Die Wiederwahl des umstrittenen Sozialisten und venezolanischen Staatspräsidenten Hugo Chávez verängstigt zahlreiche Unternehmer und führt zu einer Auswanderungswelle. Immer mehr Wirtschaftstreibende und wohlhabende Venezolaner denken nun darüber nach, ihre Heimat zu verlassen.

(pte)

Caracas: Unternehmer befürchten Enteignung (Foto: wikipedia.es)

Der Grund für diese Verunsicherung liegt in der Wirtschaftspolitik Chávez', der sich vergangene Woche gegen seinen Herausforderer Henrique Capriles Radonski durchsetzen konnte.

Ziel Kolumbien

El Commandante, wie er von seinen Anhängern genannt wird, hat seit 1998 rund 1.000 Betriebe enteignet und will diesen Kurs auch weiterhin beibehalten. Zudem befinden sich höhere Unternehmenssteuern in Planung. Viele Firmeneigentümer sind deswegen irritiert und verschreckt. Seit seinem Amtsantritt sind bereits Hunderttausende emigriert. Teils in die USA oder nach Kanada, vor allem aber in das benachbarte Kolumbien. In der Hauptstadt Bogotá empfängt man die ankommenden Wirtschaftsflüchtlinge aus Venezuela mit offenen Armen, sind sie doch gut ausgebildet, unternehmerisch und vermögend. Diese schätzen wiederum das gesunde wirtschaftliche Umfeld in der kolumbianischen Metropole.

Die Online-Plattform MeQieroIr.com http://mequieroir.com (zu deutsch: "ich will gehen") hat sich darauf spezialisiert, ausreisewillige Venezolaner mit Informationen, Ratschlägen und Angeboten zu versorgen. Vor der Wahl am vergangenen Sonntag zählte die Website rund 60.000 Klicks pro Tag. Seit dem Sieg von Chávez haben sich die Seitenaufrufe auf 180.000 verdreifacht. Das Land ist geprägt von politischem Klientelismus, Misswirtschaft und Korruption. Hinzu kommt die hohe Kriminalitätsrate. Im Jahr 2009 beklagte man sogar mehr Mordopfer als im Irak. Gewalttaten, Raubüberfälle und Entführungen stehen in dem Erdöl-Staat auf der Tagessordnung. Die Polizei handelt oft willkürlich. Kriminelle machen auch vor Unternehmern und deren familiären Umfeld nicht Halt.

Schlechte Aussichten

Arbeitslosigkeit und akuter Wohnungsmangel sind die drängendsten Probleme. Chávez' proklamierte Revolution hat eine Vollbremsung hingelegt. Experten rechnen damit, dass das Wirtschaftswachstum 2013 deutlich zurückgehen wird und die Inflation steil nach oben klettert. Die Auswanderungsabsichten der Unternehmer und Reichen werden dadurch wohl kaum gestoppt. Letztere bezeichnet der für seinen Hang zum Populismus bekannte Chávez gerne als "Alliierte des Imperialismus" oder "Feinde der Revolution". 18 Prozent der weltweiten Erdölreserven befinden sich in Venezuela. Der Anteil der Ölexporte an den Gesamtausfuhren beträgt rund 95 Prozent.

22.10.2012 | 758 Aufrufe

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