Eine Zeitung, die am Sonntag erscheint, führt wiederholt negative Kampagnen gegen Lidl. Die Rede ist von "Gehirnwäsche" und "Sektenbetrieb" bei Lidl. Auffällig ist, dass hierzulande gegen den deutschen Discounter, der seit drei Jahren in der Schweiz aktiv ist, schon negative Stimmung verbreitet wurde, bevor überhaupt eine Filiale eröffnet war. Wer dahinter steckt, kann nur vermutet werden. Was für eine Absicht jedoch dahinter steckt, ist durchschaubar.

von Melanie Jäggi

Lidl-Filiale (Bild: lidl.ch)

Es geht um Marktanteile und Angst vor der unerwünschten Konkurrenz. Im Gegensatz zu Aldi führt Lidl Markenprodukte in den Regalen – zu wesentlich günstigeren Preisen als die Konkurrenz Coop und Migros. Zudem sind die Lidl-Filialen in vielen Kantonen immer noch offen, wenn die Grossen längst geschlossen haben.

Coop und Migros haben derzeit Mühe. Sie leiden doppelt. Einerseits macht ihnen die Euro-Schwäche zu schaffen, weil immer mehr Schweizer ins Ausland günstiger einkaufen gehen. Auf der anderen Seite spüren sie die ausländische Konkurrenz im eigenen Land. Vor allem Lidl sorgt mit seinen Markenprodukten für tiefere Preise – denn Coop und Migros kommen regelmässig unter Druck, müssen irgendwie mithalten. Der Preisdruck macht Lidl zu einem ungeliebten Mitbewerber. Wem würde es wohl am ehesten nützen, wenn Lidl seine Expansion in der Schweiz stoppen oder gar aus unserem Land abziehen würde?

Den Lidl-Kritikern sind alle Mittel Recht. In der Medien-Kampagne gegen Lidl stützt man sich schon mal auf Aussagen ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab. Dabei weiss man, dass nichts so vorsichtig zu geniessen ist, wie einseitige Aussagen über ihren früheren Arbeitgeber von ehemaligen, offensichtlich frustrierten, allenfalls übergangenen Mitarbeitern.

Fakt ist: Lidl ist ein ausländischer Arbeitgeber mit einer anderen, für uns Schweizer vielleicht ungewohnten Mentalität. Bei Lidl herrscht ein anderer Wind im Umgang mit den Mitarbeitern als in unserem Land mittlerweile üblich. Das weiss man schon bevor man sich für eine Stelle bei Lidl bewirbt. Aber offensichtlich sind die Lohnkonditionen gut, denn Lidl hat keine Probleme mit der Rekrutierung.

Lidl mag für Arbeitnehmer zweifellos keine Wellness-Oase sein. Die Lidl-Chefs sind auch keine Heilpädagogen, die über alles und jedes Sitzungen abhalten oder diskutieren wollen. Das ist nichts Verwerfliches. Es ist ein anderer, nur auf den Erfolg des Unternehmens ausgerichteter Stil, von dem vielleicht das eine oder andere Schweizer Unternehmen etwas lernen könnte.

Lidl verlangt zweifellos viel von seinen Mitarbeitenden – bietet unter anderem aber auch Hunderte Arbeitsplätze in der Schweiz für eher schlecht qualifiziertes Personal – viele davon mit Migrationshintergrund. Damit nimmt Lidl bereits heute eine gewisse soziale Verantwortung in unserem Land wahr, denn viele dieser Leute würden ohne Lidl der Arbeitslosenkasse oder Sozialhilfe zur Last fallen. Dass solches Personal schwierig zu führen und streng „an der kurzen Leine“ gehalten werden muss, leuchtet jeder Person mit etwas Führungserfahrung ein. Dass sich Lidl schneller von Leuten trennt, die nicht mithalten können oder wollen, ist nur logisch. 

Für die Kundschaft in den Läden ist das alles gar nicht entscheidend. Die Lidl-Kunden wollen gute Produkte zu günstigen Preisen. Sie wollen lange Öffnungszeiten, Gratisparkplätze vor dem Geschäft und Standorte, die man schnell erreichen kann. Deshalb sind sie eben Lidl-Kunden. Kein Grund also, auf jede noch so offensichtliche Medien-Kampagne herein zu fallen.

18.03.2012 | 5407 Aufrufe