerstört.

Mit noch viel grösserem Millionen-Aufwand wurden anstelle der Lehrerseminare Pädagogische Hochschulen eingerichtet und zu akademische Weihen vermittelnden Einrichtungen aufgebläht, die indessen bezüglich Gewährleistung des Lehrer-Nachwuchses für unsere Jugend höchst ungenügende, ja lamentable Leistungen entwickeln. Den Lehrer-Nachwuchs muss sich die Schweiz zunehmend – mittels Abwerbung – im Ausland holen. Wie lange sollen wir dieser Fehlentwicklung noch zuschauen?

Junglehrer geben auf
Besonders alarmierend dabei ist: Vor allem viele Junglehrerinnen und Junglehrer – teuer ausgebildet an den Pädagogischen Hochschulen – wenden ihrem Beruf bereits in den ersten 24 Monaten ihrer Tätigkeit in den Schulzimmern frustriert den Rücken: Das, was sie in der Schule antreffen, was sie bei der Führung ihrer Klassen bewältigen müssten – darauf wurden sie an den Pädagogischen Hochschulen, die sich in theoretisch-akademischen Höhenflügen ergehen, schlicht nicht vorbereitet.

Selbstverständlich muss jeder Lehrer den Stoff, den er seinen Schülern zu vermitteln hat, umfassend beherrschen.

Aber nicht minder wichtig ist, dass er seine Klasse führen kann. Der Lehrerberuf war und ist ein Führungsberuf. Kinder, Jugendliche fürs Lernen zu gewinnen, das bedarf des Lehrers alsVorbild. Deshalb benötigt die Volksschule Klassenlehrer. Die Pädagogischen Hochschulen bilden freilich nur noch Fachlehrer aus – die dann vielfach an den Anforderungen der Klassenführung scheitern. 

Die Eliminierung des Klassenlehrers: Das ist der schwerste Schaden, den die Pädagogischen Hochschulen der Volksschule bescheren. Klassenlehrer, die im Einstehen für ihre Klasse, in der Führung von Schüler und Klasse Vorbild werden, natürliche Autorität ausstrahlen: Das ist das Fundament, auf welchem die Schüler zum Lernen motiviert werden. 

Aus autoritätsfeindlicher Allüre dieses Fundament zu zerstören: Das muss dringendst abgestellt werden.


24.04.2012 | 3599 Aufrufe

Kommentare

Avatar
Sicherheitscode